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Eine Wanderung in der Böhmischen Schweiz

Auf aussichtsreichem Rundweg über Schauenstein und Rudolfstein zum Marienfels

Der böhmische Teil des Elbsandsteingebirges steht an Schönheit dem sächsischen kaum nach. Trotzdem ist nur wenige Kilometer von den Grenzorten entfernt der Touristentrubel meist schon verschwunden. Besonders Freunde einsamer Natur dürften dann auf ihre Kosten kommen, sofern sie nicht gerade die Hauptwanderwege benutzen.

Blick von der Simmersdorfer Kapelle auf die Wälder der Böhmischen Schweiz

Die hier empfohlene Rundwanderung führt größtenteils durch ein Gebiet, das früher auch als "Dittersbacher Heide" bezeichnet wurde. Etwa 5 1/ 2 Stunden Wegezeit sind einzuplanen.

Ausgangspunkt für unsere Wanderung soll das Dorf Vysokä Lipa (Hohenleipa) sein. Zu erreichen ist der Ort mit dem Auto, indem man nach dem Grenzübergang Schmilka im Ort Flrensko (Herrnskretschen) direkt nach der Brücke über die Kamenice (Kamnitz) links in Richtung Jetrichovice (Dittersbach) abbiegt. Nach längerem Anstieg fährt man am Hotel Meznf Louka (Rainwiese) vorbei und erreicht nach kurvenreicher Strecke etwa 10 km vom Grenzübergang entfernt Vysokä Lipa. An der ersten scharfen Rechtskurve kann man am Gasthaus "U Loupezaku (Zum Räuber)" das Auto abstellen. Auch ohne Auto ist Vysokä Lipa mit dem Bus von drensko erreichbar, allerdings ist es ratsam, die Busabfahrtszeiten vorher zu erkunden.

Das Dorf Vysoka Lipa gehört zu den ältesten Siedlungen im Gebiet der Böhmischen Schweiz. Erstmals schriftlich erwähnt wird es im Jahr 1387 im Stadtbuch von Ceska Kamenice (Böhmisch-Kamnitz). Wahrscheinlich ist die Siedlung slawischen Ursprungs, auch der deutsche Name Hohenleipa besitzt seine Wurzel im slawischen Wort "lipa" (Linde). Im Dorf kann man eine ganze Reihe sehenswerter Umgebindehäuser entdecken, darunter in unmittelbarer Nähe zum Parkplatz das stattliche Haus Nr. 46.

Vom Parkplatz führt eine Forststraße (für Auto gesperrt) in nördliche Richtung. Diese ist mit einem schrägen grünen Strich, der internationalen Lehrpfadmarkierung, versehen. Nach wenigen Schritten ist die erste Informationstafel zu sehen. Leider sind die Texte der Tafeln nur in tschechischer Sprache verfaßt. Diese Tafel gibt einige grundlegende Informationen über die Entstehung des Elbsandsteingebirges, über den Naturschutz und über die Streckenführung des Lehrpfades.

Einer der bekanntesten Felsen im Prebischtorgebiet: Der schlamke Zuckerhut

Etwa 700 in wandern wir die Forststraße entlang, bis diese sich scharf nach rechts wendet. Hier stoßen wir auf einen rot markierten Wanderweg, auf den wir nach links einbiegen. Durch den Wald steigen wir bergauf bis an den Fuß der Felswände. Hoch über uns befand sich einst eine der bedeutendsten Felsenburgen des Elbsandsteingebirges, die Burg Schauenstein (in alten Reiseführern auch Hohenleiper Raubschloß genannt). Die tschechische Bezeichnung lautet Loupezznicky hrad (Raubschloß) oder Saunstejn.

Schon am Felsfuß sind Spuren der einstigen Burg zu erkennen: ausgehauene Balkenlager, ein Postenloch und mehrere alte Einmeißelungen. Auch eine Tafel des Lehrpfades mit Informationen zur Geschichte und einer interessanten Rekonstruktion des Aussehens der Burg ist am Fels angebracht.

