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Schutz für den 'Turnerweg'!

An den Felsen der Sächsischen Schweiz finden sich häufig Spuren vergangener Zeiten. Eines der bedeutendsten Zeugnisse ist wohl die mittelalterliche Stufenreihe im "Turnerweg" des Falkensteins. Sie stammt aus der Zeit um 1400, als an der Nordseite des Berges eine kleine Burgwarte der Berken von der Duba stand, und ermöglichte den Aufstieg zu einem Beobachtungsposten auf dem Nordwestgipfel. Wiederentdeckt wurde sie 1892 von Oscar Schuster und Martin Klimmer. Diese hatten nach der Erstbegehung des "Schusterweges" den Abstieg über die Nordseite versucht: "Wir kamen hier nur bis zum letzten (untersten) Kamin, d.h. eigentlich nur mein Gefährte. Ich saß inzwischen in dem Loch oberhalb des dreiarmigen Kamins und hielt das Seil. Mein Gefährte meldete, daß der Ausstieg wahrscheinlich überhinge und nicht rätlich sei zu begehen, deshalb stiegen wir wieder zur Spitze empor. ... Die künstlichen Stufen, die sich jetzt im Turnerweg finden, etwas oberhalb des dreiarmigen Kamins, zwischen diesem und dem ,Breiten Sprung‘, entdeckten wir auf unserem Rückweg zum Gipfel. Sie lagen unter einer dichten Vegetationsdecke, die man abziehen konnte wie das englische Pflaster von einer Wunde. So wurde vor unseren erstaunten Augen plötzlich die ganze Stufenreihe sichtbar." *)

Bild 3

Seit damals betraten Hunderte von Bergsteigern die Stufen beim Abstieg nach einer Kletterei am Falkenstein. Einige Zahlen sollen die Belastung durch deren Füße zeigen: Hatten 1894 nur 57 Personen den Berg bestiegen, waren es 1920 bereits 1415. Im Jahre 1970 weist das Gipfelbuch 1829 Kletterer aus, 1990 sind es schon 3445. Ist es da nicht angebracht über den Schutz eines ehemaligen Zeugnisses des Mittelalters in unseren Bergen nachzudenken?

Sinnvoll wäre m.E. die Installation einer weiteren Ab- seilöse oberhalb der Stufen. Die neue Abseiltrasse über die Ostseite dürfte auf Grund der Ausgesetztheit nicht jedermanns Sache sein, und mancher, der den Falkenstein erstieg, hat danach noch die Zinne als Ziel. Auch eine Konservierung der Stufen mit Sandsteinverfestiger sollte von Fachleuten geprüft werden. Der Schutz müßte auch die Spuren am Wandfuß einbeziehen (Verlegung des jetzigen Zugangs zum "Turnerweg"?), und schließlich wäre die Beschilderung als Denkmal mit entsprechenden Erläuterungen sinnvoll. Und auch die Gedenktafel, die 1964 zum 100jährigen Jubiläum des sächsischen Bergsteigens am Einstieg angebracht wurde, könnte eine Renovierung vertragen. SBB, Nationalparkverwaltung und Denkmalschutz sollten sich zusammenfinden und Lösungen für den Erhalt dieser historischen Zeugnisse finden.

*) aus: Jahrbuch des Sächsischen Bergsteiger-Bundes, 1912/13



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