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Zur Geschichte des Zeughauses

Eines der ältesten Gasthäuser der Sächsischen Schweiz, von den Erblehngerichten der Dörfer abgesehen, -vielleicht das älteste überhaupt-, war das Zeughaus im Großen Zschand.

Nach Götzinger wurde das Zeughaus "vor langer Zeit" erbaut, um das bei herrschaftlichen Jagden "in der Heide" benutzte Jagdzeug aufzubewahren. Über der Haustür trägt es die Jahreszahl 1642.

Viel früher -schon vor 1443- hatte nach Meiche der "herre Hincke Birke der rittir uff dem Honstejnn uff dem Rawenberge (Raumberg) ein gebencke gehadt, dorinne er stetlich seyne netze gehabet und uff dem Wynntterberge gejaget...".

Schon vor 1786 bekamen Reisende im Zeughaus im Großen Zschand Milch, Bier und Branntwein. 1802 ließ der Hohnsteiner Amtsschösser einen Bericht über das Zeughaus anfertigen. Demnach war es "seit den ältesten Zeiten" von den Zeichenschlägem bewohnt, die dort ebensolange den Bierschank betrieben, der um 1800 "oft mit Musik und Tanz vergesellschaftet" war, obwohl das Schankrecht nur den städtischen Gewerbetreibenden und auf dem Lande den Gerichten vorbehalten war.

Die Zeichenschläger hatten Wald-, Weg- und Grenzzeichen in Bäume und Steine einzuschlagen. Diese Markierungen waren, wie es hieß, nicht nur für die Belange des kurfürstlichen Hofes geschaffen worden, sondern auch, "damit die Jäger, Forstleute, Köhler, Holtzhauer, Bürger und Bauern sich darnach richten und einander bescheiden können, an welchen Orten sie zu handtieren haben". Die gekennzeichneten Bäume wurden "Lochbäume", die Rainsteine "Lachter" (mhd. lache=Einschnitt,Kerbe) genannt.("Werte der deutschen Heimat", Bd.2, Zwischen Hinterhermsdorf, Sebnitz und den Zschimsteinen)

Die Zeichenschläger hatten keine Besoldung, sondern nur "gewisse Accidentien" (gelegentliche Einnahmen) und Auslösungen auf die Tage, an welchen sie bei Försterei-Expeditionen gebraucht wurden sowie freie Wohnung im Zeughaus, das an der Grenze zwischen dem Mittelndorfer und dem Hinterhermsdorfer Revier lag. Um 1800 bewohnte es der Zeichenschläger Hohlfeld, der auf beiden Revieren verpflichtet war. Er betrieb den Bierschank "ex jure necesitatis", nach Bedarf. An den Zeichenschläger erinnert die Zeichenschlüchte in den Thorwalder Wänden.

Im Bericht vom Jahre 1802 hieß es vom Zeughaus: "Es liegt nämlich dies Haus in Höchst dero Waldung und in einer 3 bis 4 Std. sich extendierenden Felsenschlucht, jedoch an einer sehr beträchtlichen von Böhmen herein nach Ottendorf führenden Geleits- und Commercial-Straße, der große Zschand genannt. Auf dieser Straße wird nun nicht allein alljährlich eine sehr starcke Quantität Getreide aus dem Königreiche Böhmen von Hörnskrezschen über Ottendorf wieder nach Böhmen verführt, sondern auch eine starcke Quantität in dasiger Gegend verschlagenes Floßholz ab- und an den Floßbach (Kirnitzsch) angefahren. Außer diesem Zeughauße ist aber auf dieser Straße in einer Extendue (Entfernung) von 3 bis 4 Std. kein Haus, ja nicht einmal ein frisches Wasser anzutreffen. Dieses Haus gewähret also den Fuhrleuten einen Zufluchtsort, wo sie teils selbst etwas zu trinken erlangen, teils ihr Zugvieh abfüttern können, als welches letztere zu tun insbes. die das Floßholz anfahrenden Fuhrleute genötigt sind, da diese Gegend von ihren Wohnungen 4 und mehr Stunden weit entfernt ist. Dann finden auch in diesem Hause die das Floßholz u.a. Holz verschlagenden Arbeiter, welche bei der weiten Entfernung ihrer Wohnorte nicht jeden Tag dahin zurückgehen können, ein Unterkommen, um daselbst zu übernachten." (Sächsisches Hauptstaatsarchiv)

Irmtraut Hille, Altendorf


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