In einer engen Felsspalte führt auf einer Eisenleiter der Weg nach oben. Auf dem Plateau des Schauensteines befindet sich eine etwa 4m x 5m große, rechteckig in den Fels gemeißelte Vertiefung, wahrscheinlich die Grundfläche eines Holzgebäudes oder Holzturmes. Wenige Meter nördlich kann man eine reichlich 3m tiefe, merkwürdig flaschenförmige Zisterne, den "Krug" finden. Möglicherweise diente sie auch als Verlies, denn einmal hineingestoßen ist ein Herausklettern ohne Hilfe unmöglich.

In der winterlichen Felsenwelt des Prebischgebiets

Westlich von der rechteckigen Vertiefung befindet sich etwas tiefer eine größere Höhlung mit kleinen Fenstern und einem tiefen Schacht zum Wandfuß der Felsen.

Zur Geschichte der Burg existieren nur wenige Dokumente. Die Sage weiß von einem fremden Ritter zu berichten, der krank von einem Kreuzzuge zurückkam, sich in der Gegend niederließ und später die Burg baute. Er soll ein finsterer, schweigsamer Mann gewesen sein, dessen Gewissen von einer bösen Tat belastet war. Noch lange Zeit nach seinem Tode spukte sein Geist in den Mauern.

Die Burg wurde vermutlich im 13. oder 14. Jahrhundert gebaut. Sicher ist, daß sie um das Jahr 1406 in den Besitz der adligen Herren Berka von der Duba überging, die auch größere Teile von der Sächsischen Schweiz besaßen. 1431 wurde der Schauenstein samt umliegenden Dörfern an die Herren von Wartenberg verpfändet. 1446 wird der Schauenstein zusammen mit dem Wildenstein (Kuhstall !) dem sächsischen Kurfürsten zum Kauf angeboten, die diesbezügliche Urkunde nennt ihn "Schauwensteyn (bei Hohleipa in Böhmen)... ". Da die Berken von der Duba den Schauenstein bis 1451 bei den Wartenbergem aber nicht wieder auslösen konnten, kam nur der Wildenstein zu Sachsen. Die Burg Schauenstein vefiel bald danach.

Vom Felsen wieder herabgestiegen, laufen wir die Forststraße zurück. Diese wird auch als Ceska Silnie6 (Böhmerstraße) bezeichnet und ist ein Teil eines uralten Verkehrsweges von Böhmen in die Lausitz. Auf der Straße wandern wir noch etwa einen Kilometer weiter, bis der Weg mit der roten und grünen Markierung scharf nach rechts abbiegt. Dieser Wanderweg ist ein alter Zweig der Böhmerstraße.

Nach einigen Kurven führt der Weg dann bergab. Wo der Wald sich öffnet, zweigt die rote Markierung vom Hauptweg nach links auf einen Pfad ab. Geht man den Hauptweg hier noch etwa 20 Meter weiter, kann man einige Schritte nach links (dabei einen weiteren Pfad querend) in der Kiefernschonung einen großen Felsblock finden. In diesen ist eine Nische für ein Heiligenbild eingearbeitet, an deren Seiten die Namen "M.A.Kny" und I.Kny" eingemeißelt sind. Tiefer erkennt man die Jahreszahl 1840.

Wieder zurück zur roten Markierung steigen wir in einer kahlgeschlagenen Schlucht nach oben, wo eine scharfe Rechtskurve folgt. Auf einer Felsterrasse wandern wir den Jubiläumsweg entlang, der Berg zu unserer Linken ist der Koliste (Gohlischt).

Etwa 20 min später erreichen wir den Sattel Pohovka (Kanapee), wir folgen dem rot markierten Weg weiter in Richtung Ostroh (auch Rudolfuv kamen, dt. Rudolfstein). In einer knappen viertel Stunde erreichen wir auf dem breiten Waldweg den Fuß des Rudolfsteines.

Am Beginn des Aufstieges gibt eine Tafel des Lehrpfades Erläuterungen zur Verwitterung des Quadersandsteines. Die Treppen und Leitern des Aufstieges zum Gipfel des Rudolfsteines wurden erst vor kurzem völlig erneuert, auch die Schutzhütte auf dem Felsplateau wurde vor einigen Monaten neu errichtet. Seinen Namen trägt der Fels nach dem 1824 verstorbenen Fürsten Rudolf Kinsky, zu dessen Herrschaft das Gebiet um Dittersbach gehörte, vorher wurde er "Hoher Stein" genannt.

