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Der Wanderfalke - wieder Brutvogel in der Sächsischen Schweiz

Nachdem ich im Heft 6/1993 über die Wiederansiedlung des Wanderfalken im Elbsandsteingebirge berichtete, kann ich jetzt mit großer Freude über die ersten erfolgreichen Bruten seit 29 Jahren informieren.

Im Mai 1993 wurde ein weiteres, also ein drittes Wanderfalkenbrutpaar entdeckt. Die Beringung des Männchens kennzeichnete es als aus unserer 1990er Auswilderung stammend. Das Weibchen trägt die Ringkombination, wie sie an ostdeutschen Wildhorsten verwendet wurde. Im Horst stellten wir nur einen etwa 18-tägigen Jungfalken fest. Zwei Eier waren nicht zum Schlupf gekommen.

Junger Wanderfalke

Das könnte man auf Störungen im Brutbereich zurückführen, weil sich auch dieser Horst in einem Kletterfelsen befand. Da uns der Horst lange Zeit unbekannt blieb, konnten Schutzmaßnahmen nicht rechtzeitig eingeleitet werden.

Alle drei Paare hatten Dreiergelege, wie das für erstmals brütende Wanderfalkenweibchen normal ist.

Um den 1.Mai 1993 schlüpften am Platz II ( Pfaffenstein die Jungfalken. Hier desinfizierten wir kurz vorher den Horst, da das Weibchen stark von Parasiten befallen war und wir um einen guten Ausgang der Brut bangen mußten. Am Platz 1 lagen die Jungvögel am 5.Mai 1993 im Horst. Zu dieser Zeit war es recht kalt, so daß zwei der Jungfalken erfroren. Die Ursache könnte die Brutunerfahrenheit des Weibchens sein, welches immer nur eines der verteilt im Horst liegenden Jungen linderte.

Durch die individuelle Kennzeichnung sämtlicher Jungfalken hoffen wir, mehr über die Entwicklung dieser neuentstandenen Wanderfalkenpopulation zu erfahren.

Am 16.Mai 1993 beringten wir die Jungfalken in den Horsten I und II , der Horst III wurde erst an diesem Tag bestätigt. Der Jungfalke am Platz III bekam seine Ringe am 25.Mai 1993. An diesem Tage setzten wir in die Horste I und III je zwei gezüchtete Jungvögel passenden Alters hinzu.

Die Adoption junger Greifvögel durch Paare ohne, oder mit geringem Bruterfolg gilt als die eleganteste Methode zur Bestandsaufstockung oder Wiedereinbürgerung stark gefährderter Arten.

Zur selben Zeit kamen in den Auswilderungskäfig am Lilienstein sechs junge Wanderfalken. Sie wurden am 2.Juni 1993 in die Freiheit entlassen und verwilderten relativ schnell.

Alle neun an den Wildhorsten aufgezogenen Jungfalken wurden flügge, jedoch wurde in den ersten Tagen nach Verlassen des Horstes ein junges Weibchen am Platz III vermutlich vom Habicht geschlagen.

Hiermit möchten wir uns bei allen Bergsteigern und Wanderern bedanken, welche die von uns zum Schutze des Wanderfalken angebrachten Hinweisschilder beachteten.

Wir hoffen, daß die Besteigung eines durch Schilder gekennzeichneten gesperrten Kletterfelsens durch H.Heller am 15.5.1993 eine Ausnahme bleiben wird. Wie mögen die rauhen Schreie der besorgten Altvögel von den Wänden widergehallt haben, als sich der Kletterer nur wenige Meter über ihrem einzigen Jungen bewegte ?

32 gezüchtete junge Wanderfalken wurden von 1989 bis 1992 am Lilienstein ausgewildert. Vier Falken davon sind in die Felsenlandschaft der Sächsischen Schweiz zurückgekehrt und haben zwei weitere als Brutpartner mitgebracht.

Drei Wanderfalkenpaare horsteten erfolgreich in unseren Sandsteinwänden und brachten fünf Junge zum Ausfliegen. Mit den adoptierten und den am Lilienstein ausgewilderten Falken flogen heuer 14 junge Wanderfalken über die Felsen.

Fürwahr ein schöner Erfolg, zeigt er uns doch, daß der eingeschlagene Weg der richtige ist!

So kennzeichnet die Wiederansiedlung des Falko peregrinus auch die Intaktheit seines hiesigen Lebensraumes.

Ulrich Augst


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