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Sanfter Tourismus

Was kann in der Sächsischen Schweiz mit einem sanften Tourismus erreicht werden? Geht ein Fremdenverkehrskonzept, das sich am Natur- und Landschaftsschutz orientiert, wirklich an den Interessen der Einwohner in der Sächsischen Schweiz vorbei?

Jetzt, da entschieden wird, wie sich die Tourismusstruktur in der Sächsischen Schweiz entwickeln wird, kommt es auf tragfähige Konzepte an, die sowohl den Natur? und Landschaftsschutz berücksichtigen als auch den Einwohnern eine akzeptable wirtschaftliche Existenz durch den Fremdenverkehr sichern. Es ist unumgänglich, die Meinungen und Wünsche der Einwohner der Sächsischen Schweiz zu erfahren und in einen demokratischen Entscheidungsprozeß einzubringen.

Sicher wird auch von ihnen der Erhalt dieser in Europa einmaligen Landschaft gewünscht, die vielen selten gewordenen Pflanzen und Tieren einen letzten Lebensraum bietet. Diese Landschaft mit den vielfältigen und abwechslungsreichen Wald? und Felsgebieten reiz die Menschen der Umgebung und auch aus fernen Ländern, dies kletternd oder wandernd kennen zulernen und zu erleben, sich in der Stille und sauberen Luft der Wälder zu erholen.

Wie kann ein Fremdenverkehr aussehen, der an die regionalen Gegebenheiten angepasst ist, die Natur nicht zerstört, den Urlaubern, den Kletterern und Wanderern angenehme und erlebnisreiche Tage ermöglicht und dennoch den Menschen und den Kommunen Einkünfte verspricht?

Man erreicht dies keinesfalls, wenn Landschaft und Natur durch massentouristische Einrichtungen beschädigt oder zerstört werden, so dass letztlich das beseitigt wird, weswegen die Leute in die Sächsische Schweizkommen. nämlich um sich zu erholen und die Natur erleben zu können.

Die große Chance für die Region liegt darin, die Abgeschiedenheit und den naturbelassenen Charakter der Landschaft zu nutzen, nicht indem immer mehr Unterkunftsmöglichkeiten mit dem westlichen betonierten Hotel?Standard: Straßenanschluss, große Parkplätze, großräumige Freizeit? und Gastronomiekomplexe geschaffen werden, denn dann sind Natur und Abgeschiedenheit verloren, sondern eine dezentrale und qualitativ hochwertige Tourismusstruktur. Eine solche Hochwertigkeit ist nicht im Sinne "in Kornfort und Exklusivität zu verstehen, sondern darin, dass das Naturerlebnis überhaupt möglich wird? was heutzutage bei uns selten geworden ist. Vielleicht gelingt es, mit solch einer Orientierung in dem Gebiet der Sächsischen Schweiz ein echtes Miteinander von Mensch und Natur zu erreichen.

Um diese Vision, die die langfristig einzig annehmbare ist, verwirklichen zu kennen, ist eine ganzheitliche Tourismusstudie vonnöten, die Konzepte enthalten muß, wie die Einwohner und Kommunen ihre Einkünfte bestreiten können. Auf keinen Fall ist dies erreichbar durch die Vorschläge der Marketing?Studie der Münchner Firma "Fried & Partner" ,die viel Aufregung bei denen erregte, denen die Sächsische Schweiz am Herzen liegt und nicht zuletzt wegen der damit verbundenen Zahlung von 350 000 DM aus öffentlichen Mitteln. Die Studie geht an den regionalen Realitäten und Besonderheiten (Wirtschaft, Natur, Landschaftsbild) völlig vorbei und das vorgestellte Konzept ist zum Teil aus ökonomischer Sicht äußerst zweifelhaft. Beispielsweise sind Golfplätze in der Sächsischen Schweiz finanziell überhaupt nicht tragbar (siehe dazu auch Seite 7).

Der Neubau von Tourismuszentren würde Arbeitsplätze schaffen und Geld in die Region bringen, argumentiert die Firma Fried. Dabei fehlen Berechnungen und Angaben, wie viel Geld bei einem fiktiven Umsatz und Gewinn wirklich in der Region bleiben würde, wie hoch die Verluste der privaten Zimmervermieter und Gastwirte sind, denen die potentiellen Kunden verloren gehen, wer den Gewinn einstreichen wird und wer die wenig qualifizierte Arbeit machen soll. Ist es nicht besser, die Kommunen und Einwohner bewahren sich ihr derzeitiges "Tourismusmonopol" ?und das zum Nutzen aller? und bauen eine unverwechselbare und angepasste Tourismusstruktur auf.

Keinesfalls darf den Geschäftemachern und "Marketingexperten" blind geglaubt werden, die Arbeitsplätze und das leichte Geld versprechen und dabei die wirtschaftliche Not für ihre eigenen kommerziellen Interessen auszunutzen versuchen. Herr Dr. Fried weist seine "Kompetenz" in der Tourismusentwicklung mit eigenen Worten nach. wenn er sagt, er habe noch nie etwas von einem sanften Tourismus gehört. Und ausgerechnet seine Studie soll die Grundlage für die Regionalentwicklung bilden.

Es kommt auf ein, genaue Überprüfung der ökonomischen Rahmenbedingungen an und am Ende muss klar sein. wie viel Geld wirklich in der Region bleibt und wie viel zu den Eigentümern der Touristenkomplexe nach außen fließt.

Eine solche ökonomische Analyse fehlt aber völlig in der oben genannten Marketingstudie, und es ist blauäugig zu glauben, dass sich der wirtschaftliche Aufschwung schon irgendwie einstellen wird, von den Folgen für Natur und Landschaft ganz zu schweigen.

Ein Ausweg ist nur zu finden, wenn in eigener Regie auf Grundlage eines allseitig fundierten Konzeptes ein Fremdenverkehr aufgebaut wird, der den wirklichen Bedürfnissen entgegenkommt: sich fernab des industriellen Alltags in der Natur zu erholen, dezentrale Unterkünfte für Urlauber, Kletterer und Wanderer und eine ansprechende Gastronomie zu finden und naturverbunden zu leben.

Voraussetzung dafür ist die schnellstmögliche Entwicklung eines Fremdenverkehrskonzeptes, das die landestypischen Besonderheiten einbindet, Freiräume für einen alternativen und sanften Tourismus lässt und damit einen naturverbundenen Fremdenverkehr fördert. Den Auftrag für eine solche Studie zu geben und die demokratische Mitbestimmung zu gewährleisten, ist die Aufgabe der verantwortlichen Landes- und Regionalpolitiker.

Jetzt ist die Zeit für Entscheidungen gekommen; ein weiteres Abwarten lässt den Kräften der Zerstörung freies Spiel. Die Landespolitik steht in Verantwortung.



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