SSI-??? Startseite SSI

Katastrophale Planungsfehler in den A 13-Planungen

Im Freiberger Korridor gehen Brücken über Bergkuppen

Vier Trassen einer zukünftigen Autobahn Sachsen-Prag wurden im letzten Jahr vorn Büro Schüßler-Plan im Auftrag des Sächsischen Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit (SMWA) überprüft. Neben Freiberg (Trasse 100) und der stadtnahen Trasse (441) standen noch das "Sachsenknie" (331 - Freital/Kreischa) sowie die Trasse 200 (Dippoldiswalde/Glashütte) zur Auswahl.

Im März 1993 wurde durch das Kabinett die Trasse "Sachsenknie" favorisiert. Doch der massive Protest im Frühjahr 1993 aus den Gemeinden an dieser Trasse, wie z.B. Freital oder Kreischa, ließ befürchten, daß viele der Kommunen vor dem Bundesverwaltungsgericht klagen werden. Da erschien es den Planern wohl doch günstiger, lieber wieder auf die stadtnahe Trasse umzuschwenken, denn bei dieser Trasse gäbe es nur einen einzigen Kläger mit Gewicht, die Stadt Dresden. Oder gar keinen, falls die Stadtverordneten nicht gegen die Linie 441 stimmen. Diese Hoffnung erfüllte sich durch den Beschluß vom Oktober 1993 vorerst noch nicht. Insbesondere die zu erwartenden Kosten bereiteten großes Kopfzerbrechen. Die A 13 steht mit nur 625 Mio. DM im Bundesverkehrswegeplan. Und die stadtnahe Trasse wird sehr teuer, so teuer, daß z.B. eine Trasse im Freiberger Raum deutlich billiger wäre. Hier half das Büro Schüßler-Plan etwas nach. Denn die Anzahl schwerwiegender Planungsfehler bei der Trasse Freiberg ist wahrlich beeindruckend: So geht z.B. die Brücke 3 mit 220m Länge und 22m Höhe über eine Bergkuppe; weit und breit ist kein Tal vorhanden. Die Brücke 4 ist 1,4 km lang; ein so breites Tal ist beim besten Willen nicht zu finden. Max. Länge der Brücke ca. 300m.

Der Turmberg bei Frauenstein, durch den Schüßler-Plan einen ca. 50 Mio. DM teuren 500mTunnel plant, könnte bequem in 100m Entfernung umfahren werden. - Statt auf der Höhe zu verlaufen, quert die Trasse von Schüßler-Plan bei Oberbobritsch die Hänge, wodurch Brücken gebraucht werden und die Siedlung durch Ernissionen und Lärm stark beeinträchtigt wird. - Den beiden Brücken nördlich von Frauenstein fehlt jeglicher Bezug zum Gelände (!), auch sie gehen über Berge. - Nicht zuletzt wurde der Tunnel durch das Erzgebirge so lang wie nur irgendwie möglich angesetzt. Die Regionale Planungsstelle Chemnitz hat, auch beim Erzgebirgs-tunnel, völlig andere optimale Linienführungen ermittelt und all diese genannten Fehler dem Planungsbüro Schüßler-Plan mitgeteilt.

Während diese Ungereimtheiten der Trasse Freiberg sogar für jeden verkehrstechnischen Laien ersichtlich waren ' mußte man bei der Dresdner Trasse schon genauer hinschauen: Hier waren es ein Additionsfehler, der 600 m Brücke (entspricht 60 Mio. DM ) bei der Kostenrechnung unterschlug. Vor allem hatten die Planer zu niedrige Kostenpauschalen angesetzt und die Brücken zu kurz geplant, was anhand der erstellten Höhenund Trassenpläne erkannt wurde. Zufall oder Absicht, daß beim Korridor Dresden alles Fehler begangen wurden, die die Kosten verringern? Dagegen finden wir mit den längeren Brücken und unnötigen Tunneln beim Korridor Freiberg alles Fehler, die die Kosten steigern...

Die Fakten lassen wohl nur zwei Schlüsse zu: Inkompetenz des Planungsbüros SchüßlerPlan oder der Auftraggeber, das Wirtschaftsministerium, hat nur die Dresden-nahe Trasse politisch gewollt und die Planungen dahingehend beeinflußt. Letzteres dürfte der Wahrheit am nächsten kommen.

Eine weitere Ungereimtheit: Staatssekretär Münch vom SMWA erklärte im März 1994 im sächsischen Landtag, daß der Korridor Freiberg vor allem am Veto der Tschechen scheitern würde. Über die ablehnenden Gründe der Tschechen für die Trasse Freiberg gibt es allerdings überhaupt keine Informationen, auch nichts Schriftliches. Die lange Zeit als Hauptgrund genannten Mineral- bzw. Thermalquellen erwiesen sich nach genaueren Recherchen als geologisch viel tiefer gelegen. Es erscheint auch wenig wahrscheinlich, daß die Tschechen in Anbetracht der großen Wirtschaftsmacht Deutschland mit der Faust auf den Tisch schlagen und sagen: Mit uns geht nur ein Übergang im Bereich Hellendorf oder Breitenau! Was also wirklich auf dem Treffen der Staatssekretäre mit der tschechischen Seite am 11.3.1994 besprochen wurde, und wer von welcher Seite was gefordert hat, wird wohl ein Geheimnis bleiben...

Die größten Probleme bereitet den sächsischen Straßenplanern die Stellungnahme des Umweltministeriums und dessen umfangreicher Forderungskatalog (s. S.32). Er steigert die Kosten ins Unbezahlbare, ca. 2,5 Mrd. DM werden vom Netzwerk Autobahn geschätzt. Ist es das Ende der A 139 Insgesamt sei aber angemerkt, daß die Diskussion um die Trassen nicht etwa bedeuten soll, daß die A 13 überhaupt notwendig sei. Ein Schritt in die verkehrspolitisch falsche Richtung wäre ihr Bau, egal ob bei Freiberg oder Dresden, denken wir nur an die Beiträge zum Waldsterben in diesem Heft! So darf es sich z.B. nicht mehr rechnen lassen, Sande und Kiese aus Böhmen nach Sachsen und Mecklenburg (!) zu transportieren. Der verbleibende Schwerlastverkehr sollte über die rollende Landstraße abgewickelt werden. Ob dieses Projekt unter Minister Schommer nur ein wahltaktisches Manöver ist, ist ungewiß. Gewiß ist, daß mit dem von Minister Schommer geforderten Bau der A 13 das Ende der rollenden Landstraße besiegelt ist...



[nach oben]