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DAV-Ausschuß Klettern und Naturschutz

Wie bereits in Heft 4 der SSI berichtet wurde, arbeitet die Arbeitsgruppe Natur- und Umweltschutz des SBB auch in diesem bundesweiten Gremium mit. Zwischenzeitlich fanden zwei weitere Arbeitstreffen statt, bei denen sich die Ausschußmitglieder neben der Behandlung von zentralen Themen auch mit den regionalen Besonderheiten und Problemen der jeweiligen Klettergebiete vertraut machen konnten.

Vom 22. bis 24. 5. 1992 trafen wir uns in der Jahn-Hütte bei Rotterode im Thüringer Wald. Bei diesem Treffen, das von den Bergfreunden des Thüringer Bergsteigerbundes mustergültig vorbereitet war, standen als zentrale Themen die geplante Felsbiotoperfassung und ein Sanierungskonzept für die außeralpinen Klettergebiete auf der Tagesordnung.

Diskutiert wurde eine Checkliste für die Felssanierung, die einerseits eine Unterstützung bei der praktischen Arbeit vor Ort geben soll und andererseits auch als Argumentationsmaterial gegenüber staatlichen Stellen gedacht ist. Dabei muß genügend Spielraum für regionale Besonderheiten bleiben, und die jahrelange Erfahrung gerade der sächsischen und thüringischen Bergsteiger müssen Berücksichtigung finden.

Aus den Berichten der Regionalvertreter ging hervor, daß die gegenwärtigen Probleme sehr differenziert sind. Während unser SBB-Vertreter erfreulicherweise von keinen akuten Problemen im Spannungsfeld Klettern und Naturschutz berichten mußte, gibt es in anderen Regionen z. T. schwierige Situationen und Auseinandersetzungen mit staatlichen und ehrenamtlichen Naturschützern. Hier bereitet vor allem das Biotopschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg große Sorgen. Bleibt nur zu hoffen, daß eine Signalwirkung nicht von derartigen Gesetzen, sondern eher von der historisch gewachsenenen Einheit von Klettern und Naturschutz im Eibsandsteingebirge ausgeht.

Ein weiteres Arbeitstreffen fand vom 16. bis 18. 10. 1992 in Morschreuth in der Frankenjura statt. Zentrale Themen waren diesmal die Diskussion zu einem überarbeiteten Vorschlag zum Sanierungskonzept und zu den Kletterkonzeptionen der Länder. Weiterhin wurden erste Erfahrungen bei der Erfassung der Felsbiotope ausgewertet. Unser Vertreter hob in seinem Bericht erneut die Einheit von Klettern und Naturschutz hervor, die in der sächsischen Klelterethik begründet ist und auf einer Selbstbeschränkung beruht. So vertreten wir nach wie vor die Meinung, daß das Felsklettern in der Sächsischen Schweiz nur an den freistehenden Gipfeln - dies sind nur 5 % derGesamtfelsen-fläche - ausgeführt werden soll und keine neuen Massivwände erschlossen werden dürfen. Wir denken, daß diese Herangehensweise im Zusammenhang mit einer offenen und kritischen Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen mehr einbringt als der nachträgliche Kampf gegen Paragraphen.

So hoffen wir, unser Ziel - die Erhaltung der Möglichkeiten zur Ausübung des Klettersports im Einklang mit den Erfordernissen des Naturschutzes - verwirklichen zu können. In diesem Sinne versucht auch der DAV-Vorstand bei Kontakten mit dem Bundesumweltministerium seinen Einfluß bei der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes geltend zu machen.

Eine kleine Episode noch am Rande: Die im Nationalpark Sächsische Schweiz verwendeten Markierungszeichen für Zugänge zu Kletterfelsen und für gesperrte Wege, die wir von unseren tschechischen Bergfreunden übernommen haben, gelten jetzt bundesweit.

Ein Beispiel dafür, daß auch Erfahrungen aus dem Osten bei gutem Willen aller Beteiligten von Nutzen sein können. Ein kleiner Beitrag zur deutschen Einheit, der hoffentlich Schule macht.

Dr. Hans Hilpmann


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