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Sächsische Schweiz in Gefahr

Wem gefällt sie wohl nicht, unsere Sächsische Schweiz... Eine Landschaft, einmalig in Deutschland, um die uns viele AltBundesbürger beneiden.

Was wollen eigentlich die vielen Touristen hier, was macht sie glücklich, warum kommen sie? Letztlich doch das Erlebnis einer intakten Landschaft, auch mal ein unberührter Naturraum, die Möglichkeit, sich selbst als Teil der Natur zu erfahren. Dies entspannt, bereichert, bleibt in der Erinnerung, nicht der Besuch einer Videothek in Bad Schandau oder der Verzehr von Pommes in Rathen.

Die harten Tatsachenjedoch, vordenen das Landratsamt Pirna heute steht, sind anderer "Natur". Da geht es um leere Kassen und Warteschlangen auf den Arbeitsämtern. Um Hilfe zu schaffen, wurde eine Studie in Auftrag gegeben, wie die Wirtschaft zu entwickeln sei. Damit wurde die westliche Firma "Dr. Fried & Partner" beauftragt. Aus den bisherigen Erhebungen, die allein schon über 350 000 DM gekostet haben sollen, ist nun ein Konzept hervorgegangen, das über das Anliegen der Wirtschaftsförderung weit hinaus geht und de facto eine Regionalplanung darstellt.

Werden die Pläne Wirklichkeit dann wird es alsbald drei Golfplätze im Kreis geben (Zäune sind wir ja von Staatsjagdgebieten gewöhnt!), wohl auch an 30 Tennisplätze und Hotelneubauten.

Die Landwirtschaft als erhaltenswerte Erwerbsmöglichkeit wird im Förderkonzept gar nicht erst in Betracht gezogen, die Pläne zum Verkehr sind so, daß ein deutlich steigendes Verkehrsaufkommen scheinbar gleich vorprogrammiert wird, alternative Lösungen werden gar nicht bedacht. Im Ökologischen Ärztebunde. V. haben wiruns gerade mit Verkehrsfragen intensiv beschäftigt. 40 Prozent aller Umweltschäden werden heutzutage auf das Automobil zurückgeführt, die Schäden sindnicht nuretwabei Tier und Pflanzen, sondern auch beim Menschen nachweisbar (Allergien durch freigesetzte Gifte, auch beim KAT!, Lärmschädigungen gerade bei Dauerlärm, z. B. mithohem Blutdruck als Lärmfolge usw.). Wir müssen also warnen vor Konzepten, die, wie hier geschehen, quasi in einem Nebensatz mitteilen, daß selbstverständlich das obere Elbtal auch noch mit einer Autobahn belastet werden muß. Auf den psychologischen Wert einer gesunden Landschaft muß natürlich auch hingewiesen werden.

Das Landratsamt Pirna steht, einer guten Absicht folgend, kurz davor, Weichen in die falsche Richtung zu stellen. Ich wäre sehr dankbar, wenn sich jetzt viele kompetente Bürger Planungsbüros usw. fänden, die ihre Mithilfe anbieten und nach weiteren Wegen suchen. Gewiß würde dies von der Verwaltung nur positiv aufgegriffen werden. Die "Schutzgemeinschaft Sächsische Schweiz" sollte dabei als wirklicher Partner begriffen werden und in das Vorbereiten von Entscheidungen einbezogen werden. Eine schon für November geplante gemeinsame Veranstaltung von Schutzgemeinschaft und Landratsamt steht leider noch aus.

Die jüngsten Äußerungen unseres sächsischen Ministerpräsidenten machen mich wieder optimistisch, daß bei der Eröffnung der Nationalparkregion Sächsische Schweiz am 27. April kein Poternkinsches Dorf errichtet werden soll.

Dr. med. Christian Keßner

(Dieser offene Brief wurde erstmalig im Februar 1991 veröffentlicht. Dr. med. Keßner arbeitet im Dezernat Gesundheit und Soziales beim Landratsamt Pirna.)



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