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Freiheitsberaubung?

Der nach der Öffnung der Grenzen erwartete Ansturm von Kletterern auf die Sächsische Schweiz blieb zwar weitest-gehend aus, doch die Vielfalt der Sprachen und Dialekte nahm auf jeden Fall zu. Sicher sind alle Klettergäste beeindruckt von der einzigartigen Landschaft des Elbsand-steingebirges mit der großen Auswahl an Klettermöglichkeiten. Von vielen erfuhren wir jedoch auch, daß die sächsische Art der Absicherung der Kletterwege ebenfalls einen unvergeßlichcn, meist abschreckenden Eindruck auf sie hinterlassen hat. Wenn man bedenkt, daß viele von den Hakenalleen Südfrankreichs verwöhnt sind, kann man diesen Eindruck durchaus verstehen. Doch daß dies und andere Sachen zum Reglement des Sächsischen Felskletterns gehören, war den wenigsten bekannt.

Kürzlich hatten wir in der Südpfalz Gelegenheit, uns ausgiebig mit einem dort beheimateten Kletterer zu unterhalten, dessen Meinung über Verhalten und Bewußtsein des Klettervolkes sicher von vielen vertreten wird und uns angesichts der Gegenbeispiele, welche wir in den folgenden Tagen erleben mußten, sehr zu denken gab. Sofort, als er unseren Dialekt hörte, zog er Assoziationen zur Sächsischen Schweiz und zu seinem letzten Klettertrip dahin. Im Laufe des Abends kamen wir sowohl auf Traditionen als auch auf Kletterregeln in Sachsen zu sprechen. Uns wurdedie Meinung entgegengebracht, daß Regeln und Verbote freiheitliche Beschränkungen sind, welche für einen Bürger der BRD unakzcptabcl seien. Außerdem sei das Be-wußtsein unter den Kletterern so ausgeprägt, daß jeder den Fels so verläßt, wie er ihn vorgefunden hat. Demzufolge können trotz Verbot in einem Kletterweg des Eibsandsteins auch Keile und Friends gelegt werden. Unsere Kletterregeln seien ein Überbleibsel des alten DDR-Regimes und deshalb überholt.

Unser Gesprächspartner vertrat trotz des Hinweises, daß die sächsischen Kletterregeln schon vor etwa 80 Jahren von Rudolf Fehrmann begründet wurden, so hartnäckig diese Meinung, daß es uns leider nicht gelang, ihn davon zu überzeugen, das nächste Mal ohne Klemmkeile und Magnesia in die Sächsische Schweiz zu reisen. In den folgenden Tagen konnten wir uns von dem hohen Bewußtsein der Kletterer überzeugen: In der Südpfalz wird angestrebt, daß Magnesia erst ab dem oberen siebenten Schwierigkeitsgrad verwendet wird. Trotzdem fanden wir kaum Wege des fünften und sechsten Grades, welche nicht weiß bepudert waren, von den schwierigen Wegen ganz zu schweigen. Ein Kletterer, der sich schon vor dem ersten Kletterzug die Hände tüchtig einpuderte, wies uns darauf hin, daß er bei seiner Sechs das gleiche Recht auf Magnesiaverwendung hat, wie die beiden neben ihm, welche sich gerade an einem Achter schafften. Am Beispiel der Magnesiabenutzung mußten wir erleben, wie die Buntsandsteinfelsen der Südpfalz in starkem Maße geschändet und in naher Zukunft auch zerstört werden, weil bei den meisten Kletteren ohne Rücksicht auf die Gesteinsart der Griff in den Magnesiabeutel schon automatisch erfolgt, ohne daß sie sich dessen noch bewußt werden.

Daß auch in der Sächsischen Schweiz trotz Verbot zunehmend Magnesia und Klemmkeile verwendet werden, ist nicht mehr zu übersehen. Dies beweist eigentlich schon, daß die oben geschilderte Meinung über die Einhaltung bzw. Nichteinhaltung von Verboten und Klctterregeln kein Einzelfall ist. Denn es gibt leider immer mehr, welche sich nicht an die sächsischen Kletterregeln halten wollen, da sie sich in ihrer kleinen Freiheit eingeschränkt fühlen.

Wer sich nicht den hier üblichen Kletterregeln anpassen kann, sollte nicht versuchen, unser Klcttcrgebiet seinen Gewohnheiten anzupassen, sondern es meiden! Da es mittlerweile für jeden Kletterstil das dazugehörende Gewand gibt, dürfte dies auch keine Probleme mehr geben. Warum kann nicht mit dem Eibsandsteingebirge ein Klettergebiet so erhalten bleiben, daß es sich (für uns wohltuend) von anderen Klettergebieten unterscheidet?

Silvia Schwab

Magnesiagebrauch im Elbsandstein?

Verständlich, weil natürlich, das leistungsorientierte Handeln der Sportjugend. Daß es dabei immer wieder verbesserte "Hilfsmittel" geben wird, ist auch klar. Der Klettersport macht dabei keine Ausnahme.

Bei dieser Betrachtung kann man schon beim Seil -ja, auch das ist ein Hilfsmittel - beginnen und eben beim Magnesia enden.

Der Magnesiabeutel ist inzwischen weltweit ein Prestigeobjekt des Sportkletterers. Ein Selbstverständnis, welches aber die differenzierte Anwendung nicht ausschließt. Das gerade ist der springende Punkt - vor der schon reflexartigen Bewegung, dem Griff in den Beutel, sollte der Sportkletterer, was er ja sonst immer tut, seinen Kopf gebrauchen.

Jedes Gestein hat seine ihm eigene Spezifik, welche das Klettern in unterschiedlichen Gebieten auch erst interessant macht, der Sandstein des Eibgebirges ist dabei keine Ausnahme.

Kurz gesagt, er gleicht einem sensiblen Menschen, außen hart und rauh, innen weich und empfindlich.

Benutze ich Magnesia, so macht sich an der Route nach mehrmaligem Durchstieg oder Probieren, wegen des Zu-schmierens der Poren (Zwischenräume in der kristallienen Oberfläche) obligatorisches Putzen erforderlich. Putzen bedeutet aber verstärkter, abtragender Einfluß auf die ohnehin schwache Kruste des Sandsteins.

Magnesiabenutzung am Eibsandstein verschmiert die Routen (optisch und im Detail) und ist egoistisch dem Nachfolgenden gegenüber.

Der Felsen als stiller Dulder wird in der Oberfläche zuge-schmiert und später durch Putzen zerstört, weil abgenutzt.

Apropos Abnutzung - auch die Anwendung von falschen oder schmutzigen Kletterschuhen zerstört den Fels. Deshalb weiche Sohle und Abstreicher am Einstieg.

Wir, die sportlich ambitionierten Kletterer sollten zum Felsen, den Landschaftsraum mit eingeschlossen, zu allererst ein partnerschaftliches Verhältnis aufbauen, denn sein Fortbestand ist uns lebensnotwendig.

Leider gibt es Unbelehrbare, deshalb auch gesetzliche Bestimmungen, wonach bei Fehlverhalten garantiert Geldbußen ins Haus stehen.

Bernd Arnold


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