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40 Jahre LSG Sächsische Schweiz

im Heft 13 haben wir einen kurzen Rückblick auf den 4. Landschaftstag Sächsische Schweiz gegeben. In diesem Heft drucken wir nun einen der angekündigten Diskussionsbeiträge ab.

Diskussionsbeitrag zum Landschaftstag Sächsische Schweiz am 14. 9. 1996 in Pirna

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit meinem Beitrag vertrete ich den Bund Sächsische Schweiz. Zugleich spreche ich im Namen des Regionalverbandes Ostsachsen des BUND. Durch Gespräche und durch Briefe, die ich von Bürgern aus der Region erhalten habe, darf ich sagen, daß mein Vorbringen aber auch noch von anderen mitgetragen wird.

Was durch politisches Tun und durch Nichttun in der Sächsischen Schweiz geschieht, versetzt in große Sorge: Eine Reihe beabsichtigter, geplanter und schon gebauter Projekte widersprechen ökologisch-ökonomischer und regionalplanerischer Vernunft und sind in der Durchsetzungsmethode rechtlich-demokratisch fragwürdig (Leupoldishain, Lohmen, Struppen-Siedlung, Ostrau, Bielatal, Rathen). Die Ausgliederung von Landschaftsteilen aus dem Schutzgebiet ist nicht nur sinn- und rechtswidrig, sie ist auch sittenwidrig, ein Beitrag zum Werteverfall.

Wie vor der Wende höre ich, daß über die Sächsische Schweiz keine "Käseglocke" oder "ökologische Glocke" gestülpt werden darf. Doch nach allem, was wir über zukunftsfähige Entwicklung und dem untrennbaren Zusammenhang von Ökologie und Ökonomie wissen, ist gerade diese Vorstellung mit der "Käseglocke" verhängnisvoll falsch. Ich denke, daß es wichtig ist, zur Kenntnis zu nehmen, daß heute die ökologischen Grenzen der Rahmen sein müssen, innerhalb dessen Entwicklung ökonomie- und sozialverträglich zu gestalten ist.

So ist es möglich, die Sächsische Schweiz kompromißlos zu bewahren und zugleich ihre wirtschaftliche Vitalität nachhaltig zu sichern. Das bedeutet auch, daß auf diesem Weg mehr und stabilere Arbeitsplätze entstehen.

Dazu sind - und ich erinnere daran, weil den sog. "Naturschützern" immer wieder der unberechtigte Vorwurf gemacht wird, sie könnten nur kritisieren - also dazu sind von uns zahlreiche Vorschläge auf unterschiedlichen Ebenen gemacht worden: u. a. Grundsätze für eine nachhaltige Gesamtentwicklung; Rahmenkonzeption für die Verkehrsproblemlösung und verkehrspolitische Sofortmaßnahrnen, Radwegekonzeption und Vorschläge für Fahrradrouten; 9-Punkte-Prograrnm für eine zukunftsfähige Entwicklung der Sächsischen Schweiz-, Leitlinien für einen Sanften Tourismus.

Diesen Vorschlägen ist viel Ignoranz begegnet. Leider wurde auch das 'Aktionsprogramm Ländlicher Raum Sächsische Schweiz' des Sächsischen Staatsmininsteriums für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten, ein Programm mit einem sehr begrüßenswerten ganzheitlichen Ansatz, in wesentlichen Punkten nicht realisiert. Stattdessen sind viele hunderttausend Mark für unsinnige Konzepte auswärtiger Planungsbüros ausgegeben worden.

Die Situation in und die Aussichten für die Sächsische Schweiz sind also kritisch. Ich möchte trotzdem die Hoffnung nicht aufgeben und rufe die politischen Entscheidungsträger auf zur UMKEHR, zu einer WENDE. Nur mit einem qualifizierten Werte-, Umwelt- und Rechtsbewußtsein und mit dem Wissen um die Bedingungen einer nachhaltigen Entwicklung wird es eine gute Zukunft für Natur und Mensch in der Sächsischen Schweiz geben.

Peter Hildebrand, Bund Sächsische Schweiz


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