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Neue Wege zur Bewältigung des umweltzerstörenden Transitverkehrs

Verkehrsbeitrag mit Gutschrift für öffentliche Verkehrsmittel

In den vergangenen Jahren haben die Schweiz und Österreich mit Schwerverkehrsabgaben, Verkehrsbeitrag und verkehrsbeschränkungen eine verursacherbezogene Kosten/ Nutzenanalyse unter Einbezug der Umweltverträglichkeit in Gang gesetzt, gegenüber der sich die noch protestierenden EG-Länder mit den das Transportmonopol beherrschenden internationalen Gütertransporteuren in ihren nutzenbezogenen Argumenten schwertun.

Für die Gütertransporteure wäre unter betriebswirtschaftlichen Aspekten nur eine vollausgelastete "Produktionsanlage" Straße, Autobahn und Transportverkehr in dichter Folge wirtschaftlich, Tot- oder Beschränkungszeiten mit geringerer Nutzung hingegen uneffizient.

Durch den monopolisierten internationalen Transportverkehr seit Jahrzehnten boykottiert, sind durch die geschwundene Nachfrage die Erhaltungskosten des Bahn-Schiene-Systems gestiegen unddamitwurde das Angebot zwangsläufig verschlechtert.

Mit dem Ziel, dem wenn erweiterten, auch leistungsfähigeren Transportsystem Schiene-Bahn wieder eine Vorrangstellung einzuräumen, wird es unumgänglich werden, das bestehende Übergewicht des LKW-Verkehrs durch ein neu zu belebendes Bahn-Transportmonopol umzulenken, um die derzeitigen monopolartigen Wettbewerbsverschiebungen durch den LKW-Transport abzubauen.

Eine solche, am besten gesamteuropäisch in Gang zu setzende Lenkungsmaßnahme muß jedoch wettbewerbskonforme Alternativen enthalten, die dem Kraftverkehr allein aus wirtschaftlichen Kosten/Nutzenerwägungen aufdie Schiene zwingen.

Begleitet sein müßte eine solche Lenkungsmaßnahme weiterhin durch die durch die Schiene einst attraktiven Transportzeiten und durch ein attraktives Angebot an konfortablem Wagenpark, Beförderungsfrequenz, Umlade- und Containerbahnhöfen durch die Bahn sowie durch eine mit den europäischen Verhältnissen harmonisierende Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen.

Wie aber bringt man das in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangene Transportpotential der Bahn so schnell auf Wettbewerbsniveau, außer mit dem zusätzlichen Argument der erheblich größeren Umweltverträglichkeit?

Bestimmt nicht mit fiskalischen Schwerverkehrsabgaben, Mautgebühren und Verkehrsbeiträgen, die auf den Transport erhoben, diesen erfahrungsgemäß nicht eindämmen und allein auf die Verbraucher umgewälzt werden, sondern mit festen Jahresverkehrsabgaben, die allerdings jedem KFZbetreiber die Alternative eröffnen, mit dem Erwerb z. B. einer Verkehrsbeitragsvignette zugleich in den Genuß einer erheblichen Gutschrift für die Beförderung mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Schiene, Bahn, Bus) zu kommen.

Diese Verkehrsbeitragsvignette sollte nach Hubraum und LKW-Tonnage gestaffelt sein, z. B. für einen 1.6 l - PKW 300,- DM mit öffentlicher Verkehrsgutschrift über mindestens 250,- DM, die in Form von 10,-DM-Wertabschnitten auf einer scheckkartenähnlichen Doppelkarte einlös- und entwertbar ist.

Für die LKW-Verkehrsbeitragsvignette wäre ein nach Tonnagen bemessener jährlicher Mindestbeitrag z. B. von 6000,- DM je 20 t Fahrzeug zu erheben, der für Transporte auf der "rollenden Autobahn" oder für Containertransporte einlösbar ist.

Der einzigartige Vorteil einer solchen, eine echte Transportaltemative eröffnenden Verkehrsbeitragabgabe: Es stünden sofort Milliarden zur Anpassung des Waggonbedarfs, der besonders von ostdeutschen Waggonbaufirmen von der Kapazität her befriedigt werden könnte, zur Verfügung.

Binnen kürzester Zeit wäre die Bahn attraktiv und wettbewerbsfähig gegenüber dem übrigen individuellen und Gütertransport. Der Bund müßte sich nicht weiter verschulden. Die Notwendigkeit neuer Autobahntrassen könnte durch die "rollende Autobahn" umweltfreundlich gelöst werden, und der erdrückende einseitige Verkehr auf der LKW-Achse könnte auf Dauer durch ein leistungsfähiges hochfrequentiertes Schienentransportsystem entlastet werden.

Die gegenwärtige Transportsituation hingegen führt nicht nur in eine ökologische, sondern auch in eine ökonomische Katastrophe, deren Fehlbilanz täglich dem Verbraucher erneut aufgezwungen wird.

Ob ein solcher Verkehrslenkungsbeitrag mit einer Umweltabgabe kombiniert weitere alternative Wege eröffnende Entwicklungen (Elektro-Auto), die von einer solchen Lenkungsabgabe gar befreit werden könnten, beschleunigen wird, wird von den den Handlungsbedarf hoffentlich erkennenden Politikern abhängen.

Dipl.-Ing. Hans-Joachim Kutzer
Windach (Bayern)
Naturschutzreferent des DAV - Sektion Landsberg/Lech


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