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Waldschäden im Elbsandsteingebirge

Das Elbsandsteingebiet gehört zu den interessantesten und schönsten Landschaften Deutschlands. Seit der "Entdekkung " am Beginn des 19.Jahrhunderts durch die Romantiker zählt es zu den bevorzugtesten Erholungsgebieten. Es ist daher verständlich, daß immer weitere Kreise der Bevölkerung mit wachsender Sorge die Veränderungen in der Struktur und im Vitalitätszustand der Wälder in diesem Gebiet beobachten.

Seit 1991 gibt der Waldschadensbericht Auskunft über den Zustand der sächsischen Wälder Medien melden steigende Schadprozente. Der Waldschadensbericht des Landes aber kann keine detaillierten Auskünfte über kleinere Territorien geben. Daher widmet sich dieser Beitrag dem Zustand des Waldes im Elbsandsteingebiet. Es wird versucht, den Beginn, die Ursachen, den Verlauf, die Verfahren der Schadenserhebung und die forstlichen Möglichkeiten der Schadminderung aufzuzeigen.

Charakteristik des Territoriums

Der westelbische Teil des Elbsandsteingebietes wird begrenzt durch den Elblauf bis Heidenau im Nordosten, der Staatsgrenze im Süden und dem Müglitztal im Westen. Die Waldfläche beträgt ca. 16.300 ha, davon sind ca. 70% mit Nadelbaumarten (51% Fichte, 19% Kiefer) bestockt.

Der größere östliche Teil gehört zum Wuchsgebiet Elbsandsteingebiet, im westlichen Teil etwa ab Gottleuba-TalsperTeBahratal schließen Ausläufer des Wuchsgebietes Erzgebirge an. Die Höhenlage erstreckt sich zwischen 180 - 600 in ü.NN.

Infolge des stark gegliederten Reliefs reichen die Niederschlagsmittel von >700 - 850 mm/Jahr. Die Jahresmittel der Temperaturen schwanken zwischen 6,9 - 9,0'C

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Beginn und Ursachen der Schädigung

Seit etwa 1954 beobachtet man im grenznahen Raum des westelbischen Elbsandsteingebietes an den Nadelbaumarten Fichte und Kiefer einen Rückgang der Vitalität, verstärkten Dürrholzanfall und Nadelverluste. Die Absterbeerscheinungen zeigten sich zunächst an älteren Beständen (etwa ab Alter 60 Jahre), griffen aber sehr bald auf jüngere Bestände über, so daß in den Folgejahren eine flächenmäßige Ausbreitung geschädigter Waldbestände deutlich wurde.

Die Ursachenforschung legte sehr bald den kausalen Zusammenhang mit den Emissionen aus den benachbarten Industriegebieten des westböhmischen Beckens um Üstf nad Labem/Lovosice offen, zumal eine Vorherrschaft der Süd-, Südost- und Südwestwinde allgemein bekannt war.

Die Wirkung der aus Richtung Böhmen offenen Bachtäler von Gottleuba, Bahra und Biela als zusätzliche Rauchkanäle wurde erkannt.

Teilweise werden im Einflußbereich auch Ernissionen aus dem Industriegebiet Pirna/Heidenau wirksam. Die Immissionsschäden an den Nadelbäumen entstehen vorwiegend durch den SO 2-Ausstoß der Kraftwerke und Heizungsanlagen auf Braunkohlenbasis.

Natürlich spielt eine Vielzahl anderer Einflußgrößen eine wesentliche Rolle, wobei vor allem Frost, Trockenheit, Wind, Nährstoffmangel und biotische Schädlinge zu nennen sind.

Der Grad der Schädigung ist abhängig von der Schadgaskonzentration und der Dauer ihrer Einwirkung. Auch ist die Rauchempfindlichkeit der Bäume unterschiedlich, so daß man zwischen rauchgefährdeten und rauchtoleranteren Baumarten unterscheidet.

Verfahrensweise bei der Schadbonitierung

Seit 1965 beschäftigt sich die forstliche Praxis und Wissenschaft intensiv mit der Kontrolle des Schadfortganges.

1972 wurde eine Arbeitsgemeinschaft"Bewirtschaftung des Rauchschadgebietes Oberes Erzgebirge/Sächsische Schweiz" gegründet, die sich speziell mit der Schadensforschung in diesen Gebieten befaßte.

