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Arbeitskreis Bergsteigen und Naturschutz gegründet

Das Sächsische Bergsteigen hat sich mit seiner eigenen Kletterethik und den strengen Regeln seinen eigenen Charakter bewahrt.

Es dürfen z.B. weder künstliche Hilfsmittel zur Überwindung der Schwerkraft angewendet werden, noch darf, außer bei der Erstbegehung durch das Setzen von Ringen, die Felsoberfläche verändert werden. Außerdem werden traditionell nur freistehende Klettergipfel bestiegen, alle Massive gehören der Natur.

Neuere Regelungen wie das Verbot der Anwendung von Magnesia und von Klemmkeilen ergänzten die bestehenden Regelungen sinnvoll.

Durch diese Grundsätze des Sächsischen Bergsteigens blieben seit längerer Zeit größere Konflikte zwischen Bergsteigern und Naturschutz aus, vielmehr entstand in der Sächsischen Schweiz eine enge Zusammenarbeit.

Daß dies nicht nur wir, sondern auch die Nationalparkverwaltung so sieht, sollen folgende Zeilen verdeutlichen. In der Zeitschrift "Nationalpark 1/92" schreibt der Leiter der Nationalparkverwaltung Dr. Jürgen Stein u.a.: "Die organisierten Bergsteiger stellen für den Naturschutz in der Sächsischen Schweiz wichtige Partner dar. Bereits seit der Erschließerzeit wird Bergsteigen im Elbsandsteingebiet als Summe von Sport- und Naturerlebnis verstanden.

Aus dieser Grundhaltung heraus beteiligten sich in der Vergangenheit und Gegenwart zahlreiche Bergfreunde u.a. an der Sanierung erosionsgeschädigter Hangbereiche, an der seit 1979 alljährlich stattfindenden Aktion "Sauberes Gebirge" oder an Kontrollmaßnahmen zur Einhaltung der Bestimmungen des Landschafts- und Naturschutzes."

Damit dieses gute Verhältnis in der Sächsischen Schweiz so bleibt und in Anbetracht der umfangreichen Sperrungen und der Komplikationen zwischen Bergsteigern und Naturschützem in den westdeutschen Klettergebieten, wollte der SBB einen Arbeitskreis bilden, in dem Bergsteiger und Naturschützer über Probleme sprechen, ehedem es zu ernsten Konflikten und Differenzen kommt.

Anfang Januar 1992 kam es dann zur Gründung eines ersten Arbeitskreises "Bergsteigen und Naturschutz" innerhalb des Sächsischen Bergsteigerbundes. Hier soll es ersteinmal zu einer Meinungsbildung innerhalb der Bergsteiger kommen. In diesem Arbeitskreis sind Vertreter der SBB-Arbeitsgruppen, so z.B. die AG Kletterführer mit Dietmar Heinicke oder die AG Felsklettern mit Wolfgang Preuß, vertreten als auch Spitzenkletterer wie Anne Küster, Vertreter der KTA, der Bergwacht Sachsen und interessierte Mitstreiter aus den Klubs des SBB. Koordiniert wird der SBB-Arbeitskreis durch die AG Natur- und Umweltschutz.

Neben diesem Kreis gibt es dann den übergeordneten Arbeitskreis, in dem Bergsteiger, "reine" Naturschutzverbände und die Nationalparkverwaltung mitarbeiten.

Am 9. März kam es zu einem ersten Treffen dieses Arbeitskreises, wobei jeder erst einmal seine Standpunkte und Vorstellungen darlegte. Übereinstimmend wurde von allen Teilnehmern gefordert, das Verbot für Magnesia in der Sächsischen Schweiz beizubehalten.

Gegen Magnesiakletterer wird zukünftig mit harten Strafen vorgegangen. Alle Bergsteiger sind aufgefordert, darauf zu achten und bei sichtbaren Verstößen eine Mitteilung an die Nationalparkverwaltung zu erstatten.

Zur Erfassung aller magnesiaverschmierten Wege liegt im Bergsportladen LAGER V, Lannerstraße (Wasaplatz), 8020 Dresden eine Liste aus.

Ebenfalls übereinstimmend wurde von allen Teilnehmern dafür plädiert, das Klettern an Massiven auf die drei historisch gewachsenen Ausnahmen zu beschränken.

Betreffs Gipfelsperrungen vertraten Bergsteiger und Naturschutzverbände dieselbe Auffassung. Bei Notwendigkeit soll das bewährte Prinzip der Teilzeitsperrungen, z.B. für die Schwarzschlüchte, angewendet werden, auf gänzliche Sperrungen kann dann verzichtet werden.

Die Nationalparkverwaltung will ihr Konzept für evtl. notwendige bergsportliche Einschränkungen erst zum nächsten Treffen zur Diskussion vorlegen.

Bei zwei neulich mit Sperrungs-Kreuz versehenen Verbindungswegen, nämlich dem Jortan im Großen Zschand und dem Ubergang Blaues Horn - Sandschlüchte/ Kampfturm, soll eine Aufhebung angestrebt werden.

In jedem Falle wurde mit diesen beiden Arbeitskreisen ein wichtiger Schritt getan, um das gute Verhältnis zwischen Bergsteigern und Naturschutz zu erhalten und sogar auszubauen.

Wichtig ist, daß alle Bergsteiger, ob Einheimische oder Gäste, durch Einhaltung der Sächsischen Kletterregeln und Beachtung der Naturschutzbestimmungen dazu beitragen, daß dieses gute Verhältnis auch in Zukunft bestehen bleibt.



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