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Ein halbes Jahr nach der Übergabe der Unterschriften an den Umweltminister

Reaktionen auf die Sächsische-Schweiz-Initiative

Am 7. 12. 1990 übergaben wir dem Staatsminister für Umwelt und Landesentwicklung, Herrn Dr. Weise, mehr als 50000 Unterschriften zur Sächsischen Schweiz-Initiative. Mit dieser vom Sächsischen Bergsteigerbund getragenen Unterschriftenaktion sollte auf die drohende Vermarktung der Sächsischen Schweiz und die Notwendigkeit eines effektiven Schutzes dieser einmaligen Landschaft aufmerksam gemacht werden. Bei dem Treffen mit dem Staatsminister stellten wir noch einmal die wesentlichsten Punkte der Initiative dar:

Unser Hauptaugenmerk gilt der Schaffung einer Nationalparkregion für die gesamte Sächsische Schweiz, wodurch ein erhöhter Schutzstatus für die drei Viertel des Gebirges, die nicht im Nationalpark liegen, erreicht werden kann. Weiterhin treten die Unterzeichner der Initiative für die Errichtung eines Flugvorbehaltsgebietes für die gesamte Nationalparkregion und für die Förderung des öffentlichen Personenverkehrs ein. Außerdem gilt es, die Vermarktung des Klettersports durch private Bergführer zu verhindern. Der Umweltminister begrüßte unsere Initiative und bekundete seine Zustimmung zu den einzelnen Punkten. Weiterhin sicherte er uns Unterstützung bei der Durchsetzung unserer Forderungen zu.

In der Folgezeit galt es, immer wieder bei den zuständigen Stellen und in der Öffentlichkeit auf die Forderungen der Initiative aufmerksam zu machen und damit auch das Vertrauen, das uns die 50000 Bürger entgegengebracht hatten, zu rechtfertigen. Über einige dieser Aktivitäten wollen wir im Folgenden berichten.

Ein wichtiger Meilenstein war die Fertigstellung des ersten Informationsheftes zur Inititaive, das u. a. auch an den sächsischen Ministerpräsidenten Prof. Biedenkopf, das Umwelt- und das Wirtschaftsministerium die Landratsämter Pirna und Sebnitz, an alle Landtagsfraktionen und an den Umweltausschuß de, sächsischen Landtages verschickt wurde. In den zugehörigen Anschreiben bekundeten wir unser Interesse, mit den entsprechenden Gremien ins Gespräch zu kommen. Weiterhin baten wir um eine Meinungsäußerung für dieses zweite Heft zu den von uns angesprochenen Problemen.

Ein wichtiges Gespräch fand am 10.4. 1991 beim unmittelbaren Adressat unserer Initiative-dem Umweltministerium-statt. Anwesend waren der Staatssekretär Dr. Angst und der Abteilungsleiter Naturschutz Herr Simpfendörfer, von unserer Seite neben Mitgliedern der SBB-Arbeitsgruppe Naturschutz der 1. Vorsitzende des SBB, Ulrich Voigt. Im Gespräch wurde von beiden Seiten die Notwendigkeit der Zusammenenarbeit weiteren Aktivitäten zum Schutz und Erhalt der Sächsischen Schweiz hervorgehoben.

Staatssekretär Angst informierte über die Erarbeitung eines Durchführungsgesetzes zurn Bundesnaturschutzgesetz für das Land Sachsen, das umgehend dem sächsischen Landtag zur Beschlussfassung vorgelegt werden soll. Danach sollen alle bisherigen und aus unserer Sicht guten Bestimmungen. wie z. B. der Landschaftspflegeplan und die Verhaltensordnung Sächsische Schweiz weiterhin geltendes Recht bleiben. Mittlerweile wurde uns der Gesetzesentwurf zur Verfügung gestellt. Beim Gespräch im Umweltministerium wurde uns weiterhin mitgeteilt, daß Aktivitäten zur Festschreibung eines Tiefflugvorbehaltgebietes für die gesamt, Sächsische Schweiz laufen und Verhandlungen mit der Deutschen Reichsbahn zur Umweltfahrkarte im Gang sind. Die Erweiterung des S-Bahn-Tarifes auf die Sächsische Schweiz ist ein erster, sehr begrüßenswerter Schritt dazu.

Ein wichtiger Gesprächspartner war für uns natürlich das Landratsamt Pirna und speziell dessen Tourismusamt, denn die meisten Probleme liegen derzeit im Territorium des Landkreises Pima. Leider festigte sich der Eindruck, daß die 350 000 DM teure Marketingstudie der Münchner Firma Fried & Partner den Faktor Landschaft und Umwelt fast völlig unberücksichtigt läßt. Zu einer Gesprächsrunde tun Landratsamt äußerte Herr Fried, daß er den Begriff "sanfter Tourismus" nicht kennt. ..

Traurig, daß solch eine Firma nun auch eine ähnliche Studie für den Landkreis Sebnitz erarbeiten soll. Weitere Gespräche mit den Landratsämtern werden notwendig sein, um den Forderungen der 50000 Unterzeichner für einen sanften bzw. Umwelt-und sozialverträglichen Tourismus Rechnung zu tragen, denn ein echtes Tourismuskonzept für die Sächsische Schweiz fehlt noch immer.



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