Sächsische Schweiz Initiative, Heft 15, Herbst 1998

Liebe Leser,

seit längerer Zeit treten wir für die Erhaltung des Landschaftsbildes der Sächsischen Schweiz ein und versuchen, überdimensionierte Bauprojekte zu verhindern. In mehreren Heften haben wir schon dazu berichtet. Trotz allen Engagements war die Überzeugungskraft der Argumente des Landschaftsschutzes bei den Entscheidungsträgern gering, so daß es zumeist nur dann zu einem Abbruch der Projekte kam, wenn der Investor selbst vom Vorhaben abließ.

So geschehen in diesem Jahr beim geplanten Hotel Jagdschloß Bielatal, als dem Freiherrn aus Bremen die eigene Hausbank den Geldhahn zudrehte, obwohl dieser schon einen Zuschuß öffentlicher Mittel von 2 Mio. DM vom sächsischen Wirtschaftsministerium zugesagt bekommen hatte. Erinnert sei auch an die Kurklinik Ostrau, die nur deshalb nicht gebaut wurde, weil der Investor wegen der Gesundheitsreform die Gewinnaussichten nach unten korrigieren mußte und das Vorhaben (vorerst) zurückstellte. Die damals auf der Ostrauer Ebenheit aus dem LSG Sächsische Schweiz ausgegliederte Fläche ist aber nach wie vor für das Projekt reserviert und bisher noch nicht, wie Umweltstaatssekretär Reinfried auf dem Landschaftstag 1996 angekündigt hatte, wieder ins LSG eingegliedert worden.

Direkt an der Elbe in Rathen wird, wie die meisten Leser sicher bereits verfolgt haben, ein neues, großes Nobelhotel errichtet. Trotz aller Einsprüche von Seiten des Landschaftsschutzes, der Umweltverbände und der Gastwirte der Region gegen die Dimension des Hotels (in kleinerer Ausführung wäre es durchaus gut gewesen!) wird dort mit Behördensegen und 5 Mio. DM öffentlichen Zuschüssen gebaut. Bei der das Hotel Elbschlößchen in Rathen bauenden Hotelgruppe mit Sitz in Prag war, im Gegensatz zum Jagdschloß Bielatal (dessen Bau einzig am Geldmangel scheiterte), selbst trotz enormen Bauverzugs durch die Klagen der benachbarten Wirte immer genügend Geld für das 17 Mio.DM-Objekt vorhanden.

Im Gegensatz dazu stehen historische, das Landschaftsbild prägende Gebäude, teils mit Denkmalcharakter, leer und verfallen. Ein Beitrag in diesem Heft befaßt sich mit einem dieser leerstehenden Objekte, der Endlerkuppe bei Ottendorf. Weitere Beispiele für den unaufhaltsamen Verfall traditioneller Gastwirtschaften sind das Gasthaus Beuthenfall im Kirnitzschtal, das sich in einem katastrophalen Zustand befindet, die neue Waltersdorfer Mühle im Polenztal oder die 400 Jahre alte Rölligmühle.

Aber auch gegen die große Bergbaufirma aus Bayern, die Hand in Hand mit dem sächsischen Wirtschaftsministerium arbeitet und Sandstein an der Alten Poste abbauen will, war der Landschaftsschutz erfolglos. Gegen die Bergbaupläne im Schutzgebiet können weder der Schutzstatus des LSG bzw. der Nationalpark-Region noch Bürgerproteste oder Nationalparkverwaltung etwas ausrichten.

Dagegen soll es aber neuerdings Einschränkungen für eine weniger finanzstarke und einflußreiche Gruppe geben, für die Wanderer. Nachdem der Leiter der Nationalparkverwaltung Dr. Stein im Frühjahr bei einer Ortsbegehung u.a. mit einem Vertreter der Sebnitzer SZ-Redaktion erklärte, der obere Teil der Häntzschelstiege solle abgerissen werden, reagierte die Öffentlichkeit in der Region nach dieser Zeitungsmeldung unerwartet heftig. Außerdem wurden Pläne zur Umstufung von Wanderwegen, wie z.B. der Rotkehlchenstiege, zu Kletterpfaden bekannt.

Nur wenig später bekannten sich Verbände wie der Sächsische Bergsteigerbund (SBB), der sich bisher vorrangig dem Klettern gewidmet hatte, zur Erhaltung der traditionellen Wanderwege und engagieren sich seitdem im Interesse der Wanderer. Inzwischen haben sechs Verbände, neben dem SBB der Sächsische Wandersport- und Bergsteigerverband, der TV "Die Naturfreunde", die Bergwacht Sachsen, die Akademische Sektion Dresden des DAV und der Arbeitskreis Sächsische Schweiz des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz ein Wanderwegekonzept erarbeitet, das wir in diesem Heft vorstellen möchten. Auch die Nationalparkverwaltung erstellt derzeit ein Konzept, das zu Redaktionsschluß noch nicht vorlag.

Abschließend sei auch die Frage gestellt: Wer, wenn nicht die naturverbundenen Wanderer, sind diejenigen, die den Naturschutzgedanken weitertragen und z.B. an Jugendliche vermitteln?! Und wieviele Naturschützer kommen gerade in unserer Region aus den Reihen der Wanderer oder Bergsteiger.

Natürlich sollen in einem Schutzgebiet Ruhezonen erhalten bleiben, und wo Artenschutzgründe vorliegen, wird dies, wenn nicht gerade jedes Kiefern-Riff zum geschützten Biotop erklärt wird, sicher von den Wanderern akzeptiert. Doch ein Verzicht auf wichtige traditionelle Wanderwege, sei es auf den sich unter den Wänden schlängelnden Goldsteig oder auf den Grenzweg vom Großen Winterberg in den Zschand mit dem beeindruckenden Blick in die Böhmische Schweiz, würde bedeuten, daß die Wanderer das, was sie schützen wollen, nicht mehr sehen dürfen.

Peter Rölke