Die Aussicht von hier zählt mit zu den schönsten der Böhmischen Schweiz. Im Nordwesten baut sich vor uns der Raumberg auf, rechts davon weiter entfernt der Tanecnice (Tanzplan) bei Sebnitz (mit Aussichtsturm) und der Wachbergrücken. Im Nordosten sieht man den spitzen Vlci hora (Wolfsberg, ebenfalls mit Turm), im Osten die kegelförnügen Kuppen der Lausitz. Im Südosten gerät das Kreibitzer Bergland mit dem nahe gelegenen Studenec (Kaltenberg) ins Blickfeld, rechts davon weiter entfernt der ruinengekrönte Zamecky vrch (Kamnitzer Schloßberg). Im Südwesten fällt der markante Kegel des Ruzovsky vrch (Rosenberg) auf, im Westen grüßen uns einige Berge und Steine der Sächsischen Schweiz.

Vom Fuße des Rudolfsteines lassen wir uns von der roten Markierung weiter durch den Wald leiten. Nach kurzer Wegstrecke weist rechts eine Tafel darauf hin, daß Buchenwald im Elbsandsteingebirge immer ein Zeichen für einen Basaltdurchbruch ist. Außerdem kann man lesen, daß unweit von hier sich einst der sagenhafte Ort Burghardsdorf (mundartl. Budersdorf) befand, der schon im Mittelalter wüst wurde.

An der folgenden Wegkreuzung Purkaticky les (Budersdorfer Wald) zweigt links ein gelb markierter Weg in Richtung na Tokani (Balzhütte) ab. Wir folgen weiter den roten und grünen Zeichen.

Nach etwa 15 Minuten zweigt nach rechts ein kurzer Pfad zur Aussicht auf der Vileminina süena (Wilhelniinenwand) ab. Diese wurde im letzten Jahrhundert nach der Fürstin Wilhelmine Kinsky benannt, vorher hieß sie "Schwarze Wand". Einige Spuren im Fels zeugen noch von der früheren Schutzhütte.

Weitere 5 Minuten Fußweg, zuletzt steil bergab, führen zu einem großen halbkreisförmigen Felsüberhang, der Balzerovo lezeni (Balzers Lager) genannt wird. Der Name deutet darauf hin, daß der Platz im Mittelalter von Jägern genutzt wurde. Aus dieser Zeit stammt eine alte, wieder aufgefrischte Inschrift am Fels "Anno 1632 am Tage S. Johannis Seind dagelegen G.M.V - MY - J.F.G A.N. S.W." Diese Inschrift gab Anlaß zu der Sage, daß hier schwedische Soldaten unter Führung eines gewissen Balzer gelagert haben sollen. Aus dem Jahr 1856 stammt der rußgeschwärzte, schlecht lesbare Spruch: "Wer ist Meister? Der was ersann. Wer ist Gesell? Der was kann. Wer ist Lehrbursch? Jedermann." Einst konnten die Besucher diesen Spruch von den Bänken einer Sommerwirtschaft unter dem Felsendach lesen.

Etwa 7 Minuten weiter zweigt rechterhand ein Weg zu einem weiteren Aussichtspunkt, dem Marüna skäla (Marienfels) ab. Oben befindet sich eine massive Schutzhütte. Einst hieß der Fels "Großer Spitzgestein", später wurde er nach der Fürstin Marie Kinsky benannt.

Steil bergab führt uns nun der Weg dem Dorf Jdichovice (Dittersbach) entgegen. Auch Dittersbach wird schon 1387 erstmalig schriftlich erwähnt, vermutlich handelt es sich um eine Gründung deutscher Kolonisten unter Führung eines Dietrich (Dieterichsbach). Anfang August 1778 wird der Ort von den Preußen geplündert, im Septemberl 779 besucht Kaiser Franz-Josef 11. auf einer Reise durch Nordböhmen auch Dittersbach.

Ein Schmuckstück des Ortes ist die 1788-91 in der heutigen Form erbaute, frisch restaurierte Kirche St. Johann Nepomuk, die im Herbst 1993 neu geweiht wurde. Einige Gasthäuser im Ort laden zu einer Mittagsrast ein.

