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Zunahme der Schäden an Laubbäumen im Jahr 1993 wie nie zuvor

Wir sind der Natur gefährlicher geworden, als sie uns jemals war.
Hans Jonas
Aufgelichtete Eichen mit beträchtlichem Blattverlust

An das Bild der extrem geschädigten Nadelwälder im oberen Erzgebirge oder den Kahleberg, der seinem Namen alle Ehre macht, hat man sich leider bereits gewöhnen müssen. Die Schäden an Laubbäumen hielten sich bisher in Grenzen. Doch seit kurzem ist eines besonders schmerzlich: gerade die Laubbäume haben einen extremen Schadfortschritt zu verzeichnen. 1993 war dieser so gravierend wie nie zuvor.

Am schwersten betroffen sind Buchen und Eichen, aber auch Eschen oder Birken weisen starke Schäden auf. Bereits im Juli und August hatten die Laubbäume in der Sächsischen Schweiz hohe Blattverluste, z.T. bis 50%, zu verzeichnen! So waren Buchen, durch die man im gesunden Zustand eigentlich nicht hindurchblicken kann, schon im Sommer "durchsichtig". Die Ursache dafür liegt im Absterben des Feinastbereiches. Übrig bleiben die langen "Schwuppen" der Hauptäste, wie man es auf unserem Foto der Buchen am Teichstein (Bild S. 8) sieht. Weitere unsichtbare Schädigungen z.B. im Wurzelbereich verringern zudem die Widerstandskraft, so daß Schädlinge, Pilze, Frost oder Sturm ein leichteres Spiel haben.

Buche im Bereich Bielatal / Raum (August 1993)

Während die etwas geschützt liegenden Wälder noch besser aussehen, sind exponierte Standorte wie Felsriffe oder trockene Südseiten besonders stark betroffen.

War bisher vorrangig Schwefeldioxid der Hauptschadstoff in Sachsen, so wurde es mittlerweile durch Stickoxide und Ozon verdrängt. Deren Quelle ist vorrangig der Kraftfahrzeugverkehr, der in unserer Region nach der Wende stark angestiegen ist.

Stickoxide und Ozon werden als Ursache der neuartigen Waldschäden an den Laubbäumen angesehen. Was aber noch unerforscht ist: Wie wirken diese neuen Schadstoffe auf die bereits durch Schwefeldioxid vorgeschädigten Bäume?

Buchenäste ohne Feinastbereich am Teichstein

Im nächsten Frühjahr wird im Immissionsforschungszentrum in Tharandt eine neue Versuchsreihe gestartet. Dabei werden durch Schwefeldioxid vorgeschädigte Bäume mit Stickoxiden und Ozon begast. Doch noch ehe dieser Prozeß der Überlagerung von Schadstoffen restlos erforscht ist, bekommen der Wald und auch wir tagtäglich eine mehr oder weniger hohe Schadstofffracht verabreicht.

Womit sich die Frage stellt: Was passiert, wenn die Schadstoffzufuhr nicht gedrosselt wird, sondem konstant bleibt? Oder was geschieht mit dem Wald, wenn der Kfz-Verkehr sogar um den Faktor 2,1 ansteigt, wie es das sächsische Wirtschaftsministerium für die Autobahn-Planungen der A 13 prognostiziert?

Sieht dann der Wald der ganzen Sächsischen Schweiz so ähnlich aus wie heute der im Bereich des Bielatales, der Zschirnsteine, des Deciner Schneebergs oder der Tissaer Wände?

Werden wir in 10 Jahren überhaupt noch Wald haben?

In unserem nächsten Heft haben wir einen größeren Beitrag zu diesem Thema geplant.



Unser schöner Wald !

O'Tannenbaum, O'du schöner Wald,
O'Mensch, schau hin und erwache bald,
Du grüntest nicht nur zur Sommerszeit,
sondern auch im Winter wenn es schneit.


Die Umweltverschmutzung nun an dir nagt,
daß einen das Grauen packt!
Es ist ein Jammer, Dich anzusehen,
die Chemie zerstört dein Leben.


Als erstes waren es Tannen und Fichten,
auch die Buchen tun sich schon lichten.
Um Hilfe schreien Pilze und Getier Die letzten wohl,
das sind dann wir.


Was werden unsere Kinder dann wohl denken,
wenn sie in den Wald ihre Schritte lenken?
Was nützt alles Glück, auf Erden,
wenn unsere schönen Wälder sterben.


Sepp Dimpflmaier

Naturschutzreferent der
DAV-Sektion Tutzing




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