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Die Waldsituation im Isergebirge

Nicht nur die Wälder der Sächsischen Schweiz oder des Erzgebirges sind sehr stark mit Schadstoffen belastet, sondern auch das vielen Wanderern oder Skifahrern bekannte Isergebirge bei Liberec. Große Teile des Waldes in den Kammlagen sind nicht mehr existent, doch sogar dort und besonders an den Abhängen haben sich natürliche Bestände erhalten. Gemeinsam bemühen sich tschechische und deutsche Forstexperten und Naturschützer im Rahmen der Euroregion Neiße um ein Überleben des Waldes und eine Wiederansiedlung naturnaher Bestände.

Das Isergebirge, ein vielbesuchtes und ehemals fast vollständig mit Wald bedecktes Mittelgebirge, erstreckt sich beiderseits der polnisch-tschechischen Grenze. Es schließt im Westen an das Lausitzer Gebirge an und geht im Osten nahtlos ins Riesengebirge über.

Die Waldfläche betrug ehemals 260 km2. Die granitischen Gebirgskämme erreichen Höhen von über 1100 m. Darin befinden sich einzelne basaltische Durchbrüche. Der Buchberg ist mit 1005 m gleichzeitig der höchste Basaltkegel Mitteleuropas. Durch die beachtlichen Niederschläge von durchschnittlich 1600 mm/Jahr bilden sich Moore und viele Bäche in diesen Bergen, woraus so bekannte Flüsse wie die Iser und die Neiße entstehen.

Bereits 1967 wurde das Isergebirge zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Im Schutzgebiet liegen 22 Naturschutzgebiete, solche Kleinode sind die Laubwaldhänge auf Basalt und die Moore auf dem Isergebirgskamm.

Durch das rauhe, kühlfeuchte Klima mit einer mittleren Jahresdurchschnittstemperatur von 4 bis 5°C wird nur eine Vegetationszeit von 120 Tagen erreicht. In diesem Gebirge befinden sich unikate flächenrepräsentative Naturökosysteme ausgedehnter Buchenwälder und Torfmoore mit Kniehölzern neben riesigen Flächen zerstörter Forstgemeinschaften. Das Isergebirge wird deshalb ökologisch gesehen als eines der kontrastreichsten Gebiete in Mitteleuropa bezeichnet.

Als Hauptursache für diese gigantische Waldzerstörung wirkt, wie in deutschen Wäldern auch, der Einfluß von Luftschadstoffen aus der Verbrennung fossiler Energieträger. Dabei sind die deutsche und polnische Seite in erheblichem Maße beteiligt. Messungen ergaben Einträge von bis zu 500 kg SO 2 pro Jahr und Hektar und bis zu 115 kg NOx pro Jahr und Hektar. Demgegenüber steht eine ökologisch unangepaßte Forstwirtschaft.

Im 19. und 20. Jahrhundert wurden auch hier die artenreichen standortgerechten und autochthonen Waldgerneinschaften im Sinne der Reinertragslehre in instabile Fichtenmonokulturen ausländischer Herkünfte umgewandelt.

Mit dem verstärkten Absterben der Fichtenforste im letzten Jahrzehnt kam es gleichzeitig zu den bekannten Massenvermehrungen von Borkenkäfern. Um die Holzmasse der absterbenden Bäume zu nutzen und die Borkenkäferentwicklung zu bremsen, wurde rigoros eine großflächige Abholzung betrieben. Diese führte in kurzer Zeit allein auf der tschechischen Seite zu einer auf 60 km2 ausgedehnten zusammenhängenden waldlosen oder mit Nadelbäumen aufgeforsteten Fläche.

Diese Aufforstungen wurden fast vollständig mit Gemeiner Fichte nichtautochthoner Herkünfte oder mit Stechfichte vorgenommen. Auf dieser Fläche ist die Integrität der Waldökosysteme mit ihren vielfältigen Lebensformen von Tieren und Pflanzen auf lange Sicht zerstört. Dabei besteht das Risiko langfristig waldloser Flächen.

Neben der Minderung der Immissionsbelastung und der Erneuerung möglichst natumaher Waldgemeinschaften ist die Rettung und besonders nachhaltige Nutzung der autochthonen Population der Gehölze dringendstes Gebot.

Mit dieser Problematik beschäftigen sich mehrere Institutionen, besonders die Naturschutzverwaltung des Isergebirges, eine neugegründete Stiftung zur Rettung und Erneuerung des Isergebirgswaldes und eine internationale Arbeitsgruppe im Rahmen der Euroregion Neiße. Mitglieder der Stiftung sind Wissenschaftler, Unternehmer, Künstler, ökologische Fachleute, aber auch die bisherigen Umweltminister der Tschechischen Republik. Durch die Arbeitsgruppe der Euroregion Neiße soll fachliche, aber auch finanzielle Unterstützung aller Initiativen auf polnischer und tschechischer Seite erreicht werden

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Das Isergebirge ist auch für Deutschland seit jeher ein beliebtes Tourismusgebiet, und wir sind auch mitverantwortlich am Waldzustand dieses Gebirges. Deshalb soll durch private Spenden und staatliche Zuwendungen aus Sachsen auch künftig die anspruchsvolle Aufgabe zur Rettung und zum Wiederaufbau der Isergebirgswälder aus Deutschland unterstützt werden. In einem nächsten Beitrag soll die Möglichkeit der finanziellen Unterstützung von deutscher Seite aus näher vorgestellt werden.

Schutz und Erneuerung der Systeme der ökologischen Stabilität sind Hauptbestandteile der Strategie der gesamten Revitalisation der Landschaft. Die ökologische Umwandlung und die Pflege der bisher angelegten Forstgemeinschaften zeigen sich als sehr kompliziert. In den nachstehenden Skizzen wird dargestellt, wie von bestehenden oder neu zu schaffenden Inseln aus ein flächiges ökologisches System aufgebaut werden soll.

Mitglieder der Arbeitsgruppe "Waldökologie"
Dr. Frantisek Pelc Günter Geyer


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