SSI-??? Startseite SSI

Wirkungsweise von Schwefeldioxyd auf Waldökosysteme

Untersuchungen und Schadstoffmessungen in der südlichen Sächsischen Schweiz

Tharandter Wissenschaftler vertreten die Ansicht, daß eine Vielzahl klimatischer Faktoren betrachtet werden müssen, um SO2-Grenzwerte festzulegen.

Ein am Institut für Pflanzenchemie in Tharandt auf der Grundlage der periodischen ganzflächigen Luftbildinterpretation entwickeltes "Wirkungsmodell" für Fichte unter SO2/-Einfluß in den sächsischen Mittelgebirgen erlaubt Aussagen zu den Einflußfaktoren und gestattet mittelfristige Prognosen des Schadfortschrittes. Neben der SO2-Konzentration und der Dauer der Immisionsbelastung, der Schadstoffdosis, beeinflußt als klimatischer Schlüsselfaktor die Windgeschwindigkeit das Schadgeschehen entscheidend. Die Kombination "Schadstoffdosis mal Windgeschwindigkeit" wird in der Forstwirtschaft als Immissionsfluß bezeichnet.

Das bedeutet, daß in Gebieten mit starker Windbelastung die Waldschädigung höher liegt als in vergleichbaren Waldgebieten mit geringen Windgeschwindigkeiten (bei gleicher SO2-Dosis). Die Windgeschwindigkeit steigt mit der Höhe über dem Meeresspiegel und windexponierter Geländeausbildung (Talgrund - Talkuppe; Nordhang - Westhang ).

Auch der Windschutz im Walde selbst reduziert die Strömungsgeschwindigkeit, so daß ältere, höhere Fichtenbestände höheren Werten des "lmmissionsflusses" unterliegen als nachgelagerte jüngere Bestockungen, und auch so die höheren Bestände stärker geschädigt werden.

So treten erste sichtbare Kronenschädigungen der Fichte z.B. nach 20jähriger SO2-Belastung für Windgeschwindigkeiten in Kammlagen (wie Kahleberg) bereits bei SO2 Jahresdurchschnittswerten von 0,04 mg SO2 /m³ Luft auf. Für typische Windgeschwindigkeiten in Tallagen und geschütztem Bestand gilt der höhere Grenzwert von 0,055 mg SO2/m³ Luft.

Ergänzend sei betont, daß der Stoffwechsel der Pflanze bereits vor Erreichung o.g. Grenzwerte negativ beeinflußt wird, sogenannte "unsichtbare" Schädigungen, die u.a. Wachstum, Widerstandsfähigkeit gegen Forstschädlinge mindern.

Die Standorte Liebenau, Rosenthal, Taubenbach und Zschirnsteingebiet weisen 1993 eine mittlere SO2- Belastung für das Sommerhalbjahr (Mai - September) von 0,04 bis 0,06 mg SO2 /m³ auf. Da das Verhältnis Heiz- zu Nichtheizperiode etwa 2 :1 beträgt, liegen die SO2-Jahresmittelwerte genannter Standorte entsprechend höher und überschreiten die genannten Grenzwerte beträchtlich.

Auch im übrigen Gebiet der Sächsischen Schweiz (Nationalparkteite, d.Red.) sind SO2-Belastungen nachweisbar, die die Schwellenwerte für chronische Schädigungen z.B. derFichte erreichen und überschreiten.

Über Ergebnisse unserer Untersuchungen zur Immissionsbelastung in der Sächsischen Schweiz berichten wir ausführlicher im folgenden Heft Nr. 9

Dr. Reuter Technische Universität Dresden
Institut für Pflanzen- und Holzchemie, Tharandt


[nach oben]