Sächsische Schweiz Initiative, Heft 15, Herbst 1998

Wandern in der Böhmischen Schweiz

Nach Hinterdittersbach in die entlegensten Winkel der Böhmischen Schweiz

Diese lange Wanderung beginnt in Dittersbach und führt in abgelegene Teile der Böhmischen Schweiz, zur Balzhütte (Na Tokání), am buchenbestandenen Wespenberg (Vosí vrch) vorbei bis hinab an die Grenze zur Kirnitzsch, um der ehemaligen Siedlung Hinterdittersbach einen Besuch abzustatten. Der Rückweg streift das Kleine Prebischtor und die Burg Schauenstein.

Wanderroute: Jetřichovice (Dittersbach) - Stammbrückental - Na Tokání (Balzhütte) - Vosí vrch (Wespenberg) - Panenská jedle (Jungferntanne) - Zadní Jetrichovice (Hinterdittersbach) - Malá Pravèická brána (Kleines Prebischtor) - Burg Saunstejn (Schauenstein) - Èeská silnice (Böhmerstraße) - Jetřichovice
Länge: ca. 25 km
Dauer: ca. 6,5-7,5 h
Einkehrmöglichkeit: Gasthaus in Na Tokání (Balzhütte); Gaststätten und Imbiß am Eingang des Stammbrückentals in Jetrichovice

Ausgangspunkt unserer Wanderung ist die Bushaltestelle in der Ortsmitte von Jetřichovice (Dittersbach) gegenüber der Gaststätte ,Praha". Auf dem anfangs rot-gelb-grün markierten Weg wandern wir ca. 5 min, bis die gelbe Markierung am Eingang des Stammbrückentals nach rechts abzweigt. An dieser Stelle finden wir ein Hinweisschild der Gebietsverwaltung Labské pískovce, das uns in der geschützten Landschaft willkommen heißt.

Der gelben Markierung folgend führt der Weg die ersten Minuten an einem Kindererholungsheim vorbei. Kurz darauf beginnt das von hohen Felsen umrahmte Harový dùl (Stammbrückental), auf dessen kühlem Grund wir in Richtung ,Na Tokání" (Balzhütte) wandern. Nach der ersten größeren Kurve können wir links über uns das Massiv der Felsenburg Falkenstein erblicken, die man auf einem Abstecher besteigen kann.

Das Stammbrückental wird nach einiger Zeit immer enger und der Weg verläuft zwischen hohen Felswänden bis sich das Tal weitet. Wir erreichen eine Kreuzung, an der wir links abbiegen und, weiterhin der gelben Markierung folgend, an der Weggabelung ,Pod Suchým vrchem" auf den blau markierten Weg treffen, der von Rynartice (Rennersdorf) über den Suchý vrch (Suppgeberg) kommt. Der rechterhand gelegene 481 m hohe Suchý vrch wurde durch einen Basaltdurchbruch gebildet und trägt deshalb eine charakteristische Buchenbestockung.

Das gelbe Wegzeichen endet an der Weggabelung ,Pod Suchým vrchem", und wir orientieren uns jetzt an der blauen Markierung in Richtung "Na Tokání" (Balzhütte). Vom breiten Fahrweg biegen wir eine Minute später gleich wieder rechts ab und steigen steil hinab in ein kleines Tal. Nach erneutem Aufstieg treffen wir auf zwei große Fahrwege, von denen einer gelb markiert ist. An einer großen Wiese befindet sich der Wegweiser "Na Tokání", allerdings sind die Häuser der kleinen Siedlung "Balzhütte" noch nicht zu sehen. Auf der Asphaltstraße sind es ca. 5 Minuten, dann überraschen uns inmitten der abgeschiedenen Gegend mehrere große Holzhäuser, umrahmt von großen Bäumen.

Die Balzhütte war früher das fürstliche Jagdhaus der Familie Kinsky, welches besonders zur Auerhahnbalz aufgesucht wurde. Eine berühmte Sammlung von Jagdtrophäen ging bei einem Brand des Herrschaftshauses im Jahre 1905 in Flammen auf.

