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Der Sumpfporst (Ledum palustre L.) in der Sächsischen Schweiz

Wandert man um die Pfingstzeit durch das Fels-Waldgebiet der vorderen oder hinteren Sächsischen Schweiz, so fällt dem aufmerksamen Beobachter an meist nordseitigen Simsen und Bändern des Sandsteins ein kleiner Strauch durch seine weiß leuchtenden Blütendolden auf. Bei genauerem Hinschauen erinnert uns die Pflanze mit ihren lederartigen, immergrünen und unterseits braunfilzigen Blättern an ein Rhododendrongewächs. Wir haben den Sumpfporst vor uns, von den Bergsteigern auch liebevoll das "Sächsische Edelweiß" genannt.

Blühender Sumpfporst

Der Sumpfporst, mit dem wissenschaftlichen Namen Ledum palustre (L.) gehört zur Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Der wissenschaftliche Name leitet sich vom dem altgriechischen Wort ledon, ledos = Wollstoff ab, was Bezug nimmt auf die wolligfilzigen Blätter. Das Wort palustre kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Sumpf. Die Gattung ist mit nur drei Arten auf der nördlichen Halbkugel vertreten. Das bis einen Meter hoch werdende Gehölz ist giftig und fossil in Europa seit dem Oligozän (seit 50 Millionen Jahren) nachgewiesen.

Der Sumpfporst wird aus der Sächsischen Schweiz zuerst 1804 bei Götzinger (Schandau und seine Umgebungen) erwähnt: "Die Zeithaide, welche die Stirne der Felsen hier oft umschlingt". Gemeint ist das Gebiet des Großen Zschandes.

1821 wird sie dann bei Ficinus (Flora der Gegend um Dresden) genannt: "am Prebischthore" und 1837 bei Reichel (Standorte der seltneren und ausgezeichneten Pflanzen in der Umgegend von Dresden): "an den Felsen am Wege von der Bastei zum Amselgrunde".

Verbreitung des Sumpfporsts (zum Vergrößern anklicken!)

In einer 1896 von R.Schmidt erschienenen und recht interessanten Arbeit über die "Glazialrelikte in der Flora der Sächsischen Schweiz" wird der Sumpfporst mit vierzehn weiteren Pflanzenarten den Eiszeitrelikten zugeordnet. Also kälte- und lichtliebenden Arten, die sich nach der Eiszeit in den wärmer gewordenen Gebieten an geigneten Stellen (z.B. Mooren) erhalten haben. Diese, für den Sumpfporst nicht ganz richtige Auffassung hat sich bis heute erhalten, nicht zuletzt deshalb, weil ihr auch Hans Förster in seinen vielgelesenen "Streifzügen durch die Pflanzenwelt der Sächsisch-Böhmischen Schweiz" (1927) gefolgt ist.

Der Sumpfporst gilt heute als eine nordisch-kontinentale (östliche) Art, die in Zentraleuropa vor allem an das polonisch-baltische Flachland gebunden ist und auch im sudetisch-herzynischen Gebiet nur wenig ins Bergland geht. Er ist eine Charakterpflanze der Waldkiefern- und Heidemoore und kommt hier auf sauren, nassen bis mäßig trockenen Torfböden vor. An diesen Standorten ist er fast überall im nordöstlichen Flachland von Ostdeutschland zu finden.

Sein Verbreitungsschwerpunkt liegt in der feuchtkalten Niederung der Oberlausitzer Kiefernheide, wo er besonders im östlichen Teil (Kohlfurter Heide) ausgedehnte Bestände bildet. Aber auch im nordböhmischen Berg- und Hügelland kommt der Sumpfporst vor, so in den Waldmooren südlich von Böhmisch Leipa (Ceska Lipa). Im Isergebirge besitzt der Sumpfporst Vorkommen an der Neuwiese und Wolfswiese (am oberen Randgehänge), die mit 1040m ü.M. wohl die höchstgelegenen in Mitteleuropa sind. Diese durch das Oberlausitzer Berg- und Hügelland getrennten Areale werden im Westen durch die zahlreichen Vorkommen in der Sächsischen Schweiz weiträumig miteinander verbunden, die zugleich die Südwestgrenze der Art in Sachsen bilden.

Der Sumpfporst wächst in der Sächsischen Schweiz in einer Höhenlage von 130-450m, seine größte Verbreitung hat er im Bereich von 200-350m.

Wie wir auf der Verbreitungskarte sehen, liegen seine Vorkommen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, überwiegend im rechtselbischen Bereich. Die wenigen, mir derzeit bekannten linkselbischen Standorte sind: Bahnhof Schmilka, Schöna (Marktweg) und Heideberg (Gohrisch).

Bezieht man bei einer Betrachtung der Standorte die böhmischen Vorkommen mit ein, so fällt auf, daß der Lauf der Elbe für die Verbreitung der Art Bedeutung haben muß. Das Fehlen weiterer linkselbischen Vorkommen, bei hier durchaus geigneten Standorten ist verwunderlich und es scheint, daß die Elbe für die westliche Ausbreitung des Sumpfporstes in der Sächsischen Schweiz ein Hinderniss dargestellt hat bzw. darstellt.

Wie schon oben erwähnt wächst Ledum palustre bei uns vorwiegend auf nordseitigen Felssimsen und Bändern auf torfigen und nassen Rohhumusdecken. Im Bereich der Affensteine und Bärenfangwände ist er häufig mit der selteneren Krähenbeere (Empetrum nigrum) vergesellschaftet. Immer aber wächst er auf Sandstein und auch eine enge Bindung an die Kiefer ist nicht zu verkenne

n.

Es ist jedoch anzunehmen, daß die Pflanze früher weiter verbreitet gewesen ist und die heutigen Standorte lediglich Rückzugsgebiete der Art darstellen.

Schon Hans Förster beklagt 1927, daß die Sammelleidenschaft der Kräuterfrauen, den Sumpfporst auf die unzugänglichen Stellen zurückgedrängt hat. Der Sumpfporst, volkstümlich auch als "Zeidheede" oder "Wilder Rosmarin" bezeichnet, wurde früher als Mottenoder Wanzenkraut gesammelt. Die Blüten undjungen Triebe wurden auch offiziell gegen Fieber, Gicht, Ruhr und Keuchhusten verwendet.

Abschließend sei noch erwähnt, daß der Sumpfporst in Sachsen schon seit 1923 geschützt ist. In der Roten Liste der im Freistaat Sachsen ausgestorbenen und gefährdeten wildwachsenden Farnund Blütenpflanzen (1990) ist er als "gefährdet" eingestuft, was besagt, daß er seit 1950 20-50% seiner Standorte in Sachsen verloren hat!

In der Sächsischen Schweiz sieht die derzeitige Situation nicht ganz so dramatisch aus, obwohl ein leichter Rückgang des Sumpfporstes festgestellt werden muß.

Hohn Riebe
Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz


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