Weiter geht es dann in westlicher Richtung zunächst die Dorfstraße abwärts. Einige schöne alte Häuser und rechterhand ein altes Kreuz fallen auf. Kurz vor dem Dorfende biegt der nun gelb markierte Wanderweg nach links in ein Wiesengelände ab, ein kleiner Teich bleibt zur rechten. Am letzten Haus, der ehemaligen Rößlermühle, ist der Mühlgraben noch deutlich zu erkennen.

Im Felsental der Jetrichoviece Jela (Große Biele oder Bielebach) folgen wir dem Bachlauf abwärts. Das kühle, feuchte Schluchtklima läßt Pflanzen und Bäume gedeihen, die sonst nur in höheren Mittelgebirgslagen vorkommen.

Vorbei geht es an einer mit Holz gefaßten Quelle (darüber die Jahreszahl 1772), bis wir nach etwa 30 Minuten das Tal der Kamenice (Kamnitz) erreichen, wo wir auf einen blau markierten Wanderweg stoßen. Gegenüber befindet sich das Felsmassiv des "Kleinen Oybin".

Bachabwärts benutzen wir nun den blauen Weg, der nach wenigen Metern auf Treppenstufen etwa 10 - 15 Meter den Felshang emporführt. Dort geht es weiter auf einem Felsband entlang und wenig später wieder zum Bachufer hinunter. Auf einem Holzsteg können wir über die Reste des Mühlenwehrs zur malerisch gelegenen Ruine der Dolsky' Mlyn (Grundmühle) hinüberlaufen.

Wer nicht schwindelfrei ist, kann das Felsband auch umgehen. Dazu muß der blau markierte Weg bis zur steinernen Grundbrücke kurz bachaufwärts gelaufen werden. Auf dieser wird der Kamnitzbach überquert (stromauf befindet sich die Ferdinandsklamm). An der Kralovsky smrk (Königsfichte) vorbei umlaufen wir nun bogenförmig im Uhrzeigersinn das Massiv des "Kleinen Oybin", bis wir auf die Ruine der Grundmühle stoßen.

Viele hundert Jahre wurde an diesem Ort Getreide gemahlen. Der älteste schriftliche Beleg für die Existenz der Grundmühle stammt aus dem Jahr 1515. Der Türsturz des Gebäudes trägt die Jahreszahl 1727, damals wurde die Mühle neu gebaut. Seit 1881 war die Grundmühle Endstation der Kahnfahrt von Srbskä Kamenice (Windischkamnitz) durch die Ferdinandsklamm, die Mühle selbst entwickelte sich zu einer vielbesuchten Gastwirtschaft. Nach 1945 blieb die Mühle verlassen und verkam zur Ruine. Im Inneren kann man noch die technischen Überreste des Mahlwerkes sehen. Auch die Fundamente der Nebengebäude sind unter teilweise dichtem Bewuchs auszumachen.

Um zum Ausgangspunkt unserer Rundwanderung zurückzukehren, laufen wir zunächst wenige Meter entlang der Kamnitz bachabwärts, bis wir den blauen Wegmarken nach rechts in einen Felsengrund steil nach oben folgen.

Oben am Waldrand erblicken wir den verfallenen Friedhof des Dorfes Vysoka Lipa (Hohenleipa). Zwischen einigen Häusern hindurchlaufend, erreichen wir am Gasthaus "Heler" (früher "Glücksburg") die Straße Hrensko (Herrnskretschen) Jetrichovice (Dittersbach).

Hier verlassen wir die blaue Markierung und laufen geradeaus in nördlicher Richtung noch etwa 10 Minuten die Straße bergab, bis wir den Parkplatz erreichen, an dem wir die Wanderung begonnnen haben.

Zur Orientierung können die Wanderkarten "Böhmische Schweiz - 1:40000" von Rolf Böhm und die grüne Wanderkarte "Ceskosaske Svycarsko A Sluknovsko 1:50000 Deutsche Ausgabe" aus der Edice Klubu Ceskych Turistu (Edition des Tschechischen Touristenklubs, nur in der Tschechischen Republik erhältlich) empfohlen werden.

Cornelius Zippe


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