SSI-??? Startseite SSI

Auf das Dach des Elbsandsteingebirges

Die Gipfelhöhen der meisten Steine und Berge im Elbsandsteingebirge liegen im Bereich zwischen 350 und 550 m über dem Meeresspiegel. Da das Elbsandsteingebirge zusammen mit dem Erzgebirge im Tertiär pultförmig über seine Umgebung herausgehoben wurde, sind die höchsten Punkte meist entlang des südlichen Gebirgsrandes in Böhmen zu finden. Beispiele hierfür sind die Tyssaer Wände Tiské steny, 615 m) oder der Rosenberg (Ruzovsky vrch, 619 m). Die größte Erhebung ist der Hohe Schneeberg (Decinsky Sneznik) oberhalb des Dorfes Schneeberg (Sneznik) mit einer Gipfelhöhe von 723 m. Nach Süden fallen seine Berghänge reichlich 500 in tief ins Eulautal ab. Durch den vergangenes Jahr eröffneten grenzüberschreitenden Wanderweg zwischen Rosenthal und Schneeberg läßt er sich nun auch von sächsischer Seite wieder erwandern.

Beginnen soll unsere Wanderung an der Gaststätte "Forsthaus" im Rosenthaler Oberdorf. Hier hält auch der Bus von Königstein, falls das Auto zu Hause bleiben soll. Der Ort Rosenthal ist vermutlich eine Gründung des Deutschritterordens und wird erstmalig 1356 urkundlich als Rosental erwähnt. Damals gehörte das Dorf noch zum Königreich Böhmen. Im Mittelalter genoß Rosenthal eine gewisse Sonderstellung, denn es besaß ähnlich wie Lichtenhain bei Bad Schandau Marktrecht. Zusätzlich durften sich im Dorf auch Handwerker ansiedeln. 1503 tauschte der Rosenthaler Lehnsherr Thimo von Colditz das Dorf gegen den Waldbesitz des Hammerwerkes Bienhof und 200 rheinische Gulden mit Herzog Georg von Sachsen, seitdem gehört Rosenthal zu Sachsen.

Alter Kilometerstein am Grenzübergang

Wir laufen nun zunächst in südliche Richtung entlang der Straße bis zu einem kleinen Feuerlöschteich und biegen bei diesem schräg links in die Straße "Schneebergblick" ein. Nun leitet uns auch die gelbe Markierung in Richtung "Dürre Biela - Grenzplatte". Ab Haus Nr.8 müssen wir aufpassen, denn unser Wanderweg biegt kurz darauf unvermittelt ohne Wegweiser nach links von der Straße ab. Wir laufen den frisch geschotterten Weg bergauf und achten darauf, weder nach links noch nach rechts zu den einzelnen Geholten abzubiegen. Nach etwa 250 m stoßen wir bei einer Häusergruppe auf einen breiteren Fahrweg, die Alte Tetschener Straße. Dieser folgen wir aufwärts nach rechts, bis wir nach weiteren 250 m am Waldrand eine Wegkreuzung erreichen. Eine kleine überdachte Bank lädt hier zum Rasten ein, einige Wegweiser sorgen für die notwendige Orientierung. Unsere gelbe Markierung führt nach rechts den Sommerhübelweg entlang weiter in Richtung "Dürre Biela - Grenzplatte". Nach etwa 20 Minuten gelangen wir zur Fuchsbachstraße, biegen auf diese nach rechts in Richtung "Dürre Biela" (gelbe Markierung) ein und erreichen nach weiteren 5 Minuten die schmale, asphaltierte Straße von Rosenthal nach Schneeberg (Sneznik). Eine Schutzhütte lädt hier zum Rasten ein.

Weiter laufen wir nach links entlang der Straße (gelbe Markierung) und erreichen nach etwa 10 Minuten den Grenzübergang, wo wir die gelbe Markierung verlassen, die nach rechts weiter ins Tal der Dürren Biela führt. Unweit des Schlagbaums ist rechts der Straße ein alter Kilometerstein zu sehen, der davon zeugt, daß außer Wanderern einst auch Fahrzeuge die Straße benutzten. Immerhin verlief hier vor dem Bau der Elbtalstraße zwischen Schmilka und Tetschen (Decin) im Jahr 1938 die Reichsstraße Nr. 177 Pirna - Tetschen - Bodenbach.