Diese Arbeitsgemeinschaft veröffentlichte 1973 eine Richtlinie, die die Kriterien einer einheitlichen Schadenserhebung in den betroffenen Gebieten festlegte und Vorschläge für eine Sonderbewirtschaftung unterbreitete.

Auf dieser Grundlage konnte eine kontinuierliche Beobachtung und Beurteilung des Schadausmaßes erfolgen, die etwa aller 5 Jahre durchgeführt wurde.

Die seit 1973 übliche Beurteilung des Vitalitätszustandes geschädigter Fichten- und Kiefernbestände bediente sich der Kriterien der Schadstufe und der Schadzone.

Anfangs wurde in einem terrestrischen Arbeitsgang, ab 1979 durch Auswertung von Luftbildern, die Schadstufe der Hauptbaumarten bestandsweise ab Alter 20 Jahre ermittelt.

Die Schätzung fußte auf der Erfassung des prozentualen Anteiles stark geschädigter Bäume in der Bestandeseinheit.

Die Schadstufe charakterisiert somit den aktuellen Schadzustand, der sich mit zunehmender oder abnehmender Immissionsdauer oder - intensität verändert.

Um einen Überblick über die flächenmäßige Ausdehnung der Schäden zu gewinnen, wurde in den Immissionsschadzonen eine Abgrenzung geschädigter Gebiete verschiedener Intensität geschaffen.

Als Hauptkriterien für die Schadzonen wurden neben Immissionskonzentration und -dauer der über 60jährige Fichtenbestand (als repräsentative Baumart) herangezogen.

Schadzonendarstellung und Schadfortschritt seit 1967

Das westelbische Gebiet wurde nach oben dargestellter Verfahrensweise fünfmal bearbeitet. 1967 wurden noch keine Schadzonen gebildet, sondern nur Schadstufen erhoben. Das Ergebnis dieser ersten Erhebung weist 41,6 % gesunde, 22,4 % leicht geschädigte, 28,6 % mittelstark geschädigte und 7,4 % absterbende Bestände aus.

Die Festlegung der Schadzonen der Jahre 1974, 1979, 1983 und 1989 werden in Abb. 1 (s.u.) und in den farbigen Karten auf S.24 aufgezeigt.

Der Schadfortschritt im Zeitraum von 15 Jahren ist durch die ständige Vergrößerung der Schadzone I + II, der Neubildung einer Schadzone 1 extrem und resultierend daraus, der Verkleinerung der weniger geschädigten Schadzone 111 eindeutig nachgewiesen.

In den 1989 festgelegten Rauchschadzonen 1 extrem und 1 sind 25,7 % der Bestände jünger als 20 Jahre. Schätzungsweise unterlagen etwa 10 % der Vorgängerbestände einer vorzeitigen Nutzung infolge Absterbeerscheinungen durch Inunissionen.

Waldzustandserfassung nach EG - Methode

Seit 1991 wird der Zustand der sächsischen Wälder nach einer seit 1983 EG-weit angewandten statistischen Methode erfaßt.

Das Aufnahmeverfahren beurteilt an den festgelegten Stichprobepunktenjeweils 24 systematisch ausgewählte und markierte Bäume aller Baumarten nach vorgegebenen Kriterien, soweit sie eine Höhe von 60 cm erreicht haben.

Neben forstlich interessierenden Parametem wie Schädlingsbefall, abiotischen Schäden, Frost, Wildschäden, Windbruch und Fruktifikation gehen als wichtigste Kriterien derB enadlungs-/Belaubungsgrad, d.h. der Nadel-/Blattverlust im Vergleich zum gesunden Baum und die Verfärbung der Nadeln/Blätter, beides geschätzt in 5 % - Stufen, in die Beurteilung ein.

Im Wuchsgebiet "Elbsandsteingebiet" wurden im Sommer 1991 im 4*4 km - Raster 16 Probepunkte angelegt, 9 entfallen auf den westelbischenTeil. In dem in die Untersuchungen einbezogenen Teil des Wuchsgebietes"Erzgebirge" wurden 2 Punkte markiert. Die Auswertung erfolgte 1991 im 4*4 km Raster, 1992 im 2*4 km Raster und 1993 im 8*4 km Raster.

