Sächsische Schweiz Initiative, Heft 15, Herbst 1998

Denkmalschutz

Die Endlerkuppe bei Ottendorf - denk´ mal, das ist ein Denkmal !

Der Gebäudekomplex auf der "Endlerkuppe" bei Ottendorf / Sächs. Schweiz (auch "Ottendorfer Burg" genannt) wurde 1928/29 in kaum zu überbietend landschaftlich schöner Lage als Jugenderholungsheim erbaut.

Endlerkuppe

Der Architekt Kurt Bärbig (1889 - 1968) schreibt dazu in der Festschrift zur Eröffnung im August 1929:

"... Die Endlerkuppe bei Sebnitz, auf der die Anlage errichtet wurde, ist eine jener sanften Kuppen, die das Lausitzer Berggland nach einem letzten breiten und dunklen Fortissimo im turmgekrönten"Tanzplan" gegen die feierlichen Sandsteinwände des Winterberggebietes und die Schrammsteine abklingen läßt. Sie steht in einem Spiel granitener Hügelwellen, dicht an den Formationen des Sandsteins, mitten in einem Naturraum, den die Berge in der Runde bilden. Von Osten her grüßt das böhmische Land mit dem lieblichen Blau ungezählter Basaltkuppen. Im Westen liegt das ferne Elbtal mit seinem Sandsteinplattenbergen. Wie ein lieblich stilles Wunder verträumte dieses Fleckchen Erde hier abseits von den großen Wanderwegen zwischen Granit, Basalt und Sandstein seine Zeit, bis es eines Tages der Jugenderholungsheimgedanke entdeckte. ..."

Die Anlage hatte von 1928 bis heute eine sehr wechselvolle, für die Geschichte unseres Jahrhunderts und unseres Landes bezeichnende Entwicklung (Jugenderholungsheim - BDM - Lager - SED-Parteischule - Treuhandeigentum).

Seit 1990 steht sie nun leer, ist häufig Ziel von Vandalismus und beginnt zu verfallen.

Bereits zu DDR-Zeiten zum Denkmal erklärt, erfolgte 1997 die Unterschutzstellung entsprechend Sächsischem Denkmalsschutzgesetz als Kulturdenkmal und Zeugnis der Architektur der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Alle Versuche, das Gebäude nach der "Wende" zu verkaufen, schlugen offensichtlich fehl. Irgendwelche Rückübertragungsansprüche bestehen nicht oder werden nicht geltend gemacht. Vorstellungen für eine Nutzung, die im Einklang mit dem Standort dieses Kulturdenkmals inmitten einer geschützten Landschaft steht, sind nicht bekannt.

Das Gebäude im Sinne seiner ursprünglichen Bestimmung - Erholung für Kinder und Jugendliche - wieder zu nutzen, ist scheinbar in heutiger Zeit, zumindestens in dieser Größenordnung, auch nicht mehr gefragt.

Die "Ottendorfer Burg" auf der "Endlerkuppe" bei Ottendorf ist durch Zeitablauf und Gewöhnung inzwischen Teil des uns vertrauten Landschaftsbildes der Hinteren Sächsischen Schweiz geworden.

Können wir uns vorstellen, daß das Gebäude bei weiterem Verfall eines Tages nicht mehr erhalten werden kann und verschwindet?

Gottfried Kaden, Sebnitz/Sa.