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Im Gespräch mit dem 'Zeughausförster' Gerhard Steiner

Mit Gerhard Steiner möchten wir in diesem Heft einen nun schon seit vielen Jahren engagierten Förster und Naturschützer vorstellen und zu Wort kommen lassen.

Gerhard Steiner ist 52 Jahre alt, verheiratet, in Sebnitz aufgewachsen und schon seit 1969 Revierförster im Revier Zeughaus. Dieses Revier beinhaltet einen großen Teil desfrüheren NSG Großer WinterberglZschand bzw. derietzigen Kernzone des Nationalparkteils "Hintere Sächsische Schweiz".

Gerhard Steiner

Als "Zeughausförster" ist er nicht nur Forstleuten und Naturschützern ein Begriff, sondern durch die Betreuung des Wanderquartiers Zeughaus auch bei vielen Bergsteigern und Wanderern bestens bekannt.

Sein Engagement für den Wald und die Natur, seine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft schätzen seine Freunde besonders an ihm. Das Zeughaus und der Name Gerhard Steiner sind wohl für viele untrennbar miteinander verbunden.104, 67,

Herr Steiner seit vielen Jahren sind Sie als engagierter Revierförster im Zeughaus bekannt. War der Beruf des Försters schon immer Ihr Wunsch? Wie lange sind Sie bereits im Revier Zeughaus tätig?

Schon in meiner Jugend hatte ich den Wunsch, Förster zu werden. Die Impulse dazu kamen aus dem Elternhaus - von Menschen, die der Natur verbunden waren, wie Forstleute, Jäger und Bergsteiger. Durch Wandern und Klettern im Gebiet Zeughaus und den Kontakt zum damaligen "Zeughausförster" wurde der Wunsch geweckt, gerade dort Förster zu werden. Über Umwege und etwas Glück ist dieser Traum 1969 in Erfüllung gegangen.

Was sind die Besonderheiten Ihres Reviers? Welche geschützten Pflanzen- und Tierarten findet man hier?

Das Besondere dieses Reviers ist die naturräumliche Eigenart, d.h. der ständig wechselnde Charakter der Landschaft. Somit hat sich auch eine Vielzahl von Biotopen und Lebensgemeinschaften mit schutzbedürftigen Tier- und Pflanzenarten herausgebildet. Ich denke dabei z.B. an Uhu, Wanderfalke, Rauhfuß- und Sperlingskauz sowie an eine Vielzahl geschützter Pflanzen.

Dazu kommt noch, daß diese Landschaft vielen Menschen Erholung und Entspannung bietet, insbesondere Wanderern und Bergsteigern.

Alle diese Gegebenheiten und Fakten muß ein Revierförster neben seiner rein forstlichen Aufgabe mit beachten und berücksichtigen. Das erfordert viel Rücksicht, Einfühlungsvermögen sowie eine ständige Weiterbildung.

Die Gründung des Nationalparks im Jahr 1990 brachte auch für Ihr Gebiet neue Regelungen. Eine reguläre forstwirtschaftliche Nutzung der Wälder ist langfristig nicht mehr geplant. Welche neuen Aufgaben bringt das für Sie als Revierförster? Wie vollzieht sich der Übergang zu einer naturnahen Waldbestockung?

Mit der Bildung des Nationalparks werden auch wesentliche Veränderungen in der Forstwirtschaft notwendig. Eine wirtschaftsbestimmende Nutzung des Rohstoffes Holz ist jetzt ausgeschlossen, so sind z.B. keine Kahlschläge mehr erlaubt.

Unsere Aufgabe ist es jetzt, naturferne Bestockungen (z.B. Roteiche, Weymouthskiefer usw.) in standorttypische Mischbestockungen umzuwandeln und seltene heimische Baumarten wie Tanne, Ulme und auch Eiche verstärkt einzubringen. Fichten-Monokulturen werden je nach Standort aufgelichtet und mit Buche und Tanne vorangebaut. Somit entstehen schöne, nachhaltige vertikal und horizontal gegliederte Waldflächen.

Jedoch ist eine drastische Reduzierung der hohen Schalenwildbestände wie Rot-, Reh- und Schwarzwild auf eine ökologisch tragbare Dichte notwendig, damit sich diese heimischen Holzarten ohne Zaunschutz verjüngen können.

Desweiteren werden sich die Forstleute in Zukunft mit Waldpflegearbeiten, Wegebauarbeiten und in gewissem Maße auch mit Forstschutzaufgaben beschäftigen.

Blick vom Zeughaus zum Teichstein

Für Ihr Gebiet gibt es zwei Verantwortlichkeiten: Einmal durch den Forst, zum anderen durch die Nationalparkverwaltung. Erschwert dies das Arbeiten? Ergeben sich daraus Interessenkonflikte zwischen Forst und Nationalparkverwaltung?

Für den Nationalpark sind zwei Ministerien verantwortlich, vertreten zum einen durch die Nationalparkverwaltung und zum anderen durch zwei Forstämter (Bad Schandau und Hohnstein). Die jeweiligen Aufgaben sind genau abgegrenzt. Trotzdem ist es meiner Meinung nach nicht die idealste und effektivste Lösung.

Wir haben Mountainbikefahrer sogar auf dem Reitsteig in den Thorwalder Wänden gesehen. Dies ist eigentlich laut Nationalparkgesetz verboten. Sind das Einzelfälle, oder erleben Sie so etwas öfter?

In den letzten Jahren hat der Tourismus auch in unserem Revier stark zugenommen, leider auch mit allen negativen Erscheinungen wie Reitsport, Mountainbiking und Boofen in den entlegendsten Ecken unseres Gebietes. Meistens handelt es sich dabei um Besucher aus den Altbundesländern. Um dem Ruhecharakter des Nationalparks besser zu entsprechen, hat die Nationalparkverwaltung an Waldeinfahrten Sperren angebracht. Leider wurde ein Teil dieser Sicherungseinrichtungen vorsätzlich zerstört.

