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Tiefflüge wie nie zuvorüberder Sächsischen Schweiz

Wie lange kann das Bonner Verkehrsministerium die Argumente der sächsischen Staatsregierung für ein Tiefflugverbot noch ignorieren?

Hatten wir zum Zeitpunkt unseres letzten Heftes Nr. 4 im Frühjahr 1992 noch gehofft, die Fluganbieter und Privatflieger würden die Sächsische Schweiz meiden, belehrte uns die Realität eines Besseren.

Es waren mehr Tiefflüge als je zuvor zu registrieren.

Wie schon in den letzten beiden Jahren wurde kein Gebiet ausgeklammert, insbesondere der Lilienstein zählt zu den am meisten aufgesuchten Objekten. Wie da die geplante Wiederansiedlung der ausgesetzten jungen Wanderfalken gelingen soll, ist ein Rätsel ...

Aber auch für die Einwohner, Touristen, Wanderer oder Bergsteiger ist es eine Zumutung, wenn man in kurzen Abständen von Tieffliegern überflogen wird. Die Nationalparkverwaltung hat in diesem Sommer bei Lärmmessungen immerhin 71 Dezibel ermittelt.

In nebenstehendem Kasten ist einmal eine Auswahl von charakteristischen Überflügen dargestellt, die teils von uns, teils von der Nationalparkverwaltung erfaßt wurden.

Die Empfehlung von Verkehrsminister Krause zum Nichtüberfliegen der Sächsischen Schweiz, die mit der Aufnahme in die Liste der Vogelschutzgebiete des Luftfahrthandbuches verbunden war (siehe auch unser Heft 3), wurde von den Piloten im zurückliegenden Jahr glattweg ignoriert.

Gleichfalls ignoriert wurden auch die neuerlichen Vorstöße und Interventionen der Sächsischen Staatsregierung in Bonn für eine weniger lasche Regelung des Problems.

Bonn hält weiterhin daran fest, daß ein Flugverbot derzeit aus rechtlichen Gründen nicht durchsetzbar sei. Dabei hat die sächsische Regierung schon mehrfach auf die Möglichkeit der Regelung mittels des § 11 der Luftverkehrsordnung (LuftV0) hingewiesen, der Flugbeschränkungen auch aus anderen Gründen als denen der Sicherheit des Luftverkehrs festlegen kann.

Allein der Wille fehlt in Bonn ...

Man muß vermuten, daß hier wohl auch eine Lobby von Privatpersonen dahintersteckt, die sich auch zukünftig einen Rundflug mit ihrem Privat-Jet über Deutschlands schönsten Landschaften offenlassen will.

Umso mehr ist die intensive Suche nach Lösungen durch das sächsische Umweltministerium zu begrüßen, das mit einer kürzlich begonnenen fundierten Studie zu den Folgen der Tiefflüge über der Sächsischen Schweiz eine Untermauerung der Forderungen Sachsens anstrebt.

Unterstützung erhoffen wir auch vorn Umweltausschuß des sächsischen Landtags. Mit dem Arbeitskreis "Umwelt und Landesentwicklung" der CDU-Landtagsfraktion konnten wir am 9. Oktober 1992 sprechen. Dr. Mannsfeld, Leiter dieses Arbeitskreises, sagte uns Unterstützung bei der Klärung des Problems zu.

Der Umweltausschuß des Landtags sollte baldmöglichst Initiativen ergreifen, damit der Landtag über den Bundesrat einen Entschließungsantrag an den Bundesminister für Verkehr zur Novellierung der LuftV0 richtet.

Die fachliche Begründung für den Antrag müßte die Landesregierung erbringen, wofür mit der begonnenen Studie eine gute Voraussetzung geschaffen ist.

Wir hoffen, zu den ersten Ergebnissen der Studie und zur Unterstützung unseres Anliegens durch den Umweltausschuß des sächsischen Landtages im nächsten Heft berichten zu können.

Kleine Auswahl von Tiefflügen 1992



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