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Eine Kletterkonzeption für Sachsen

Kletterverbot - warum? Immer wieder standen in der Vergangenheit Kletterer vor vollendeten Tatsachen: Aus Gründen des Naturschutzes waren Felsen teils unvermittelt, teils nach harten Auseinandersetzungen gesperrt worden. Dann >gann die Arbeit: Gespräche mit Behörden und Naturgehutzverbänden, Vor-OrtTermine, Überzeugungsarbeit, Papierkrieg. Irgendwann gelang dann eine Lösung, die in einigen Fällen zumindest einen Teil der Felsen dem Kletter4M wieder zugänglich machte. Der DAV strebt nun eine neue Strategie an und geht in die "Offensive". Für jedes Bundesland wird eine Kletterkonzeption erstellt. So auch jetzt für Sachsen. Was ist das nun eigentlich, eine Kletterkonzeption?

In einer solchen Konzeption artikulieren die Bergsportverbände ihre Interessen bezüglich der Ausübung ihres Spores, wird festgeschrieben, wo geklettert werden soll, wie viele und welche Felsen für die sachgerechte Ausübung des Sportes benötigt werden und welche Entwicklungsmöglichkeiten offenstehen sollen. Die Konzeption wird somit zur Basis für Behördenkontakte und die Zusammenarbeit der Vereine. Im Kernpunkt des Papiers wird die enorm gestiegene Bedeutung des Naturschutzgedanken's stehen, vorhandene Konflikte werden untersucht und sachlich orientierte Lösungsmöglichkeiten formuliert. Dabei soll gezeigt werden, daß gerade hier in Sachsen Felskletterer eben nicht nur konsumorientiert sind, sondern dort, wo es für den Schutz der Natur tatsächlich notwendig ist, auch verzichten können. Dabei werden differenzierte Lösungen (z.B. Zonierung oder zeitlich befristete Einschränkungen) angestrebt. Inakzeptabel sind aber pauschale Kletterverbote, deren Sinn sich einzelfallbezogen nicht hinreichend belegen JA. Gerade Natursportler selbst sind ja substantiell an einer intakten Umwelt interessiert. Dabei bauen die Kletterer Sachsens auf einer Tradition auf, in welcher der Naturschutz schon lange Teil des Selbstverständnisses ist, wie Erosionssanierungen und Müllaktionen beweisen.

Basis der Kletterkonzeption ist eine enge Zusammenarbeit mit Naturschutzbehörden und -vereinen. Deren ökologisches Fachwissen soll uns helfen, Konflikte sachgerecht zu behandeln.

Vorbild für das Vorgehen ist das sogenannte Sächsische Modell, die Zusammenarbeit in der AG Klettern und Naturschutz in der Sächsischen Schweiz. Die. in der dort gesondert erstellten Kletterkonzeption Sächsische Schweiz erzielten Ergebnisse werden in die Kletterkonzeption Sachsen übernommen und in den übrigen Klettergebieten des Freistaates als Orientierung dienen.

Wie soll das Papier nun konkret entstehen?

Zunächst werden alle Kletterfelsen und potentiell bekletterbaren Felsen erfaßt. Das ist eine ungeheuer aufwendige Kartierungsarbeit, muß doch der gesamte Freistaat nach Felsen abgesucht werden. Das Umfeld der Felsbiotope wird auf mögliche seltene Arten untersucht, die Zugänge werden bewertet (Erosion), die Neutourenmöglichkeiten eingeschätzt und vieles mehr. Hierbei ist die Hilfe von Naturschutzbehörden und -verbänden gefragt, um den Arten- und Biotopschutz bei der konkreten Kartierung gebührend berücksichtigen zu können.

Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse werden in konfliktträchtigen Bereichen Lösungsmöglichkeiten formuliert oder auch schon umgesetzt.

Über diesen konkreten Teil der Kletterkonzeption wird es natürlich auch einen umfangreichen allgemeinen Teil geben:

Die Darstellung der Geschichte des Klettersportes soll auch für Außenstehende deutlich machen, daß Klettern keine Trendsportart ist, sondern lange Traditionen hat und unterschiedliche Entwicklungsphasen durchlaufen hat. Auch Beziehungen zu Fragen des Naturschutzes gibt es nicht erst seit gestern.

Die Beschreibung der Klettergebiete soll neben klettersportlichen Gesichtspunkten vor allem naturräumlichen Bezug haben: Geologie, Flora und Fauna werden hierbei Schwerpunkte sein.

Die Zuständigkeit für die Betreuung der einzelnen Gebiete wird vor allem für (Naturschutz-) Behörden von Interesse sein. Andererseits können auch andere Interessierte, wie zum Beispiel Vereine oder Sponsoren, die lokalen Ansprechpartner finden.

Künstliche Kletteranlagen sollen dokumentiert werden, der weitere Bedarf an solchen Anlagen abgeschätzt und eine Prognose über das Indoor-Klettern erstellt werden.

Die demografische Struktur der Kletterer Sachsens wird die Anzahl der Aktiven, Alterszusammensetzung, Geschlechterverteilung, Bildungsniveau u. a. beschreiben.

Juristische Rahmenbedingungen für unseren Sport betreffen drei Ebenen: Europäisches Recht, Bundesrecht und die Landesgesetze Sachsens. Darin geht es neben Fragen des Umweltrechtes auch um Zugangsrechte, Haftungsrechte und Weiteres wie zum Beispiel das Bergrecht (betrifft vor allem Steinbrüche). Über die Betrachtung von Kernfragen, wie dem Betretungsrecht der freien Landschaft bis hin zum Gleichheitsgrundsatz in der Verfassung soll deutlich gemacht werden, daß sich Klettersportler nicht zum Sündenbock für verfehlte umweltpolitischen Entscheidungen machen lassen.

Somit soll die Konzeption einen Überblick über das klettersportliche Geschehen im Freistaat geben und helfen, Fragen und Mißverständnisse externer Entscheidungsträger bereits im Vorfeld zu klären. Jede Naturschutzbehörde kann darin den, für ein bestimmtes Klettergebiet verantwortlichen Kletterverein finden. Das ermöglicht dann Kontaktaufnahmen, bevor es zu Einschränkungen kommt.

Der Landesverband Sachsen des DAV hat die Federführung für die Erstellung der Konzeption übernommen. Hilfe gibt es vom DAV Hauptverband München, dem Ostdeutschen Sektionenverband und den anderen Kletterverbänden des Freistaates. 1998 soll sie dann vollständig vorliegen.

Beiträge, Hinweise oder auch nur Meinungen zur Kletterkonzeption sind ausdrücklich erwünscht:

Kontakt: Gerald Krug, Martha-Brautzsch-Str. 16, 06108 Halle

Gerald Krug


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