Sächsische Schweiz Initiative, Heft 15, Herbst 1998

Neues vom Bundesausschuß Klettern und Naturschutz

Das 17. Treffen des Bundesausschusses Klettern und Naturschutz fand vom 7.-9.11.97 in der Grasbrunnenhütte bei Vielbrunn im Odenwald statt. Die gastgebenden Odenwalder Kletterfreunde hatten das Treffen bestens organisiert und einen guten Rahmen für die umfangreichen Diskussionsthemen geschaffen. Als spezieller Gast war der 1. Vorsitzende des Deutschen Alpenvereins (DAV), Herr Klenner, anwesend, der als kompetenter Partner für unsere Fragen und Probleme zur Verfügung stand.

Zunächst wurde von der Arbeit des Projektes Bergsport und Umwelt berichtet. Die Integration in das Referat Natur- und Umweltschutz bedeutet für Nico Mailänder als einzigem verbleibenden hauptamtlichen DAV-Mitarbeiter eine Erweiterung des Aufgabengebietes bei gleichzeitiger Kürzung der finanziellen Mittel. Die Hauptaufgabe ist nach wie vor die Unterstützung der Landesverbände bei der Erstellung der Kletterkonzeptionen und die Fertigstellung des zentralen Bundesteils.

Die Erarbeitung der Kletterkonzeptionen und der Aufbau des Felskatasters waren auch der Schwerpunkt der Berichte aus den Regionen.

In Sachsen-Anhalt konnte die Arbeit sehr intensiviert werden, wobei bei den Recherchen auch "Schlafende Hunde" geweckt wurden und nun schwere Verhandlungen mit den Unteren Naturschutzbehörden anstehen.

Gut ist die Situation in Oberfranken, wo die Kletterkonzeptionen für die einzelnen Täler in die Praxis umgesetzt werden und das Zonierungskonzept zieht. Selbst solche sensiblen Aufgaben wie Hakenentfernung in gesperrten Routen sind machbar.

Sehr kritisch ist die Situation im Donautal geworden. Dort wurde der Umfang der Sperrungen weit über das erträgliche Maß hinaus total überzogen, so daß es zu massiven Übertretungen kommt. Die Akzeptanzgrenze ist eindeutig überschritten, und nunmehr besteht dort de facto ein "rechtsfreier Raum". Auch Gebiete, wo bisher Konsens bestand, sind betroffen. Wie u. a. vom Bundesausschuß vorausgesehen, bedeutet diese Anarchie einen großen Verlust für den Naturschutz.

Von Sachsen konnte ich diesmal mehr Positives berichten. Dank der großen Aktivitäten von Gerald Krug geht die Felserhebung in den Gebieten außerhalb der Sächsischen Schweiz gut voran, und die Kletterkonzeption für Sachsen ist in Arbeit. Auch zur Biwakwand gibt es erfreuliche behördliche Entscheidungen.

Ein weiterer Diskussionsschwerpunkt, gerade mit dem 1. Vorsitzenden des DAV, war die Zukunft und die Aufgaben des Bundesausschusses Klettern und Naturschutz. Die Arbeiten müssen auf alle Fälle weitergeführt werden. Es wird ein ständiges Konfliktmanagement und die gesamtheitliche Betrachtung der Probleme in den Klettergebieten Deutschlands notwendig bleiben. Der Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen Regionen ist permanent notwendig, und auch nach Fertigstellung der Kletterkonzeptionen wird ein ständiger Kampf um die Durchsetzung dieser erforderlich sein.

Ein weiteres Thema war die vom Arbeitskreis Odenwald initiierte Konstituierung lokaler AK's als eingetragener Verein. Die Notwendigkeit dazu kann entstehen, wenn es um die Pachtung von Klettergebieten geht, die nur von juristischen Personen wahrgenommen werden kann. Der DAV legt Wert darauf, daß keine weiteren Substrukturen entstehen und die Vereinssatzungen mit dem Hauptverein abgestimmt werden.

Während des Treffens wurde Prof. Heinz Röhle aus dem Bundesausschuß verabschiedet, der nach langjähriger Tätigkeit sein Amt als Naturschutzreferent des DAV aus beruflichen Gründen aufgeben mußte. Ihm wurde für seine hervorragende Arbeit gedankt. Als Abschiedsgeschenk war der Elbsandsteinführer gerade das Richtige für seinen neuen Wirkungskreis.

Nach relativ kurzer Zeit fand das 18. Bundesausschußtreffen vom 6.-8.2.98 mal wieder im Schwäbischen in Blaubeuren im Blautal bei Ulm statt. Schwerpunkt dieses Treffens, was im kleineren Kreis stattfand, war der Erfahrungsaustausch zwischen den Kletterregionen.

Nico Mailänder berichtete von zahlreichen Aktivitäten, die vom Projekt Bergsport und Umwelt zur Schadensbegrenzung vor allem im Donautal durchgeführt wurden. Das Ziel dort muß in einer signifikanten Verbesserung der Klettermöglichkeiten bestehen, was aber noch in weiter Ferne liegt. Momentan muß erst einmal die Arbeitsfähigkeit des Arbeitskreises organisiert werden. Die örtlichen Kletterfreunde konnten dies bestätigen. Auch im Blautal gibt es trotz einer eigentlich guten Detaillösung Probleme, und es ist schwierig, aktive Mitstreiter auch für unangenehme Aufgaben zu finden.

In den einzelnen Kletterregionen gehen die Arbeiten zur Kletterkonzeption weiter voran. Auch in Sachsen laufen die Erfassungsarbeiten auf hohen Touren. In Sachsen-Anhalt gibt es nach komplizierten Verhandlungen mit den Behörden einige Fortschritte. Im Gebiet von Wernigerode konnten einige Felsen freigekämpft werden. Probleme gibt es bei der Teufelsmauer und beim Regenstein. Hier werden jetzt ein Gutachten und ein Pflegekonzept erarbeitet.

Gut ist nach wie vor die Situation im Fränkischen, auch wenn sich die IG Klettern bei der Umsetzung von Beschlüssen zum Routenrückbau bedeckt hält. Dargestellt wurde, daß Publikationen, wie z. B. ein geplanter Boulderführer, sehr schnell zu weiteren Sperrungen im Nördlichen Frankenjura führen können.

Die AG Odenwald hat sich zwischenzeitlich als e. V. unter dem Dach des DAV konstituiert. Streitigkeiten um die Satzung konnten endlich ausgeräumt werden. Erfreuliches konnte die IG auch aus Norddeutschland berichten. So wird das Klettern im Ith langfristig gesichert sein

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Als Tenor der Diskussion kam heraus, daß sich in vielen Regionen eine Trendwende bei den Behörden zugunsten der Kletterer abzeichnet und daß sich die Beharrlichkeit der Vertreter der Kletterer bei den Verhandlungen auszahlt.

Ein abschließendes Diskussionsthema betraf den Umgang mit kommerziellen Anbietern von Kletterkursen.

Hans Hilpmann
Sächsischer Bergsteigerbund