Sächsische Schweiz Initiative, Heft 15, Herbst 1998

Öffentlicher Verkehr

Der Verkehrsverbund Oberelbe - was bringt er uns?

Am 24. Mai wurde der Oberelbetarif auf allen öffentlichen Verkehrsmitteln in Dresden und Umgebung eingeführt. Trotz aller Kritik, die daran geübt wurde, muß man anerkennen, für "Schweizreisende" bringt er (obwohl noch unvollständig) mehr Vor- als Nachteile. Bei Einführung eines völlig neuen Preissystems ist es wohl unvermeidlich, daß es dabei Verlierer und Gewinner gibt.

Wir Bergsteiger und Wanderer gehören bei Fahrten mit der S-Bahn eindeutig zu den Gewinnern, besonders aber ab dem Tag, an dem er auch im "Landkreis Sächsische Schweiz" gilt. Dann können wir nämlich zusätzlich die Busse und Fähren (die Kirnitzschtalbahn voraussichtlich mit Sondertarif) in der Sächsischen Schweiz quasi kostenlos benutzen. Die Abgeordneten des Landkreises "Sächsische Schweiz" haben am 13. Juli 1998 in Pirna beschlossen, Beitrittsverhandlungen zum Verkehrsverbund aufzunehmen, die sich aber bis weit in das Jahr 1999 hinein erstrecken werden.

Doch bevor wir die neuen Tarife genauer betrachten, noch der Hinweis auf Verbesserungen im seit 24. Mai geltenden Fahrplan (es gibt tatsächlich auch noch gute Nachrichten):

Die S-Bahn fährt jetzt ganzjährig an allen Tagen im 30-Minuten Takt von etwa 4.30 Uhr bis 22.00 Uhr. Das ist eine ganz wesentliche Verbesserung gegenüber den vergangenen Jahren, ermöglicht sie doch eine freizügigere Zeitplanung bei Wanderungen oder Klettertouren auch in der kalten Jahreszeit.

Der erste Bus von Königstein ins Bielatal fährt am Wochenende früh schon eine halbe Stunde eher (7.18 ab Königstein) und abends der letzte über eine Stunde später (18.51 ab Schweizermühle) als bisher. Zu den für Kletterer interessanten Zeiten fahren die Busse weiterhin stündlich.

Der Anschluß an die Busse in Königstein ist am Wochenende jetzt fast ideal - Zug ab Hbf. zur Minute 30, Königstein an Minute 12, Bus ab Minute 18. Hauptsache, die Busse warten auch, wenn der Zug Verspätung hat. Bei der Rückfahrt Bus ab Schweizermühle Minute 51, Königstein an Minute 11, Zug ab zur Minute 15. Hier braucht man "flinke Füße", oder geht erst noch ein Eis essen und fährt 30 Minuten später.

Auch die Busse vom/zum Papststein und weiter nach Cunnersdorf haben beste Anschlüsse zu den Zügen, fahren aber nicht so oft (8.18, 11.18, 13.18 Uhr ab Königstein).

Die Züge 5.00, 6.30, 8.30 und 10.30 ab Hbf. haben in Bad Schandau sofort Anschluß Richtung Sebnitz. Das ist für Tageskartenbenutzer besonders interessant, können diese doch die Züge seit 24. Mai kostenlos benutzen.

Diese Verbesserungen beruhen auf lange und beharrlich vorgetragenen Forderungen gegenüber den Verkehrsgesellschaften und Politikern. Nun ist nur zu hoffen, daß sie auch gut von den SBB-Mitgliedern angenommen werden, zumal, wenn sie im Verbund mit der Tageskarte auch noch ohne jegliche Zusatzkosten zu benutzen sein werden.

Keine Verbesserung, aber die Abwendung einer gravierenden Verschlechterung stellt der Weiterbetrieb der Fähre Krippen - Postelwitz dar, deren Einstellung schon beschlossene Sache war (ab sofort täglich 6.20 bis 20.00 Uhr ohne Pause). Auch hier dürften die Teilnahme des SBB an der Unterschriftensammlung und schriftliche Proteste des Vorstandes einen Anteil daran haben.

Nun aber zu den neuen Fahrpreisen des Verbundtarifes:

Wichtig ist zuerst, daß man in einer der neuen Tarifzonen beliebig mit allen Verkehrsmitteln fahren kann, wenn man einmal für die Zone bezahlt hat. Das heißt, daß das erste Stück der Bahnfahrt "kostenlos" ist, weil der in der Straßenbahn entwertete Fahrschein bzw. die Monatskarte für die Zone Dresden bis zum Hp Dre-Zschachwitz (bis 31.12.98 sogar bis Heidenau Süd) gilt.