Ab dem Grenzübergang führt uns eine blaue Markierung das nächste Wegstück weiter. Nach 5 Minuten weist ein Wegweiser links zum Jagd- und Gasthaus Kristin hradek (Christianenburg). Wir laufen jedoch weiter geradeaus auf der Straße in Richtung "Hrancni bouda" (Grenzbaude). Etwa 100 m weiter können wir rechts der Straße unter Fichten und Birken einen Hügel mit Mauerresten entdecken. An dieser Stelle standen bis 1945 das Gasthaus "Waldhaus" und ein Zollhaus. Von links kommt nun eine Stromleitung zur Straße, die blaue Markierung führt nach rechts auf einen Waldweg. Wir laufen nun ohne Markierung der Stromleitung folgend weiter die Waldstraße entlang, bis wir auf die scharfe Kurve der Autostraße Decin-Sneznik stoßen. Rechts kann man von hier auf kürzestem Weg direkt den Ort Sneznik (Schneeberg) erreichen. Wir wollen jedoch die Straße möglichst meiden und wandern deshalb geradeaus auf dem linken Zweig der Straße etwa 10 Minuten in Richtung Decin Nach der dritten kleinen Brücke (Hinweisschild auf das Hotel und Restaurant Kristin hradek) biegen wir an einem kleinen Parkplatz mit Teich nach rechts ein. Etwa 100 m weiter können wir rechts vom Weg im Wald einen zweiten Teich finden. Nach etwa 10 Minuten müssen wir uns an der Wegkreuzung rechts halten, bald darauf erreichen wir die ersten Häuser von Hinter-Schneeberg, einem Teil des Dorfes Schneeberg.

Blick von der Westseite des Schneeberges in Richtung Tyssa

Das Dorf Schneeberg (in alten Urkunden auch oft Schneedorf oder ähnlich genannt) verdankt seinen Namen der Gebirgslage und dem Schneereichtum im Winter. Es dürfte Anfang des 15. Jhs. gleichzeitig mit dem Hammerwerk Eiland (Ostrov) entstanden sein, als man dort begann, eine kleine Lagerstätte von Brauneisenstein abzubauen. Im Jahr 1450 wird der Ort erstmals urkundlich erwähnt. 1882 wurde ein alter Stolleneingang wiederentdeckt.

Kurz vor der Autostraße halten wir uns links und können so hinter den Häusern auf einem kleinen Weg über die Wiesen laufen. Links sehen wir schon die Felskrone des Hohen Schneeberges. Am Hotel und Restaurant "Svycarsky dum" (Schweizerhof) stoßen wir wieder auf die Straße, die wir linkerhand bis zur Straßenkreuzung an der ehemaligen, halb verfallenen Gaststätte "Hranicni bouda" (Kammwegbaude) weiterlaufen (von Rosenthal reichlich 2h). Der frühere Name Kammwegbaude stammt daher, daß der einstige Erzgebirgskammweg vorn vogtländischen Asch (A9) nach Tetschen (Decin) hier vorbeiführte. Eine automatische Luftmeßstelle auf dem Parkplatz neben der Baude weist auf die massiven Umweltprobleme hin, denen diese Gegend schon seit vielen Jahren ausgesetzt ist. Die besonders im Winterhalbjahr extreme Belastung der Luft mit Schwefeldioxid hat zum Absterben eines großen Teiles der Fichtenwälder in dieser Gegend geführt. Auch die markante Kaiserbuche unweit der Kreuzung am Fahrweg auf den Hohen Schneeberg wurde ein Opfer der Luftverschmutzung.Von der Kreuzung an der Kammwegbaude laufen wir nun den rotrnarkierten Fahrweg (Wegweiser "Decinsky Sneznik") direkt in Richtung des Felsgipfels, vorbei an den Resten der Kaiserbuche. Wenig später können wir am Waldrand rechts einen eingezäunten Wasserbehälter sehen. Der einstige Hochwald ist längst abgestorben, übrig geblieben ist ein niedriger Bewuchs aus Birken und Ebereschen. Etwa 10 Minuten später biegt die rote Markierung (die auch zum Gipfel führt) nach rechts ab, wir laufen jedoch auf dem Fahrweg weiter bergan. Bald sehen wir direkt rechts über dem Weg die Felswände, schließlich wendet sich der Fahrweg nach rechts und führt zwischen den Felsen auf das Plateau des Hohen Schneeberges (30 Minuten von der Kammwegbaude). Ein Fahrradwegweiser zeigt hier nach links zur Dresdner Aussicht (Drazd'anska vyhlidka), die in nördliche und westliche Richtung einen weiten Ausblick bis nach Dresden bietet. Jedoch scheint bei der Beschilderung dieses Punktes ein Irrtum unterlaufen zu sein, denn auf älteren Landkarten ist die Dresdner Aussicht immer auf der Nordseite des Berges eingetragen. Am Fuße der Felswand unterhalb des Aussichtspunktes befindet sich eine sagenhafte Felsspalte, in der ein Schatz verborgen sein soll. Wir gehen nun wieder zurück zum Fahrweg, überqueren diesen und folgen dem Pfad oberhalb der Felskante in Richtung Aussichtsturm. Nach rechts bieten sich immer wieder weite Ausblicke nach Westen in Richtung Tyssaer Wände (Tiske steny) und Erzgebirge. Nach etwa 20 Minuten erreichen wir den Aussichtsturm, in dessen Sockel sich auf der Südseite ein Imbißkiosk (geöffnet Di-Fr 10-15 Uhr, Sa/So 9-17 Uhr) befindet, dort können auch die Eintrittskarten für den Turm gekauft werden.