Nachdem wir von Dittersbach bis zur Balzhütte ungefähr eine Stunde Wegzeit gebraucht haben, bietet sich die Möglichkeit zu einer Rast im Gasthaus.

Gleich nachdem wir das letzte Haus hinter uns gelassen haben, öffnet sich linkerhand der Blick in die weite Waldlandschaft. Vor uns sehen wir den buchenbestandenen Vosí vrch (Wespenberg), am Horizont den Großen Winterberg und ganz links sieht man den spitzen Rudolfstein mit der kleinen Schutzhütte.

Nach diesem Ausblick wandern wir unterhalb der steilaufragenden "Hohen Wände" ohne große Höhenunterschiede, dafür in vielen Windungen um die Felsenriffe.

Nach einiger Zeit endet die felsige Szenerie auf der rechten Seite und der Weg verläuft nun durch Fichtenforst. Wenn sich das Waldbild ändert und der Fichtenforst einem geschlossenen Buchenbestand Platz macht, befinden wir uns in der Nähe des Basaltdurchbruches des Vosí vrch (Wespenberg). Man läuft im Rechtsbogen um den Wespenberg herum und kann dabei die stattlichen Buchen mit ihren silbern glänzenden Stämmen bewundern. Nachdem wir den Wespenberg passiert haben, erreichen wir in Kürze die Weggabelung "Panenská jedle" (An der Jungferntanne). Der Stamm der Jungferntanne trug früher ein Bild von einem Mädchen, das nach einer Volkssage vor einem sie verfolgenden Jäger Schutz bei einem Köhler suchte. Die gesamte Gegend war früher für einige mächtige Tannen bekannt, von denen aber durch die intensive Forstwirtschaft fast kein Exemplar übriggeblieben ist.

Wir wechseln an der Weggabelung an der Jungferntanne von der blauen zur grünen Markierung und wandern in Richtung Kirnitzsch (Krinice).

Nach 10 min erreichen wir eine kleine Lichtung mit einer Kastanie und einer Futterkrippe. Hier biegt der Weg rechts ab und verläuft, an weiteren Weggabelungen immer der grünen Markierung folgend, durch eintönigen Fichtenforst. Im geplanten Nationalpark sind noch umfangreiche Waldumbauarbeiten erforderlich, um den Übergang von den Fichtenmonokulturen zu einer natürlichen Waldgesellschaft zu realisieren (siehe auch den Exkurs zur Fichte).

Nach einer Weile wird der Weg links und rechts von Eichen gesäumt, rechts kann man nun schon die Ausläufer des Hinterhermsdorfer Gebietes jenseits der Kirnitzsch erkennen. Wir bewegen uns jetzt auf einem Riff, links und rechts geht es abwärts in tiefe Täler. Das rechte Tal ist das Kirnitzschtal.

Erst leicht abwärts, später steil abfallend, erreichen wir das Kirnitzschtal und die Lichtung der ehemaligen Siedlung Hinterdittersbach, die auf tschechisch Zadní Jetřichovice genannt wird.

Im Kirnitzschtal gegenüber den Rabensteinen befand sich einst die Ortschaft Hinterdittersbach (Zadní Jetrichovice) mit 7 Häusern, darunter auch Gastwirtschaften. Es war bis 1945 eines der touristischen Zentren der hinteren Sächsisch-Böhmischen Schweiz.

Nachdem man lange nur durch Fichtenforste gelaufen ist, überrascht der Anblick dieser lieblichen, teils mit Kastanienbäumen bestandenen Lichtung . Gegenüber, am anderen Ufer der Kirnitzsch, erheben sich die "Rabensteine" von Hinterhermsdorf wie eine Mauer.

