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Flächennaturdenkmale der Nationalparkregion Sächsische Schweiz (4)

Die Naßwiese in Buchenhain (Markersbach)

Wiesen und Weiden (Grünland) stellen in den mehr bergigen Gebieten der hinteren und linkselbischen Sächsischen Schweiz ein charakteristisches Landschaftselement (14,5 % der Gesamtfläche) dar. Dabei gilt es zu bedenken, daß wohl ein Großteil der heute existierenden Wiesen im wesentlichen das Produkt menschlicher Nutzung (Futtergewinnung) sind. Leider sind in den vergangenen Jahrzehnten fast alle Wiesen durch eine zu intensive und unsachgemäße Bewirtschaftung oder aber in neuerer Zeit durch die Lage der Bergwiese in Buchenhain (Klick zum Vergrößern) Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung in ihrer typischen Vegetationsausprägung mehr oder weniger zerstört worden. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren auf einer Vielzahl unserer Wiesen 40-60 Pfanzenarten anzutreffen, heute sind es nur noch 5-10 Arten. Optisch äußert sich dies auch in der farblichen Zusammensetzung einer Wiese, wo heute eintöniges Grün und Weiß vorherrscht, sah man früher eine Vielzahl von blauen, roten oder gelben Farbtönen. Wiesen, die noch einen solchen Biotopwert besitzen, machen derzeit lediglich 0,7 Prozent (!) der Fläche in der Sächsischen Schweiz aus (Wald noch 10,4 %). Deshalb ist es aus der Sicht des Naturschutzes äußerst wichtig, diese letzten noch artenreichen Wiesen unter Schutz zu stellen und durch eine sachgemäße Nutzung oder Pflege zu erhalten und damit zu zeigen, wie eine Wiese in unserer Landschaft einmal ausgesehen hat.

Mit der Naßwiese in Buchenhain wurde 1988 eine kleine etwa 0,35 ha große Wiese unter Schutz gestellt. Der Vorschlag zur Unterschutzstellung stammte seinerzeit vom Forstamtsleiter Wolfgang Juppe aus Bad Gottleuba. Sie befindet sich im obersten Teil von Buchenhain, einem Ortsteil von Markersbach in einer Höhenlage von 430 in NN.

Naßwiese in Buchenhain im Juni 1997, Foto: H. Riebe

Das Flächennaturdenkmal ist eine kleinflächig erhalten gebliebene Wiese des unteren (submontanen) Berglandes. Sie kann vegetationskundlich der Trollblumen-Schlangenknöterich-Gesellschaft (Trollio europaei-Polygonetum bistortae NIEMANN 1962/64) zugeordnet werden. Geologischgeographisch zum Elbsandsteingebirge gehörend, stellt dieser, für das Osterzgebirge charakteristische Wiesentypus, eine Besonderheit innerhalb unseres Naturraumes dar. Er gilt in Ostdeutschland als stark gefährdet (SCHUBERT et.al. 1995).

Neben der in Sachsen sehr selten gewordenen Trollblume (Trollius europaea) sind auch für diese Gesellschaft typische Pflanzenarten wie Alantdistel (Cirsium helenioides), Wiesen-Knöterich (Polygonum bistorta), Weicher Pippau (Crepis mollis), Sumpfdotterblume (Caltha palustris), Hohe Schlüsselblume (Primula elatior),Wiesen Segge (Carex nigra), WaldSimse (Scirpus sylvaticus), Sumpf-Pippau (Crepis paludosa) und Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria) bemerkenswert. Desweiteren stellt der in dieser Höhenlage vorkommende Märzenbecher (Leucojum vernum) eine pflanzengeographische Besonderheit dar. In den Bachwiesen unterhalb des Flächennaturdenkmales hat die im Elbsandsteingebirge äußerst seltene Kugel-Teufelskralle (Phyteuma orbiculare) einen ihrer letzten Standorte. Bisher wurden 49 Pflanzenarten, davon sechs der Roten Liste von Sachsen im Schutzgebiet nachgewiesen. An Kleinsäugerarten wurde nur die Gelbhalsmaus (Apodemusflavicollis) und die Brandmaus (Apodemus agrarius) beobachtet, wobei auch Arten wie die Waldspitzmaus (Sorex araneus) oder aber die Erdmaus (Microtus agrestis) hier vorkommen dürften.

Trollblume, eine in Sachsen stark gefährdete Pflanzenart

Im südlichen Teil des FND's ist geringflächig ein Bachröhricht (Kache) ausgebildet, im westlichen Teil befinden sich wenige Gehölze und stellen den Rest einer Streuobstfläche dar.

In den letzten zehn Jahren wurde die Feuchtwiese einmal im Jahr gemäht und beräumt, so daß sich der Artenreichtum des Flächennaturdenkmales in etwa erhalten konnte. Diese Art von Pflege stellt jedoch aus Naturschutzsicht nur eine Notlösung dar. Sinnvoller und zeitgemäßer erscheint die Pflege durch eine der historischen Nutzung ähnliche oder gleichartige landwirtschaftliche Bewirtschaftung. Denn letztendlich haben diese extensiven Landnutzungsformen, ungeachtet des seinerzeit noch gar nicht existenten Naturschutzes, erst die wertvollen und artenreichen Biotope hervorgebracht.

Infolge ihrer unmittelbaren Nähe zu einem kleinbäuerlichen Anwesen wird die Naßwiese in Buchenhain derzeit als Heuwiese genutzt, was dem oben genannten Anliegen sehr entgegenkommt. Es ist außerdem vorgesehen, weitere Wiesenbereiche sowie den angrenzenden Kochenbusch, der eine zum Teil noch natumahe Waldbestockung aufweist, in das FND einzubeziehen bzw. hier ein größeres Schutzgebiet auszuweisen.

In unserer durch eine viel zu intensive Nutzung überprägten Kulturlandschaft gilt es konsequent die letzten Reste natumaher Landschaft zu bewahren, wollen wir nicht tatenlos einer weiteren Verarmung unserer Pflanzen- und Tierwelt zusehen.

Holm Riebe, Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz

Literatur:

SCHUBERT R., W. HILBIG und S.KLOTZ (1995): Bestimmungbuch der Pflanzengesellschaften Mittel- und Nordostdeutschlands - Gustav Fischer Verlag Jena Stuttgart 1995: 403 S.



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