Der Waldschadensbericht 1992 des Freistaates Sachsen zeigt die durchschnittliche Schadensverteilung der über 60jährigen Fichten, wobei die Schädigung derer im (südlichen) westelbischen Teil des Elbsandsteingebirges wesentlich höher als im gesamten Sachsen ist ( siehe obige Abb. 2).

Forstliche Möglichkeiten der Schadminderung

Die Wiederbewaldung und der Umbau der rauchgeschädigten Wälder zählt zu den vorrangigsten Aufgaben der Forstwirtschaft. Schon in der 1973 veröffentlichten Richtlinie zur Bewirtschaftung immissionsgeschädigter Wälder wird das Ziel genannt, den Wald mit seinen produktiven und landeskulturellen Leistungen zu erhalten und die Voraussetzungen für die Begründung einer neuen Waldgeneration nach Abklingen der Immissionen zu schaffen.

Zur Rettung unserer Wälder ist eine grundlegende Reduzierung der Emissionen vonnöten. Die ersten Schritte in dieser Richtung sind getan.

Eine Arbeitsgemeinschaft mit Vertretern der Bundesrepublik und der Tschechischen Republik beschäftigt sich mit den Möglichkeiten der Installation von Abgasreinigungsanlagen in den nordböhmischen Kraftwerken. Als Termin wird von tschechischer Seite das Jahr 1998 genannt. 190 Milliarden Kronen wurden veranschlagt. Die Frage der Finanzierung kann nur über die EG gesteuert werden.

Ein sichtbarer Erfolg in unseren Wäldern aber wird sich erst nach der Jahrtausendwende zeigen. Forstliche Maßnahmen können nur in geringem Umfang für eine Schadminderung wirksam werden. Durch das Belassen abgestorbener und absterbender Bestandesteile werden klimatische Faktoren wie Windeinwirkung, starke Besonnung und Frosteinwirkung verringert. Auf diese Weise werden günstigere Bedingungen für die Verjüngung und die Begründung neuer Kulturen geschaffen.

Die anhaltenden Immissionen führten durch Schadstoffeinträge zu Veränderungen in der Struktur der Böden. Umfangreiche Bodenuntersuchungen sind erfolgt. Der Versauerung der Böden begegnet man durch großflächige Kalkung. Im westelbischen Gebiet sind bis 1990 etwa 730 ha gekalkt worden. Der heranwachsenden Baumgeneration wird auf diese Weise eine Starthilfe gegeben.

Gezielte Waldrandgestaltung, das Dichthalten der Waldränder und die Anlage von Schutzstreifen mit schnellwachsenden Baumarten in windexponierten Lagen ist ein weiteres Mittel zur Bremsung des rasanten Schadfortschrittes. Die Wiederaufforstung der entwaldeten Gebiete mit rauchtoleranteren ausländischen Baumarten, von denen die Stechfichten, die Lärchenarten, Omorikafichten und Murraykiefern zu nennen sind, wurde in der Vergangenheit großflächig praktizie

rt.

Auf 85,5 % (ca. 950 ha) der in den letzten 20 Jahren wiederaufgeforsteten Fläche der Schadzonen 1 extrem und 1 im westelbischen Gebiet wurden Laubbaumarten und oben erwähnte Umwandlungsbaumarten eingebracht.

Diese heranwachsenden Bestockungen haben teils, ebenso wie natürliche Ebereschen- und Birkengruppen, Vorwaldcharakter. Unter deren Schirm soll die neue, naturnahe, ursprüngliche Bewaldung des Elbsandsteingebietes wieder heranwachsen. Naturnahe, unter Beachtung der standörtlichen Gegebenheiten aus verschiedenen Baumarten bestehende, mehrschichtige Bestände sind die Voraussetzung für die Stabilität unserer Wälder. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Dieser Beitrag kann die Sorgen um den Erhalt des Waldes im Elbsandsteingebiet nicht nehmen, aber vielleicht trägt das Wissen um diese Problematik dazu bei, den Umgang mit der Umwelt und die eigene Handlungsweise zu überdenken. In diesem Sinne sollte das Engagement des Bergsteigerbundes gewürdigt werden.

Landesamt für Forsten Graupa, Abt. Waldschutz

Literatur:

Waldschadensberichte der LAF der Jahre 1991, 1992 1993

Waldschadensgutachten der Abt. Waldschadenserhebung im VEB Forstprojektierung derJahre 1967, 1974,1979, 1986



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