Grundsätzlich gilt aber für Tagesausflüge in die Sächsische Schweiz: Die Tageskarte (Gesamtnetz) für eine Person (14 DM) oder Familien (20 DM) ist fast immer die günstigste Variante. Kann man damit doch Straßenbahn/Bus zum und vom Bahnhof, die S-Bahn hin und zurück, den Zug durch das Sebnitztal und irgendwann später auch alle Busse und Fähren in der "Schweiz" benutzen. Die Familienkarte gilt übrigens beliebig für zwei Erwachsene und bis zu vier Kinder, die nicht miteinander verwandt oder verheiratet sein müssen, oder auch für sechs (!) Kinder unter 14 Jahren. Sie gilt auch nicht nur ab Dresden, sondern ab jedem beliebigen Ort des Verbundraumes. Das heißt, daß man zum gleichen Preis auch von Riesa, Nossen, Großenhain, Kamenz oder sogar Hoyerswerda ins Elbsandsteingebirge hin und zurück fahren kann. Der Extremfall wären sechs Personen, für die bei einem Tagesausflug die Fahrt von Riesa nach Schöna und zurück sage und schreibe nur jeweils 3,33 DM kostet.

Für Monatskarteninhaber der Zone Dresden ist als Einzelperson allerdings die 4er-Karte (10 DM) günstiger. Für jede durchfahrene Zone (Faltblätter mit der Zoneneinteilung hat jeder Haushalt als Postwurfsendung erhalten) ist ein Abschnitt zu entwerten. Bei einer Bahnfahrt nach Schöna wären das die Zone Pirna und Königstein (in der Zone Dresden gilt die Monatskarte), also 5,00 DM je Fahrt. Das ist deutlich billiger als der alte S-Bahn-Tarif (bisher 7,20 DM). Monatskartenbesitzer der Zone Pirna zahlen gar nur 2,50 DM bis nach Schöna.

Besonders günstig sind die Bahnhöfe Obervogelgesang und Stadt Wehlen zu erreichen. Sie liegen noch in der Zone Pirna, welche für den Monatskarteninhaber (Zone Dresden) für 2,50 DM und alle anderen Dresdner für 5,00 DM zu erreichen ist (alter Preis 6,00 DM).

Wichtig zu wissen: Entgegen dem Faltplan wird die Buslinie ins Bielatal voraussichtlich gänzlich zur Zone Königstein gehören. Wer also nach Königstein bezahlt hat, kann in Zukunft ohne weitere Kosten ins Bielatal fahren.

Noch ein Schnäppchen sei verraten: Es gibt auch 4er-Karten für Kurzfahrten zum Preis von 6,- DM. Hier gilt ein Abschnitt für eine Fahrt zwischen zwei benachbarten Bahnhöfen, also z.B. von Schmilka-Hirschmühle nach Krippen (ideal für eine Schrammstein-Wanderung, wenn das Auto in Krippen steht). Auch von Wehlen nach Rathen kann man diese Karte als Anschlußkarte nutzen und zahlt so von Dresden nach Rathen nur 4,00 DM (Monatskarteninhaber) bzw. 6,50 DM (2 Abschnitte 4er-Karte normal+1 Abschnitt 4er-Karte Kurzfahrt), denn von der Zonengrenze der Zone Pirna bis Rathen ist es nur eine S-Bahn-Station.

Es lohnt also auf alle Fälle, sich mit den nicht ganz einfachen Fahrpreisregelungen des Verbundes zu beschäftigen. Auf gar keinen Fall sollte man Einzelfahrkarten kaufen, da diese wesentlich teurer als die oben beschriebenen Möglichkeiten sind. Selbst für den Gelegenheitsfahrer lohnen sich die Tages- oder 4er-Karten, da man entweder eine ganze Karte an einem Tag aufbraucht, oder sie ebenso zu Fahrten mit der Straßenbahn in Dresden benutzen kann.

Der Verbundtarif stellt schon jetzt, aber erst recht, wenn der Landkreis "Sächsische Schweiz" beigetreten ist, eine echte Alternative zur Benutzung des Pkw für Fahrten in die "Schweiz" dar und sollte zur Schonung der Umwelt und der eigenen Nerven möglichst oft von möglichst vielen Bergfreunden genutzt werden.

Hans-Günther Heydrich