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Quo vadis Naturschutz oder Landschaftsschutz/Landschaftspflege auch nach der Wende?

Die Zeiten wandelten sich, die Menschen taten dies zum Teil. Nur die Probleme des Umgangs mit der Natur bleiben die alten. Noch stehe ich unter dem Eindruck der Aktion Sauberes Gebirge und des Herbsteinsatzes der Pirnaer Bergsteiger an den Gänsen. Beides ist nach wie vor nötig, ist doch der Verpackungsmüll auf den Wanderwegen durch Cola-, Bier- und Limonadenbuchsen sowie anderen Einwegverpackungen mehr geworden. Andererseits ist in den Köpfen mancher Bergsteiger immer noch nicht klar, weshalb ein Bewegen in erosionsgefährdeten Hanglagen - also hinter den Absperrungen unterhalb von Gans und Höllenhund - kein Kavaliersdelikt ist. "Trittsiegel" von Bergschuhen sprechen eine deutliche Sprache.

Nun haben wir die grenzenlose Freiheit errungen, aber was ist sie wirklich wert - die Freiheit? Gibt sie uns das Recht, sorglos mit der Natur umzugehen? Wohl eher das Gegenteil dürfte der Fall sein. Aus diesem Grunde möchte ich die Gedanken noch einmal in die Vergangenheit schweifen lassen, um die Gründe zutage zu fördern, die die Pirnaer Bergsteiger ein noch immer währendes Landschaftspflegewerk beginnen ließen. Geboren wurde der Gedanke noch vor dem 2. Landschaftstag "Sächsische Schweiz" im damaligen KFA Pirna, inspiriert durch zwei seiner Sektionen, die berets Pflegeverträge in Wald und Flur am Brand bzw. um die Latzhütte unterhalb der Festung Königstein hatten. Andererseits glaubten die Sektierer unter den Naturschiitzern des Kulturbundes, den Naturschutz für sich gepachtet zu haben und die Bergsteiger aus den Naturschutzgebieten der Sächsischen Schweiz hinaus "schützen" zu können. Daß es aber auch bewußtere Menschen unter den Naturschützern gab, zeigte sich die Begegnung mit dem Hohnsteiner Oberförster Dietrich Graf auf dem besagten 2. Landschafrstag. Daraus entwickelten sich über 40 Arbeitseinsätze mit fast 5000 Arbeitsstunden seit dem Herbst 1983. Diese Flucht nach vom ließ sich durch nichts wegdiskutieren und die Pioniertat der Pirnaer zeigte erheb- liche Erfolge. BFA und SFA Dresden zogen nach, so daß von Dr. Stein auf kritische Fragen hin im WuB Heft 7/8- 1986 5. 3/4 geantwortet wurde, es wird im NSG auch fürderhin keine Sperren für Sport und Tourismuns geben. Nun mag man zwar annehmen, daß derartige Versprechungen noch heute gelten, doch wurden diese Worte in Zeiten der Diktatur geprägt. Heute sitzt Dr. Stein als Chef in der Nationalparkverwaltung und fühlt sich als Nachfahre des Bezirksnaturschutzorgans Dresden sicherlich auch für die Formulierung des Sächsischen Naturschutzgesetzes verantwortlich. Sollte dies ebenso undemokratisch erarbeitet und beschlossen werden wie der Nationalpark Sächsische Schweiz, dann ist mir bereits heute bange um das Klettern im Sächsischen Fels. Heute heißt es mehr denn je: "Leute, seid wachsam im Umgang mit der Natur und mit den Neuen 'Alten'"!

Rolf Schirmer (SBB Pirna)


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