Übersichtskarte zur Wanderung

Der Turm wurde Mitte des vergangenen Jahrhunderts erbaut, und zwar nicht als Aussichtsturm, sondern als Vermessungsturm. Der Herrschaftsbesitzer Franz Anton Graf von Thun und Hohenstein wurde von der österreichischen Landvermessungskomission nämlich vor die Wahl gestellt, das gesamte Bergplateau abzuholzen oder auf eigene Kosten einen Turm zu bauen. Graf Thun entschied sich für einen Turm und beauftragte den Dresdener Architekten Hänel mit der Bauplanung. Im Herbst 1864 wurde der Turm fertiggestellt und entwickelte sich äußerst schnell auch zu einem Anziehungspunkt für Besucher aus nah und fem, so daß schon ein Jahr später eine hölzerne Unterkunftshütte unweit des Turmes erbaut wurde, die sich nach und nach zu einem vielbesuchten Berggasthaus entwickelte. Im August 1936 gelang es dem Bodenbacher Professor Matthias Färber, erstmals in der damaligen Tschechoslowakei, vom Turm aus mit einem selbstgebauten Gerät den Fernsehsender Berlin zu empfangen. In den Jahren nach Krieg und Vertreibung hatten dann Turm und Gasthaus keinen dauerhaften Besitzer mehr, begannen allmählich zu verfallen und schließlich mußte das Gasthaus nach 1986 völlig abgerissen werden. Der Turm konnte dagegen durch eine gründliche Rekonstruktion in den Jahren 1991/92 vor dem Abriß bewahrt werden. Oberhalb der Eingangstür können wir am Turm das Wappen der Grafen Thun entdecken. Von der Plattform des Turmes bietet sich uns ein umfassendes Panorama. Nach Norden sehen wir in einer ungewohnten Perspektive von oben auf die Tafelberge der Sächsischen Schweiz und auf die Granitkuppen der Westlausitz, im Osten erkennen wir den Rosenberg, links davon die bewaldete Felslandschaft der Hinteren Sächsischen Schweiz und der Dittersbacher Schweiz, dahinter die Bergkuppen des Kreibitzer und Zittauer Gebirges, bei klarer Sicht noch weiter entfernt das Jeschkengebirge, Isergebirge und Riesengebirge. Im Südosten liegt in einem tiefen Kessel Tetschen-Bodenbach (Decin), im Süden liegt im Vordergrund das tiefe Eulautal, dahinter die kegeligen Berge des Böhmischen Mittelgebirges. Westlich erblicken wir die relativ ebene Hochfläche des Erzgebirges mit dem Sattelberg im Vordergrund und dem Geisingberg im Hintergrund.

