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Liebe Freunde der Sächsischen Schweiz,

das Jahr 1993 brachte für die Sächsische Schweiz eine große Bereicherung: der vor 29 Jahren ausgestorbene Wanderfalke kehrte wieder als Brutvogel in unsere Felsenwelt zurück. Drei Wanderfalkenbrutpaare konnten insgesamt fünf Junge zum Ausfliegen bringen. Wanderfalkenbetreuer Ulrich Augst wird in einem Beitrag in diesem Heft darüber berichten.

Die gute Zusammenarbeit zwischen der Nationalparkverwaltung, Naturschützern und dem Sächsischen Bergsteigerbund (SBB) im Rahmen der Wanderfalkenaussiedlung zeigt auch, daß sich Bergsteigen und Naturschutz keineswegs gegensätzlich gegenüberstehen müssen, wie dies derzeit z.B. in Baden-Württemberg der Fall ist.

Auch in Zukunft werden sich die sächsischen Bergsteiger zugleich als Naturschützer verstehen und das Anliegen des Naturschutzes bestmöglich unterstützen; sei es durch die Einsätze zur Erosionssanierung, zum Wege-, Stiegen- und Klettersteigbau, durch die Übernahme langfristiger Gebietsbetreuungen oder durch die Einhaltung von Gipfelsperrungen während der Wanderfalkenbrutzeit. Nicht zuletzt ist auch das generelle Engagement des SBB für Umwelt- und Naturschutz die Basis für die gute Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden wie z.B. der Schutzgemeinschaft "Sächsische Schweiz". Daß dies bei uns in Sachsen auch zukünftig so bleibt, ist angesichts der extremen Spannungen in vielen westdeutschen Klettergebieten sehr wünschenswert.

Zwar besteht immer noch die Gefahr, daß sich die Schutzbestrebungen für die Sächsische Schweiz lediglich auf die beiden Nationalparkteile beschränken und die restlichen drei Viertel des Gebirges "vernachlässigt" werden, doch die Idee der schutzbedürftigen Nationalpark-REGION aus LSG und Nationalpark ist nach wie vor lebendig.

Um auch nach außen hin zu dokumentieren, wo die Nationalpark-Region beginnt, wurde schon Ende 1991 vorgeschlagen, an den wichtigsten Einfallsstraßen in die Sächsische Schweiz Eingangs- oder Begrüßungssteine aufzustellen. Diese Idee, die damals breite Zustimmung erfuhr, wurde vorerst nicht realisiert. Die Begrüßungssteine kamen an die Eingänge des Nationalparks. Nun gut, das ist auch nicht schlecht, sagten wir uns. Doch es wäre ebenso wichtig, daß der Besucher der Sächsischen Schweiz nicht erst am Waldhäusl im Kirnitzschtal, sondem bereits oberhalb von Pirna-Sonnenstein erfährt: Hier beginnt ein geschütztes Gebiet!

Diesen Vorschlag brachten wir fast zwei Jahre später, am 15. Juli 1993, anläßlich einer Beratung des Projektbeirates zum "lnformations- und Lenkungssystem Sächsische Schweiz" erneut in die Runde. Dieser Projektbeirat sollte eigentlich die Aufstellung von Informationstafeln, Hinweisschildern usw. beratend begleiten. So war es unverständlich, daß unser Vorschlag es nicht einmal wert war, diskutiert zu werden und von Herrn Phoenix, Diskussionsleiter dieser Beratung und Stellvertretender Leiter der Nationalparkverwaltung, auch nicht in das Beratungsprotokoll aufgenommen wurde.

Auf eine spätere Anfrage hin erhielten wir die Antwort, es sei alles schon entschieden, der Projektbeirat hätte sowieso nur beratende Funktion, "zudem seien die Begrüßungssteine oberhalb Pima-Sonnensteins für die Besucher verwirrend".

Letzteres wäre wohl anzuzweifeln, und es stellt sich die Frage: Soll denn niemand wissen, wo die NationalparkRegion beginnt?

Eigentlich ist es ja keine bedeutende Sache, wird sicher mancher denken. Das ist sicher richtig, doch es gibt weitere Beispiele. Vor allem aber werden hier grundsätzliche Fragen des demokratischen Umgangs miteinander aufgeworfen. Denn wozu wird eigentlich ein Projektbeirat einberufen, wenn Vorschläge nicht diskutiert werden und alles sowieso schon entschieden ist?

Dienen solche Beiräte lediglich als demokratisches Mäntelchen?

In jedem Falle wollen wir unseren Vorschlag jetzt noch einmal dem Umweltministerium unterbreiten und hoffen dort auf mehr Resonanz. Daß der materielle Aufwand für die Begrüßungssteine gering ist, hat Forstamtsleiter Dietrich Graf schon 1991 dargelegt. Denn es gibt nur wenige große Straßen, die in die Nationalpark-Region führen. Die Idee sollte eigentlich realisierbar sein, und auch die Verwirrung der Besucher und Touristen dürfte sich in Grenzen halten.

Leider nicht in Grenzen hielt sich 1993 der Flugverkehr über der Sächsischen Schweiz. Eine Lösung für das bereits 1990 von den 50.000 Unterzeichnem der Sächsischen-Schweiz-Initiative geforderte Tiefflugverbot ist bisher noch nicht in Sicht.

Erste Ansätze für eine Verbesserung der Situation zeichnen sich aber ab. So will sich das Luftverkehrsamt Sachsen verstärkt dafür engagieren, daß wenigstens die vorgeschriebenen Mindestflughöhen von 150m über freiem Gelände und 300m über Wohnbebauung eingehalten werden, auch wenn die Flughöhe von 600m vorerst eine reine Empfehlung bleibt.

Noch immer nicht geklärt sind auch die Zukunft des Zeughauses als Standort mitten in der Nationalpark-Kernzone oder die Einrichtung der Fähre Schöna-Hrensko, die ein wichtiger Beitrag zur Förderung des öffentlichen Verkehrs in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz wäre.

Zu all diesen Problemkreisen werden Sie Beiträge in diesem Heft finden.

Wir möchten uns ganz herzlich bei all denen bedanken, die das Anliegen der Sächsischen-Schweiz-Initiative und unser Heft mit einer Spende unterstützt haben. Es sind viele darunter, die dies bei weitem nicht zum ersten Mal taten.

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In diesem Sinne nochmals vielen Dank für Ihre Unterstützung. All unseren Lesern wünschen wir eine schöne Advents- und Weihnachtszeit und ein gutes Jahr 1994.

Peter Rölke


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