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Der Wanderfalke im Elbsandsteingebirge

Als wir im Jahre 1989 in der Sächsischen Schweiz mit der Auswilderung von jungen Wanderfalken begannen, ahnte wohl noch keiner, daß unser Vorhaben, den 1972 hier ausgestorbenen Greifvogel wieder heimisch zu machen, so schnell und so erfolgreich verlaufen würde. 77 junge Falken waren über einen Zeitraum von acht Jahren in die Freiheit entlassen worden und die 1997'er Bilanz: Zehn Paare leben wieder in den Sandsteinfelsen der Sächsisch-Böhmischen Schweiz.

Wie nun verlief das heurige Jahr? - Nachdem an den aus den Vorjahren bekannten fünf Wanderfalkenplätzen die Paare bestätigt waren, wurden weitere ehemalige und potentielle Horstplätze aufgesucht. An einigen konnten sofort Wanderfalken bestätigt werden. Auch das schon seit 1995 am Auswilderungsfelsen lebende Männchen 1 CH hatte ein Weibchen gefunden.

Brütendes Wanderfalkenweibchen am Lilienstein, Foto: U. Augst

So großartig doch die Entdeckung von zehn Paaren war, so unterschiedlich ist aber der Bruterfolg an den einzelnen Plätzen ausgefallen. Am Platz 1 hatte sich das schon seit 1992 bekannte Paar wiedergefunden und brütete, wie schon im Vorjahr, einige Meter auf böhmischer Seite. Wohl konnte Ende April das Eintragen von Beute in den Horst beobachtet werden, doch wurde dieser später leer vorgefunden. Am Platz II flogen drei Jungfalken aus. Aus dem Vieregelege im Revier III schlüpften drei Junge, doch wurden nur zwei davon flügge. Vom Paar IV verschwanden im Frühjahr die bekannten Brutpartner nacheinander, aber es fand sich ein neues Paar ein. Das Männchen stammt aus unserer letzten Auswilderung, das Weibchen aus der Auswilderung in Mecklenburg 1995. Eine Brut fand nicht mehr statt, befand sich doch das Männchen noch im Jugendgefieder. Am Platz V brüteten die Falken im Horst des Vorjahres, doch war dieser, wie schon 1996, nach wenigen Tagen leer. Am Lilienstein schlüpften aus vier Eiern drei Junge, doch wurde nur ein Weibchen davon flügge. Platz VII war schon wenige Wochen nach der Entdeckung verwaist. Spuren einer Besetzung des Platzes durch den Uhu lassen uns ein mögliches Schicksal der Falken erahnen. Auch am Platz VIII griff der Uhu ein und schlug die beiden etwa vier Wochen alten Jungfalken im Horst. Im Revier IX kam es zu keiner Brut, da sich das Weibchen noch im Jugendkleid befand. Ganz anders am Platz X. Hier stammt das Weibchen aus der Dreierbrut von 1996 am Platz IV, war also auch einjährig, das Männchen aus der Auswilderung. Aus zwei Eiern schlüpfte ein Jungfalke und flog aus.

Über die Herkunft unserer Wanderfalken informiert Abb. 2. Deutlich zeigt sich, daß die Männchen territorialer sind und die Weibchen für die"Durchmischung" der Populationen sorgen.

Die diesjährige Bilanz mit nur sieben flüggen Jungfalken bei zehn Paaren zeigt deutlich, daß die junge Population noch nicht sehr stabil ist. Am meisten Sorgen macht uns, daß es an drei von vier böhmischen Plätzen zum Brutverlust kam und dieser in keinem Fall aufgeklärt werden konnte. Schon in der Balzzeit beobachtete ich am Platz V zwei Männer an der Horstwand. Sie benahmen sich heimlich und waren rasch verschwunden, als sie mich bemerkten. Nach wenigen Tagen Brut war der Horst verlassen und es fanden sich, wie schon im Vorjahr, die Reste der zerstörten Eier im und unter dem Horst. Aus dem leider nicht einsehbaren Horst 1 waren das Junge oder die Jungen nach wenigen Tagen spurlos verschwunden.

Trotz befristeter Sperrung der von Wanderfalkenbruten betroffenen Kletterfelsen (8 in Sachsen und Böhmen) mußten wir über 90 Fälle des Kletterns in den gesperrten und im Gelände deutlich ausgeschilderten Horstschutzzonen registrieren. Auch wurden solche Schilder entwendet und zerschlagen. Diese Tatsachen zeugen von wenig Verständnis für unsere Natur, wobei aber die Bergsteiger immer wieder von ihrem großen Beitrag zum Naturschutz sprechen.

Ulrich Angst
Nationalparkverwaltung


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