Wenn wir vom Turm ostwärts den Weg wenige Meter abwärts laufen, gelangen wir zu dem Platz, auf dem einst das Gasthaus stand. Für den Rückweg nutzen wir nun den Weg mit der roten Markierung. Vom Turm führt er uns zuerst ein Stück zurück in die Richtung, aus der wir gekommen sind. Bald jedoch führt der Weg nach links abwärts zur Südseite des Berges. Am Fuß der Felswände zweigt die grüne Markierung nach links zum Ortsteil Vorder-Schneeberg ab, wir laufen weiter entlang der roten Markierung um den Berg herum. Bald stoßen wir auf den asphaltierten Fahrweg, dem wir nun wieder abwärts zur ehemaligen Kammwegbaude folgen. Weiter laufen wir zunächst nach rechts auf der Straße durchs Dorf, ab dem Gasthaus "Svycarsky dum" können wir der blauen Markierung zum Grenzübergang folgen. Diese führt uns zunächst weiter entlang der Straße (links Gasthaus "Hranicni bouda") aus dem Dorf heraus. Nach etwa 10 Minuten zweigt unser Weg an einem Gittermast (Aufschrift "Rosenthal") nach links von der Straße in den Wald ab. In einem beständigen, leichten Gefälle führt uns der Weg, eine Forststraße querend, bergab. Etwa 10 Minuten später haben wir wieder die Überreste des ehemaligen Waldhauses in der Nähe einer auffälligen Kastanie erreicht. Wir folgen nun wieder der Straße zum Grenzübergang. Von hier kann man weiter entlang der Straße in einer knappen Stunde den Ausgangspunkt unserer Tour erreichen. Wer noch nicht müde ist und die Straße meiden möchte, kann jedoch den Rückweg durch das Bielatal mit seinen Klettertürmen nehmen.

Für diese Variante biegt man unmittelbar hinter dem Schlagbaum scharf nach links ab und folgt der gelben Markierung in Richtung "Dürre Biela". Knapp 10 Minuten später erreichen wir an einer alten Wegsäule das obere Ende des Dürrebielegrundes. Die Dürre Biela entspringt am Rande des Dorfes Schneeberg und fließt als Pflasterbach bis zur Landesgrenze. Die Namen Pflasterbach und Dürre Biela deuten darauf hin, daß der Bach in den heißen Sommermonaten rasch austrocknet. Wir folgen dem Bach abwärts in den Grund. Nach etwa 10 Minuten erinnern einige Inschriften rechts vom Weg an Hochwasserschäden der Jahre 1886, 1897 und 1957. Weitere 10 Minuten später erreichen wir die Einmündung des Dürrebielegrundes in das Bielatal, links vom Weg steht hier eine weitere alte Wegsäule. Wir folgen dem breiten Weg nach rechts weiter talabwärts, bis nach etwa einer halben Stunde die ersten Häuser des Rosenthaler Ortsteiles Bielagrund (meist einfach Ottomühle genannt) auftauchen. Vorbei an der Unfallhilfsstelle der Bergwacht laufen wir, bis am Haus Nr. 14 (rechts der Straße, noch vor dem Gasthaus Ottomühle) der Mühlweg nach rechts abzweigt. Diesen laufen wir steil bergan aus dem Tal heraus. Auf der Hochfläche angekommen, führt uns der Weg aus dem Wald heraus und verläuft von Obstbäumen eingerahmt über die Felder. Etwa 200 m vom Waldrand entfernt kommen wir an einen markanten Linksknick des Weges. Hier verlassen wir die Markierung und biegen nach rechts auf einen unmarkierten Feldweg ab, der uns in knapp 10 Minuten zum Buswendeplatz an einer großen Halle der ehemaligen LPG führt. Hier halten wir uns nach links und erreichen in 5 Minuten wieder den Ausgangspunkt unserer Wanderung, das Gasthaus "Forsthaus".

Für die gesamte Wanderung müssen wir etwa 6 Stunden Wegezeit ohne Pausen einplanen. Falls man die steinigen und steilen Wegstücke (Abstieg vom Hohen Schneeberg und Mühlweg) meidet, kann die beschriebene Strecke im Winter auch als Skitour zurückgelegt werden.

Zur Orientierung können die Wanderkarten Bielatal (1: 10 000) und Böhmische Schweiz (1:40 000) von Rolf Böhm sowie die grüne tschechische Karte Nr. 12-13 Ceskosaske Svycarsko (1:50 000) empfohlen werden.

Cornelius Zippe


[nach oben]