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Naturschutztagung des Deutschen Alpenvereins in Augsburg

Vom 9.-l l. November 1990 fand die jährliche Naturschutzreferententagung des Deutschen Alpenvereins in Augsburg statt, die ganz souverän vom Naturschutzreferenten des DAV, Dr. Röhle, geleitet wurde. Erstmals waren auch Vertreter aus den neuen Bundesländern dabei, sowohl vom Thüringer Bergsteigerbund und vom Sächsischen Bergsteigerbund, der mit über 3000 Mitgliedern größte Sektion des DAV im östlichen Landesteil ist.

Die etwa 160 Teilnehmer vertraten die Alpenvereinssektionen, deren aktivste Umweltgruppen z.B. in der Münchener Sektion "Oberland", der Sektion "Heidelberg" oder in der Sektion "Frankfurt/Main" zu finden sind. Aber auch der SBB mit seiner Arbeitsgruppe Natur- und Umweltschutz braucht sich mit seinen Aktivitäten sicher nicht verstecken. Von den Problemen und Aktionen wie der Unterschriftensammlung "Sächsische Schweiz-Initiative" konnten sich die Teilnehmer auf zwei Postern überzeugen.

Das Hauptthema der Tagung war der Schutz letzter Wildflußlandschaften im Lechtal. Breite Flußebenen mit vielen Kehren, die alljährlich im Frühjahr vom Hochwasser überschwemmt werden, sind für solche Wildflußtäler charakteristisch. Besonders im Oberlauf des Lechs, welcher in Österreich verläuft, gibt es noch letzte unberüherte Wildflußgebiete, denen leider durch Wasserkraftwerke, Begradigung und andere wasserbauliche Maßnahmen das Ende droht. In Bayern oder auch in vielen anderen Gebieten der Alpen sind die Flüsse aus wirtschaftlichen Gründen begradigt und zur Energiegewinnung genutzt worden. Mit den Planungen für den oberen Lech drohen letzte Rückzugsgebiete seltener, an das Leben im Wildfluß angepaßter Pflanzen und Tiere zu verschwinden.

Die anwesenden Gäste und Umweltschützer aus dem österreichischen oberen Lechtal erhielten volle Zustimmung und Unterstützung der Naturschutzreferenten des DAV bei weiteren Aktionen und Aktivitäten. Eine Exkursion führte am Sonnabend an den Lech südlich von Augsburg und eine Stadtführung durch das sehr schöne Augsburg war ebenfalls organisiert. Für den Dresdner sehr interessant war das völlig autofreie Augsburger Stadtzentrum und das hervorragende Straßenbahnnetz mit Straßenbahnen, deren Lautlosigkeit die Dresdner Tatra-Bahnen zu Überschallflugzeugen werden läßt... In Arbeitskreisen wurden am Abend einzelne Schwer- punkte diskutiert, so u.a. Grundsatzfragen der Naturschutzarbeit des DAV oder das Thema Verkehr im Alpenraum.

Der Sonntag war der Diskussion vorbehalten, so wurde z.B. ein Antrag der Sektion Karlsruhe angenommen und an den Verwaltungsausschuß des DAV weitergeleitet, daß der Summit-Club des DAV seine kommerziellen Kletterkurse in den deutschen Mittelgebirgen einstellt, da in vielen der westdeutschen Mittelgebirge aus Gründen der Überlastung der Natur Sperrungen drohen bzw. bereits Realität sind.

Abschließend hatte der SBB Gelegenheit, in der Dis- kussion auf die Probleme in Sachsens Felsenwelt hinzuweisen. Die Unterschriftensammlung gegen die Vermarktung der Sächsischen Schweiz fand dabei breite Unterstützung der Naturschutzreferenten.

Auf das geplante Projekt des Autobahnbaus mitten durch große Waldgebiete der Sächsichen Schweiz in unmittelbarer Nähe des Bielatals gingen wir besonders ein und erhielten die volle Zustimmung der Naturschutzreferenten, daß diese einschneidende Zerstörung wertvoller Gebiete im südlichen Teil der zukünftigen Nationalpark-Region verhindert werden muß.

Abschließend möchten wir den sehr freundlichen Gastgebern der DAV-Sektion Augsburg, besonders Frau Schöfl und Herrn Ritter, für die Aufnahme und Betreuung der SBB-Teilnehmer danken.

Peter Rölke


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