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Vor den Toren der Landeshauptstadt

Kostspielige Baumaßnahmen seitens des Forstamtes gegen Bodenabtrag durch Waldbesucher

Leser der Sächsischen-Schweiz-Initiative werden sich jetzt berechtigt fragen: Gehört das Pillnitzer Weingebirge noch zur Sächsischen Schweiz? Die Antwort auf diese Frage ist leicht zu geben: Eigentlich nicht, wohl aber zum Forstbezirk Lohmen, der sich seit 1996 vom Hohen Birkigt bis zum Borsberg und von der Schandauer Zauke bis zum Radeberger Hüttertal erstreckt und somit deutlich in eine westlausitzische Nordhälfte sowie in eine elbtalgeprägte Südhälfte geteilt ist. Das Elbtal aber stellt über das Pillnitzer Weingebirge und das Graupaer Tännicht die unmittelbare Verbindung zwischen Dresden und der Sächsischen Schweiz her.

Die Borsberghänge zum großstadtnahen Friedrichsgrund unterliegen verständlicherweise einer starken Naherholungsnutzung durch Dresdener Einwohner und Besucher. Vor allem an der gesamten Friedrich sgrundOberhangkante sowie im Bereich des Zick-Zack-Weges zur Pillnitzer Ruine sind infolge eigenmächtigen Verlassens der schmalen Waldwege zwecks Abkürzen von Kurven durch Wanderer, Radfahrer und sogar Reiter erhebliche Bodenschäden (völlige Zerstörung des Waldbodenbewuchses, flächiger Bodenabtrag) eingetreten, obwohl dieser Bereich seit 1961 eigentlich zum Naturschutzgebiet "Borsberghänge-Friedrichsgrund" gehört und somit ein viel aufmerksameres Verhalten seitens aller Waldbesucher erfordert.

Das zuständige Forstamt Lohmen sah sich im Frühjahr 1997 zu aufwendigen und kostspieligen Gegenmaßnahmen veranlaßt. So wurden am Aufstieg von Pillnitz zur Ruine lange Geländerzüge aus stärkerem Rundholz mit Hand- und Knielauf errichtet. Trotz der landschaftspfleglichen Holzbauweise sieht so etwas leider immer unnötig gewaltig aus. Auf den verhältnismäßig großflächig entstandenen Schadflächen sollen außerdem Querbauten aus Reisig sowie Breitwürfe von Astwerk schnell zur Erosionssanierung in Form von Wiederbegrünung der Blößen beitragen. Allein die Materialtransporte Stangen, Pfähle, Reisig und Astwerk stammen aus ganz anderen Wäldern, weil das der geschädigte Laubwald unter der Ruine gar nicht hergibt - gestalteten sich dazu recht schwierig, unsere Waldarbeiter kamen dabei tüchtig ins Schwitzen. Viele Waldbesucher wußten den enormen Aufwand im Gespräch vor Ort mit den Erbauern bereits zu würdigen. Hoffentlich haben künftig alle Wegbenutzer die gleiche anerkennende Einstellung! Gestörte Waldböden brauchen zur gesicherten Regeneration unbedingt Ruhe vor dem Menschen - am Steilhang erst recht; denn dort reicht schon die Gefahr natürlicher Erosion für eine langwierige Störung völlig aus. Auch diese Erkenntnis gehört schließlich zu der Roßmäßler'schen Forderung von vor 125 Jahren, "den Wald unter den Schutz des Wissens aller zu stellen".

Auf vielfachen Wunsch seitens der Bevölkerung wurde im Vorfrühling 1997 - also bewußt noch zur Saftruhezeit der Bäume - aus dem dichten Laubwalddach an der Ruine auch ein bescheidenes "Sichtfenster" zum Pillnitzer Schloß und zur Pillnitzer Elbinsel freigeschnitten. Vom Leitenweg aus ist jetzt der Zugang zu der einmaligen Aussicht an der Rysselkuppe - der Blick schweift hier von den Weinbergen aus über das Elbtal hinweg bis zu den Höhen der Sächsischen Schweiz und des Osterzgebirges - dank einer neugebauten Holzstiege und einer instandgesetzten Steintreppe sowie neuer Geländerführung bedeutend sicherer geworden. Die Winzer haben überdies entlang der Weinbergmauer einen Lehrpfad zum sächsischen Weinbau eingerichtet und die früheren Wachhäuschen renovieren lassen. Auch die Pöppelmann'sche Weinbergkirche erstrahlt bekanntlich wieder im alten Glanz. Gepflegte Weinberge sind ein prägender Bestandteil Pillnitzer Landschaft zwischen Elbstrom, Schloßpark und Borsbergwald.

Lohnt sich da nicht wieder einmal eine Wanderung ins Pillnitzer Weingebirge?

Dietrich Graf
Sächsisches Forstamt Lohmen

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