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Golf im Großraum Dresden - Im Spannungsfeld von Ökologie und Ökonomie

Noch immer ist zum geplanten Golfplatz Thürmsdorf keine endgültige Entscheidung gefallen. Nach der Ablehnung der 18-Loch-Anlage sieht man nun eine Chance, mit einer abgerüsteten 9-Loch-Anlage doch noch "durchzukommen". Mit dem folgenden Beitrag von Herrn Schulze vom UVP-Förderverein soll neben den Einwirkungen auf die Umwelt insbesondere die Wirtschaftlichkeit eines möglichen Golfstandorts Thürmsdorf hinterfragt werden.

Mit der Deutschen Einheit zog in die ehemalige DDR auch eine neue Sportart ein, Golf. Seit dem 18. Juni 1993 hat nun Sachsen seinen ersten und bislang einzigen Golfplatz, eine 18-Loch-Golfbahn in Possendorf nahe bei Dresden auf einer Fläche von 65 ha.

Zur Umweltverträglichkeit derartiger Anlagen finden sich viele Planungs- und Betrachtungsaspekte, auf die hier nicht im einzelnen eingegangen werden soll (siehe UVP-report 1/89 u.a. 1/94).

Am stärksten in der Diskussion sind die enorme Flächeninanspruchnahme, die Störung von Sichtbeziehungen und die Strukturarrnut der Spielbahnen. So findet man z.B. auf einer Wiese ca. 450 verschiedene Planzenarten, auf Spielbahnen hingegen nur ca. 10 (!) [2]. Hinzu kommt eine hohe Schnitthäufigkeit (20 -30 mal im Jahr), vor allem der sog. Abschläge und Greens (das sind die Stellen, wo die o.g. 18 Löcher sind), die jeweils ca. 1 ha beanspruchen.

Das Gelände des Golfplatzes Possendorf wurde früher als Ackerland von der dortigen LPG genutzt. Mit Unterstützung der TU Dresden gelang es, die Fläche ökologisch zu sanieren, zu gestalten und zu nutzen. Kennzeichnend für die landwirtschaftliche Nutzung war eine stellenweise sehr hohe Nitratbelastung des Bodens, die auf natürlichem Wege ("wild-wachsen-lassen") abgebaut wurde. Es wurden insgesamt 9 Teiche angelegt.

Von einer positiven landschaftsplanerischen Gestaltung, der Einbindung in das vorhandene Gelände, der Bewirtschaftung, den überdurchschnittlichen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen wie z.B. in Possendorf kann jedoch keinesfalls bei jedem Golfplatz gesprochen werden.

Der Golfplatz Possendorf ist so ausgelegt, daß ca. 450 Personen pro Tag dort spielen können, eine Zahl, die aber bei weitem noch nicht erreicht wird. "Derzeit hat der Golfclub, mit Stand August 1993, nur 120 Mitglieder, vertragen könnte er 800 bis 900. Dies wäre auch die Größe, ab der er sich wirtschaftlich rechnet. Bis dahin gehen allerdings mindestens noch 4 bis 5 Jahre ins Land", so der Initiator der Golfanlage, Herr Kohrn.

Mitglieder zahlen beispielsweise für eine 20-jährige Spielberechtigung einen Einmalbetrag von 12.000 DM, Gelegenheitsspieler haben 50 DM pro Tag bzw. 60 DM pro Wochenendtag zu entrichten.

Da die Neuen Bundesländer nicht gerade mit Golfspielern oder finanzkräftigen Neueinsteigern übersät sind, setzt sich die Possendorfer Mitgliederstruktur zu 70% aus "Altbundesbürgern" zusammen, vorranging Angestellte im höheren Dienst, Direktoren, Richter, Anwälte und sogenannte Kontakter (Irnmobilienmakler, Firmeninhaber).

Die Kosten einer Golfanlage ähnlich der in Possendorf mit einer Größe von 65 ha beziffert sich auf ca. 8 Mio. DM.

Da der Platz bislang noch nicht so stark frequentiert wird, daß er sich wirtschaftlich rechnet, werden Überlegungen angestellt, wie die Anlage in die schwarzen Zahlen zu bringen ist. Gedacht ist an ein kulturhistorisches Programm in Verbindung mit Golf, welches Golfspieler aus den Altbundesländern nach Dresden und Possendorf bringen soll. Auch der Bau eines Sporthotels, in der ersten Ausbaustufe mit 100 Betten, in Kombination mit Fitneßeinrichtungen ist ebenso in Vorbereitung wie ein internationales Tenniszentrum mit 22 Trainingsplätzen und 4 Plätzen als Tennisleistungszentrum. Alles dies sind Initiativen von Herrn Kohm, die dazu beitragen sollen, die Kosten aufzufangen.

Offen bleibt die Frage, ob bei weiteren, in Sachsen geplanten Golfanlagen mit ähnlichen Folgeinvestitionen zu rechnen ist, welche dann den ökologischen Rahmen des Gesamtprojektes sprengen können.

Das Fazit von Herrn Kohm: "Derzeit bietet der Markt nur einem Golfplatz um Dresden eine Überlebenschance.

Die dünne Spielerdecke läßt es demzufolge fraglich erscheinen, ob ein weiterer Golfplatz, z.B. Thünnsdorf, unabhängig von seinem Einfluß auf Umwelt und Landschaft, überhaupt wirtschaftlich betrieben werden kann.

R. Schulze, UVP-Förderverein e.V.

[1] Interwiev am 04.08.93 in Possendorf mit Herrn Kohm, Initiator der Golfanlage Possendorf und Präsident des Elbflorenz Golfclub Dresden

[2] UVP-report 1/89, Dortmund März 1989



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