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Nationalpark-Zentrum Hohnstein

Nationalpark-Zentrum Hohnstein - Drei der vier Hauptzufahrten würden durch die Nationalpark-Kernzone führen

Sechsköpfige Beratergruppe entschied sich für Hohnstein

Naturschutzverbände sind gegen den Standort Hohnstein und für die Prüfung anderer Varianten

Die Sächsische Schweiz soll wie andere Nationalparks ein Nationalpark-Zentrum bekommen. An diesem Ort soll der Gast etwas über das geschützte Gebiet erfahren, es wird Ausstellungen und Veranstaltungen geben, und auch der Sitz der Nationalparkverwaltung ist dort geplant.

Nachdem das ehemalige Kino in Bad Schandau bis zum Sommer 1993 als günstigster Standort favorisiert wurde, sollte im September eine nochmalige Überprüfung weiterer Standorte vorgenommen werden. Dies waren das Schloß Struppen, das Schloß Lohmen, die Burg Hohnstein und die Endlerkuppe Ottendorf.

Zu diesem Zweck wurde eine Beratergruppe berufen, die sich am Abend des 13.September 1993 (Montag) erstmalig traf, um am darauffolgenden Tag, dem 14. September, die fünf Objekte in Augenschein zu nehmen. Am Vormittag des Mittwochs erfolgte dann die Abschlußbeurteilung.

Der Beratergruppe gehörten folgende Personen an: Herr Bäuml von der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, Herr Kubasch als Naturschutzbeauftragter für den Regierungsbezirk Dresden, Herr E. Brährnig als Vorsitzender des Fremdenverkehrsverbandes Sächsische Schweiz, Herr Albrecht vom Planungsbüro Albrecht und Partner, Herr Dr. Schubert vom Institut für Straßentransport- und Personenverkehr GmbH (ISUP) Dresden und Frau Dr. Windelband vom Regierungspräsidium Dresden (Referentin für Denkmalschutz).

Die Gutachter kamen zu folgendem Ergebnis, festgehalten in der Abschlußbeurteilung: -..Alle fünf Objekte sind nur bedingt geeignet. Bei den Objekten in Bad Schandau und Lohmen überwiegen hinsichtlich der Funktionalität und der Wirtschaftlichkeit deutlich die Nachteile, sie sind nicht geeignet. Das Schloß Struppen erscheint als NationalparkZentrum bedingt geeignet, als Sitz der Nationalparkverwaltung jedoch ungeeignet." Die Burg Hohnstein wird von den Gutachtern als beste Variante eingeschätzt, trotz der schlechten Verkehrsanbindung. Nur wenn sich Hohnstein als absolut ungeeignet erweist, sollte eine nochmalige Prüfung möglicher Objekte erfolgen, so die Gutachtergruppe.

"Die anerkannten Naturschutzverbände wurden bei der Entscheidungsfindung überhaupt nicht beteiligt oder konsultiert", äußerte Dr. Albrecht Sturm, "Hohnstein hat eine sehr schlechte Verkehrsanbindung und liegt unmittelbar an der Nationalpark-Kernzone. Drei der vier Hauptzufahrten führen durch die Kernzone. Aus diesem Grund ist der Standort Hohnstein ungeeignet, und wir fordern eine nochmalige detaillierte Prüfung anderer Standorte. Dies haben die Vertreter der Naturschutzverbände, die an den regelmäßigen Treffen mit der Nationalparkverwaltung teilnehmen, in einem Schreiben an Umweltminister Vaatz zum Ausdruck gebracht."

Hauptkritikpunkt der Naturschutzverbände sind die Zufahrten zum zukünftigen Zentrum. Die Straßen von Dresden, Pirna und Bad Schandau führen durch die Kernzone (Polenztal, Tiefer Grund) des Nationalparks, nur die Zufahrt von Sebnitz nicht (siehe auch die Skizze S.4). Der übergroße Teil der Besucher kommt von Dresden, von Pirna, von der Bastei, von Bad Schandau oder Königstein. Wieviele Besucher kommen werden, kann vorerst nur geschätzt werden. Im Bayerischen Wald kommen jährlich 270.000 Besucher in das Zentrum. Würde nur jeder 10. Besucher der Sächsischen Schweiz das zukünftige Nationalpark-Zentrum aufsuchen, wäre dieselbe Zahl erreicht. Fast alle Gäste müßten den Weg nüt dem Auto durch die Nationalpark-Kernzone nehmen.

Die Stadt Bad Schandau hofft noch immer auf eine Rückkehr zu dem bis zum o.g. Tag des Gutachtens im September 1993 favorisierten Standort im ehemaligen Kino. Die Zustimmung zur Umnutzung in eine "Spielhölle" hat Bad Schandau bisher nicht gegeben, so daß ein Kauf des Objekts durch die Öffentliche Hand noch möglich wäre.

Für den Leiter der Nationalparkverwaltung, Dr. Jürgen Stein, scheint indes die Entscheidung für Hohnstein schon endgültig festzustehen, wie u.a. im Pressegespräch im Januar 1994 zu erfahren war: "In engem Zusammenwirken mit Behörden und Politikern auf Kommunal- und Landesebene sollen weitere Vorbereitungen für eine teilweise Nutzung der Burg Hohnstein als Nationalparkhaus getroffen werden."



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