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Projekt Autobahn in der Sächsische Schweiz

Der Bau einer Autobahn entlang der südlichen Peripherie Dresdens und durch die Sächsische Schweiz (siehe Skizze) wird geplant. Wenn man sich vergegenwärtigt, welches Verkehrsaufkommen diese Autobahn aufnehmen soll, braucht man kein großes Vorstellungsvermögen, um die irreparablen Schäden für ,die Natur, die Landschaft und das Lebensklima der Menschen im oberen Elbtal zu erahnen. Diese Autobahn wird den umfangreichen Transitverkehr von Skandinavien, Norddeutschland, dem Großraum Berlin nach der Tschechoslowakei, Ungarn, Österreich, Südosteuropa, Türkei und auch in umgekehrter Richtung aufnehmen. Wenn die österreichischen Alpenbewohner zum Schutz ihrer elementaren Lebensinteressen eine weitere Begrenzung des Transitverkehrs durchsetzen, dann ist zu erwarten, daß der Verkehr teilweise über die Dresdner Autobahn geleitet wird und somit eine zusätzliche Belastung darstellt.

Dem Ziel, die Infrastruktur für den LKW- und PKWVerkehr auszubauen, stehen gewichtige negative Folgewirkungen entgegen.

Da die Luftbelastung durch Autobahnen oftmals in ihrer Schädlichkeit nicht erkannt soll im folgenden die reale Belastung kurz angedeutet werden. Im unmittelbaren Bereich der Autobahn ergeben sich hohe Schadstoffkonzentrationen von Stickoxiden (NOX), Schwefeldioxid (SO2), Ozon (03) und Partikeln. Aber auch in einer Entfernung von 12 km ist eine Schadstoffanreicherung beispielsweise von Stickoxiden nachweisbar. Aber auch relativ harmlose Primärbestandteile der Abgase bilden sich in der Luft zu toxischen Sekundärschadstoffen, wie z. B. Salpetersäure und Schwefelsäure durch Oxydationsvorgänge und nachfolgende Reaktion mit Wasser aus NOx und SO2 entstehen. Außerdem kommt es bei starker Sonneneinstrahlung zur Bildung reaktiver und toxischer Photooxidantien wie Ozon, Peroxiacetylnitrat (PAN) und Wasserstoffperoxid, die nachweislich durch den Kfz-Verkehr in großem Umfang gebildet werden und sich in der Atmosphäre anreichern (1).

Vom Waldkegel wird man die Autobahn noch nicht sehen können, dafürstehterzu weit unten imBielatal. Aber man hat ja den Hörgenuß. (Foto: U. Meschke)

Messungen der Deutschen Forschungsanstalt für Luftund Raumfahrt haben ergeben, daß die NO2-Konzentrationen auf der Autobahn bis zu 1000 ppb (Teile pro Milliarde) erreicht werden. Der Grenzwert der Technischen Anleitung Luft liegt bei 100 ppb im Falle kurzzeitiger Belastungen, der Langzeitwert bei nur 40 ppb. Nicht nur der Autofahrer ist stark überhöhten Konzentrationen ausgesetzt, sondern auch landwirtschaftlich genutzte Flächen, so daß die Schadstoffe mit der Nahrung zu uns gelangen, auch Wohngebiete und Kleingärten, die in einerEntfemung von mehreren Kilometern liegen, werden von den Schadstoffen erreicht.

Wenn man sich die Beschaffenheit des Dresdner Elbtales vor Augen führt, so ist erkennbar, daß Schadstoffe in der Tallage konzentrierter bestehen bleiben und vom Wind langsamer verteilt werden können als in freier, ebener Landschaft, so daß die ohnehin schlechte Luft mit zusätzlichen Schadstoffen belastet wird.

Nützlich ist es, die Bestrebungen in verschiedenen landschaftlich attraktiven und schützenswerten Gebieten und auch in manchen Ballungsgebieten zu sehen, wo der Verkehr limitiert, der Straßenneubau verhindert, Straßen gesperrt und zum Teil wieder abrasiert werden, weil eben ein zu starker Autoverkehr Natur und Umwelt zerstört. Beispiele hierfür findet man in verschiedenen Tälern der Deutschen Alpen, die für den motorisierten Individualverkehr gesperrt sind, den Nord-SüdTransitmagistralen in Österreich, insbesondere der Brennerautobahn, wo die dortige Bevölkerung um eine Verringerung des Verkehrs kämpft oder in Stuttgart, wo erst kürzlich ein Autobahnneubau verhindert wurde. Selbst in Los Angeles, dem wohl am höchsten motorisierten Gebiet der Welt, geht man jetzt den Weg der radikalen Verkehrsverringerung, da der Smog durch die Abgase, die Staus auf den bis zu achtspurigen Stadtautobahnen unerträgliche Ausmaße angenommen hat.

Die Alternative zur Autobahn durch die Sächsische Schweiz liegt in der Vemeidung unnötiger Transporte (Leerfahrten, Fahrten um anderswo Subventionen, günstigere Zollbedingungen usw. zu nutzen) und der Verlegung der Transporte auf weniger energieintensive Transportarten, wie beispielsweise die Eisenbahn.

Abschließend sei noch angemerkt, daß das Projekt des Autobahnbaus gegen die positiven Bestrebungen der Bundesregierung zur25%-igen Verminderung der CO2 Emissionen gerichtet ist, da der Autoverkehr aufgrund seiner Energieintensität einerder Spitzenemittenten von Co2 ist und deshalb verringert werden muß, um das Ziel zu erreichen, anstatt ihn weiter zu erhöhen.

(1) Diese Angaben basieren auf einem Artikel in den VDI-Nachrichten 50/1990 S. 30, wo auf Untersuchungen der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt eingegangen wird. Die Untersuchungen wurden durchgeführt vom Institut für Physik und Atmosphäre der DLR in Oberpfaffenhofen.



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