Das Gelände, auf dem wir uns befinden, war früher eine belebte Gegend, hier standen die Häuser von Hinterdittersbach, u.a. Gaststätten und zwei Forsthäuser. Doch nur die Kastanienbäume direkt an der Kirnitzsch, die zur "Kirnitzschschenke" gehörten und unter denen einst Wanderer eine Rast einlegten, oder die alten Mauerreste etwa 50 m entfernt am Weg, erinnern an das ehemalige Hinterdittersbach.

Direkt am Ufer der Kirnitzsch steht ein Wegweiser, der uns den Weg in Richtung "Mezní Louka" weist. Zuerst geht es auf einem breiten Forstweg entlang eines Erlenwaldes im feuchten Talgrund weiter. Nach ca. 10 min teilt sich der Weg, und wir folgen der Forststraße nach rechts durch den Treppengrund (Hluboký dùl), wobei uns die Fichtenmonokulturen nicht verlassen.

Wenn der grün markierte Wanderweg als kleiner Pfad geradeaus weitergeht, bleiben wir auf der Forststraße (unmarkiert) und wandern bis zur Höhe hinauf. Hier stößt von rechts der rot markierte Weg hinzu, dem wir nun weiter auf der Forststraße folgen, bis wir nach ca. 10 Minuten rechterhand das "Kleine Prebischtor" (Malá Pravèicka brána) erreichen. Jetzt kann man einen Abstecher zu dieser verkleinerten Ausgabe des großen Felsentores unternehmen.

Der rot markierte Weg steigt nun ab und quert linkshaltend auf einem Felsenband, wobei wir einen schönen Blick auf unser nächstes Ziel, die Burg Saunstejn (Schauenstein), haben. Nach einem weiteren Abstieg stehen wir am Einstieg auf den Burgfelsen und steigen über Stufen und Leitern aufwärts. Oben angekommen, können wir eine freie Rundsicht genießen. Wissenswertes zu dieser ehemaligen Felsenburg ist im Exkurs der Wanderung 9 beschrieben.

Nach dem Abstieg vom Schauenstein ist es nicht mehr weit bis zur Kreuzung mit der Böhmerstraße (Èeská silnice). Hier laufen wir nicht rechts nach Vysoká Lípa, sondern bleiben linkshaltend auf dem rot markierten Weg. Nach etwa 15 min biegt der Weg rechts ab und auf der weniger ausgebauten ,Böhmerstraße" geht es weiter in Richtung Dittersbach. Kurz darauf quert der alte Verbindungsweg von Sachsen nach Böhmen ein markantes Felsriff.

Wenn das rote Wegzeichen scharf nach links auf einen kleineren Pfad abbiegt, bleiben wir weiterhin auf dem abwärtsführenden, sandigen Hauptweg. Linkerhand sind interessante Felsen zu sehen. Bald erreichen wir das weite Wiesengelände von Dittersbach und laufen immer leicht absteigend. Links hinter uns durch den Hochwald sehen wir den buchenbestandenen "Kolistì" (Gohlischt) aufragen. Alle weiteren Abzweige beachten wir nicht, bis der Weg zu einer Gabelung an einer Eiche kommt (siehe auch Karte).

Der Hauptweg führt weiter ins Tal, wir laufen aber den Wiesenweg linkerhand noch ein letztes Mal bergauf, um von einem kleinen Wiesensattel den herrlichen Blick auf die Dittersbacher Felsen und den Kaltenberg nicht auszulassen. Etwas später überrascht uns ein kleiner schilfbestandener Teich. Rechts oben im Wald befindet sich die "Katzenkirche", der am schwersten zu ersteigende Kletterfelsen der Gegend. Nun ist Dittersbach mit der markanten Kirche schon fast zum Greifen nahe und unsere Wanderrunde in die entlegenen und einsamen Gebiete um Balzhütte, Wespenberg und Hinterdittersbach hat sich geschlossen.

Karin und Peter Rölke

(Dieser Wandervorschlag ist dem neu erschienenen Wanderführer Böhmische Schweiz entnommen. Ein Beitrag zur Fichte ergänzt die Tour, wurde aber aus Platzgründen nicht abgedruckt.)