Desweiteren arbeitet die Nationalparkverwaltung an einem Konzept über Radwanderwege.

Was soll mit dem Stasi-Heim am Zeughausgeschehen? Wird es, nachdem es die Nationalparkverwaltung abgeben mußte, zum Hotel mit Gaststätte, Großparkplatz undfreier Zufahrt für die Gäste? Welche Entwicklung sollte das Objekt Ihrer Meinung nach nehmen, damit es zu keinen Konflikten mit dem Naturschutz kommt?

Was aus dem ehemaligen Stasi-Heim am Zeughaus wird, ist mir nicht bekannt. Wahrscheinlich soll es als Hotel mit Gaststätte und freier Zufahrt für Hotelgäste weiter betrieben werden.

Dieses Objekt wird immer wieder Probleme und Konflikte auslösen. Zum einen ist es aus Rentabilitätsgründen auf Hotelgäste angewiesen (also freie Zufahrt), zum anderen wird dadurch der Naturschutz- und Erholungsgedanke verletzt. Es muß hier eine ordentliche Regelung geschaffen bzw. ein Kompromiß gesucht werden.

Von großer Wichtigkeit ist, daß an diesem Objekt die äußerst umweltunfreundliche Kohlefeuerung auf Flüssiggasheizung umgebaut wird.

Welche Rolle spielt das Totalreservat in der Nähe des Goldsteins (Böses Horn)? Gibt es Pläne für Erweiterungen bzw. zur Schaffung zusätzlicher Ruhezonen innerhalb des NSG Großer Zschand?

Das Totalreservat am Bösen Horn spielt als Ruhezone oder "ökologische Nische" in diesem Gebiet noch eine große Rolle. Es ist aber mit der Bildung des Nationalparks in diesem integriert. Somit gibt es auch keinen Grund für eine Erweiterung.

Gerhard Steiner sieht man selten ohne seine Begleiter

Welche Beziehung haben Sie zum Bergsteigen? Die Mehrzahl der sächsischen Bergsteiger versteht sich gleichsam als Naturschützer und -nutzer. Sehen Sie Konfliktpotential, wenn einerseits in der Kernzone des Nationalparks geklettert wird (und sich einige unvernünftig verhalten) und andererseits Bergsteiger zu Ihnen kommen, um Bäume zu pflanzen, Erosionsschäden zu beseitigen und Zugangswege zu den Kletterfelsen anzulegen?

Dem Bergsport fühle ich mich sehr verbunden. In den Jugendjahren bin ich selbst in bescheidenem Maße klettern gegangen, um zu erleben und zu genießen. Derzeit komme ich aus dienstlichen Gründen kaum noch dazu.

Unter Bergsteigern und Touristen habe ich einen großen Bekanntenund Freundeskreis. Ich denke, daß sich der größte Teil dieser Sportfreunde dem Gebiet verbunden fühlt und das nicht nur im Verhalten draußen in der Natur zum Ausdruck bringt, sondern auch bei vielen Wochenend-Arbeitseinsätze zur Wiederaufforstung und Waldpflege, die mitunter bei ungünstigem Wetter stattfanden. Bei diesen Verbündeten möchte ich mich heute noch bedanken.

In vielen Gebieten der Sächsischen Schweiz wurde z.B. bei Buchen oder Eichen in diesem Jahr ein starker Schadenszuwachs festgestellt. Wie sieht es in Ihrem Revier aus? Wie ist der Zustand der exponierten Riffe und der tiefen Schluchten des Großen Zschandes?

Das Forsthaus des Zeughausförsters

Ja, leider sind die Symptome der neuartigen Waldschäden (Vergilben von Blatt- und Nadelspitzen) auch im Revier Zeughaus sichtbar, vor allem an älteren Eichen, Buchen und Bergahorn. Die Felsriffe, welche ja meist mit Kiefer und Birke bestockt sind, sehen noch relativ gut aus, ebenso die Schluchtwälder mit Fichte. Man muß allerdings bemerken, wenn einzelne Bäume Schadsymptome aufweisen, ist meist schon das gesamte Gefüge des Waldökosystems gefährdet bzw. geschädigt.

Die Tanne ist eine der Baumarten, die am weitesten zurückgedrängt wurde. Gibt es noch Tannenbestände in Ihrem Revier ?

Tannenbestände gibt es im Revier leider nicht mehr. Einige mehr oder weniger vitale Alttannen sind noch vorhanden. Diese alten ehrwürdigen Bäume bilden die Grundlage für unser TannenVerjüngungsprogramm im gesamten Forstamtsbereich. Wir können auch schon auf einige Erfolge bei diesem Programm verweisen.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?

Daß sich alle Besucher der Sächsischen Schweiz, egal ob Bergsteiger, Wanderer oder Spaziergänger, umweltgerecht verhalten und die Arbeit derer, die im und für Wald und Flur arbeiten, achten. Maßnahmen des Forstes und der Nationalparkverwaltung sollten bitte respektiert werden. Zerstören bringt nichts ein.

Ist man anderer Meinung bzw. treten Fragen auf, so sind die jeweiligen Verwaltungen gern zu Gesprächen und Auskünften bereit, denn schließlich geht es um die Erhaltung einer äußerst sensiblen Landschaft.

Herr Steiner vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen auch im Namen unserer Leser alles Gute und auch zukünftig viel Freude bei Ihrer Arbeit und schöne Stunden draußen in Ihrem Revier.



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