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Zu diesem Heft

Als Antwort auf die sich abzeichnenden negativen Entwicklungstendenzen in der Sächsischen Schweiz fand am Weltumwelttag 1990 eine »Demo« vor der Dresdner Kreuzkirche zum damaligen Rat des Bezirkes statt. Genau an diesem Tag begann auch die als Sächsische-Schweiz-Initiative bezeichnete Unterschriftensammlung gegen die bedingungslose touristische Vermarktung des Gebirges, gegen geplante Hotelkomplexe und Tiefflüge, für die Förderung des öffentlichen Verkehrs und den Schutz der Nationalparkregion als Ganzes.

Ein halbes Jahr später, am 7. Dezember 1990, konnten wir dem Umweltminister Sachsens die 50000 Unterschriften der vom Sächsischen Bergsteigerbund getragenen Initiative übergeben.

Ein Jahr ist seitdem vergangen und es stellt sich die Frage: Was ist aus den Forderungen der Sächsischen-Schweiz-Initiative geworden und wie konnten wir die Interessen der 50000 Unterzeichner vertreten?

Als besonders positiv möchten wir eingangs die gute Zusammenarbeit insbesondere mit dem Umweltministerium, der Nationalparkverwaltung und einzelnen Landespolitikein hervorheben. Ins Gespräch zu kommen und über Probleme zu diskutieren ist der beste Weg, um gemeinsam Lösungen zu finden und zur Erhaltung des Gebirges beizutragen. Wir denken, in diesem Punkt sind wir im zurückliegenden Jahr ein großes Stück vorangekommen und der »Abarbeitung« der Forderungen der Initiative ein Stück näher.

Die wichtigsten Forderungen der Intitiative waren z.B. der Schutz der Nationalparkregion als Ganzes und die Verhinderung eines unkontrollierten Hotelwachstums. Hier sind schon erste Erfolge sichtbar. Durch neue gesetzliche Regelungen z.B. zur Bauleitplanung konnte der übergroße Teil der negativen baulichen Entwicklungen abgewendet werden. Als Beispiel sei das erfreulicherweise mehrfach abgelehnte Großprojekt eines 200Betten-Hotels in Waltersdorf genannt. Zum Glück konnten auch die Projekte für Golfplätze wie z. B. rund um den Zirkelstein in die Schubladen verbannt werden. Und es wird auch sichtbar, daß man sich in Gemeinden und Landratsämtern trotz gegenwärtiger immenser Probleme immer mehr Gedanken um die langfristige touristische Attraktivität macht und landschaftsfremde Großprojekte zunehmend von den Planungen verschwinden.

Bei all diesen erfreulichen Ansätzen fehlt die generelle Aufwertung der Schutzkategorie für den größten Teil der Sächsischen Schweiz noch immer. Noch befinden sich drei Viertel des Gebirges im Landschaftsschutzgebiet, der niedrigsten (!) bundesdeutschen Schutzkategorie. Hier besteht Handlungsbedarf, hier müssen wir unsere Forderungen gegenüber dem Umweltministerium erneut deutlich machen.

In Bezug auf die Förderung des öffentlichen Personenverkehrs gab es im zurückliegenden Jahr die größten Fortschritte. Mit der Einführung des preiswerten S-Bahn-Tarifs bis Schöna setzte die Deutsche Reichsbahn ein erstes großes Signal für einen umweltfreundlichen Verkehr in der Nationalparkregion. Dafür gilt unser Dank den Verantwortlichen bei der Reichsbahn.

Im Dezember wird es Gespräche zwischen Vertretern der Reichsbahn und des Kraftverkehrs geben, in dem es u.a. um die Anschlüsse vom Zug zum Bus (z. B. Bielatal, Kirnitzschtal) gehen wird. Dafür können wir unsere Vorstellungen und Vorschläge einreichen.

Sollte Einvernehmen zwischen beiden Partnern erreicht werden, ist vielleicht auch die Einführung von Umweltfahrkarten für Bus und Bahn in der Nationalparkregion nicht mehr fern.

Leider sind wir damit am Ende der erfreulichen Dinge angelangt. Alle positiven Ansätze zum Schutz der Sächsischen Schweiz werden derzeit von zwei Problemen überschattet: zu allererst ist es die forcierte Autobahnplanung im Raum Bielatal/Grenzplatte/Tisa und zum anderen sind es die unzumutbaren Belastungen durch die Tiefflüge.

In beiden Punkten sehen wir die Gefahr der erheblichen Einschränkung der demokratischen Mitsprache der Bürger und der Öffentlichkeit. Aus diesem Grund wird sich dieses Heft vorrangig mit diesen beiden Schwerpunkten beschäftigen, wobei der Verhinderung der Autobahntrasse auf Grund der fast unmöglichen Korrigierbarkeit einer falschen Entscheidung die höchste Priorität eingeräumt werden muß.

Unter dem Hinweis auf eine angebliche Diskussion von 7 verschiedenen Trassenvarianten, die das Autobahnnetz der ehemaligen DDR mit dem der CSFR verbinden sollen, favorisiert das Wirtschaftministerium Sachsens nach wie vor die Trasse mit den größten schädigenden Wirkungen. Diese führt nur 5 km vom Dresdner Stadtzentrum an der Südhöhe des Dresdner Talkessels vorbei und hat in der Sächsischen Schweiz den Grenzübergang an der Grenzplatte im Bielatal.

Im März 1992 soll bereits die endgültige Entscheidung fallen. Aber Anfang November 1991 hat noch nicht einmal das Umweltministerium Sachsens die Details der 7 Trassenführungen zur Begutachtung erhalten.

Ist dies nicht etwas wenig Zeit für ein Projekt solcher Dimension sowie für eine sachkompetente Entscheidung? Denn da die Autobahn frühestens im Jahre 2002 fertig werden würde, ist das Argument, daß sie für den Aufschwung Ost notwendig wäre, sicher nicht zutreffend...

Aber: Ein europäisches Verkehrsnadelöhr am Südhang des Dresdner Talkessels und quer durch die Nationalparkregion Sächsische Schweiz führend, das darf es im Interesse der Einwohner des Elbtals und der Natur nicht geben. Diese Autobahntrasse wäre das Todesurteil für den ums Uberleben ringenden Wald der südlichen Sächsischen Schweiz.

Unser Wunsch und unsere Hoffnung ist es, daß trotz der derzeitigen problematischen und schwierigen Zeit das Interesse für den Erhalt unserer Sächsischen Schweiz bei so vielen Bürgern wie bisher bestehen bleibt.

Es wird jeder gebraucht.

Peter Rölke