Sächsische Schweiz Initiative, Heft 15, Herbst 1998

Flächennaturdenkmale der Nationalparkregion Sächsische Schweiz (5)

Der Teich Kuckuckslaube bei Cunnersdorf

Standgewässer und Teichestellen wichtige Biotopelemente und Lebensräume in unserer Landschaft dar. Die Sächsische Schweiz, die über eine hohe Fließgewässerdichte verfügt, ist jedoch von Natur aus arm an größeren Standgewässern bzw. Teichen. Der Amselsee mit rund 1,2 ha Fläche ist das größte stehende Gewässer im Gebiet. Bei einer Standgewässer-Kartierung der Nationalparkregion sind derzeit etwa 60 Teiche mit einer Gesamtfläche von 8 ha erfaßt.

Besonders für die Fortpflanzung und Entwicklung (als Laichgewässer) für Amphibien, von denen es in der Sächsischen Schweiz derzeit 12 Arten gibt, sind diese kleineren Teiche und Tümpel von lebenswichtiger Bedeutung. Fast alle Arten der Frösche und Molche sind in Sachsen als mehr oder weniger stark gefährdet eingestuft und in der Roten Liste aufgeführt. Der Grund dafür liegt in der großflächigen Beseitigung von Feuchtgebieten durch Melioration und der industriell-landwirtschaftlichen Vernichtung und Zerstörung von zahlreichen Kleingewässern. Diese Situation hat sich in den letzten Jahrzehnten beständig verschärft und man gewinnt zum Teil den Eindruck, daß infolge von Gleichgültigkeit dieser Trend anhält. Deshalb ist es aus Sicht des Artenschutzes von hoher Bedeutung, die noch artenreichen und ökologisch intakten Kleingewässer in geeigneter Form durch eine entsprechende Pflege zu erhalten oder gegebenenfalls wiederherzustellen.

Das kleine Schutzgebiet "Teich Kuckuckslaube" ist aus einem 1928 geschaffenen Badeteich hervorgegangen und wurde 1983 mit einer Fläche von 0,25 ha als flächenhaftes Naturdenkmal (FND) unter Schutz gestellt. Der Antrag zur Unterschutzstellung stammte seinerzeit von den ehrenamtlichen Naturschützern Heiko Staude (Pirna), Albrecht Sturm (Pirna) und des leider viel zu früh verstorbenen Lothar Fleischer (Papstdorf). Das Gebiet befindet sich etwa 500 m nordöstlich von Cunnersdorf in der offenen Feldflur in einer Höhenlage von 310 m NN.

Das Flächennaturdenkmal besteht aus einem 400 m² großen Teich, der von einer kleinflächigen Feuchtwiese und Wirtschaftsgrünland umgeben ist. Am Rande des Teiches stehen einige alte Silberweiden. Diese bewirken u.a. die hohe landschaftsästhetische Wirkung des Feldflurgewässers. Seit seiner Unterschutzstellung hat sich der Naturschutzwert des FND durch pflegende bzw. regulierende Maßnahmen beträchtlich erhöht. Das Standgewässer zeigt eine reich entwickelte Schwimmblatt- und Röhrichtpflanzengesellschaft (Polygono-Poamogeton natanis Soo (1927) 1964) wie sie in der Sächsischen Schweiz nur selten zu finden ist. An charakteristischen Pflanzenarten dieser Gesellschaft seien hier Sumpf-Wasserfeder (Hottonia palustris), Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacorus), Ufer-Wolfstrapp (Lycopus europaeus) und Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia) genannt. In dem Feuchtwiesenbereich ist besonders das Vorkommen der Sumpf-Schafgarbe (Achillea ptarmica) erwähnenswert.

Einen besonders hohen Wert stellt das Schutzgebiet jedoch für die Herpetofauna dar und wurde unter diesem Aspekt besonders beobachtet. Als Laichgewässer für fünf Lurcharten (!): Erdkröte (Bufo bufo), Spring- und Grasfrosch (Rana dalmatina u. temporaria) sowie Teich- und Bergmolch (Triturus vulgaris u. alpestris) erfüllt das FND Kuckuckslaube in der ausgeräumten Agrarlandschaft zwischen Cunnersdorf und Papstdorf eine wichtige ökologische Funktion.

Abb. 3

Aus der Familie der Kriechtiere sind Waldeidechse (Lacerta vivipara), Blindschleiche (Anguis fragilis) und Ringelnatter (Natrix natrix) bisher beobachtet worden. Sehr bedeutsam ist auch der Nachweis der mittlerweile in der Sächsischen Schweiz äußerst seltenen Wasserspitzmaus (Neomys fodiens).

Weiterhin konnten im FND bisher sieben Libellen- und mehrere Arten von Wasserkäfern bestätigt werden.

In den letzten zehn Jahren wurden die Feuchtwiese und das Wirtschaftsgrasland einmal im Jahr gemäht und beräumt, so daß der Artenreichtum des Wiesenbereichs entwickelt und vergrößert werden konnte. 1995 wurde mit Hilfe von Fördermitteln des Regierungspräsidiums Dresden eine Sanierung des Teichdammes sowie eine Pflege der alten Silberweiden durchgeführt. Derzeit wird gemeinsam mit dem Gebirgsverein Gohrisch e.V. ein Biotopverbundsystem im Umfeld des Flächennaturdenkmales mit zehn Einzelprojekten umgesetzt.

Holm Riebe, Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz