<-- Sächsische Schweiz Initiative, Heft 16, Herbst 1999

Autobahnbau und Wanderwegsperrungen - ein Zusammenhang?

Sicher, beides ist schwer zu vergleichen: zum einen der Bau einer Betontrasse im Süden von Dresden, durch Schutzgebiete hindurch, hinweg über Täler wie Zschonergrund, Plauenscher Grund, Müglitz-, Seidewitz- und Gottleubatal und quer durch herrliche Schutzgebiete wie das Böhmische Mittelgebirge. Und zum anderen die geplanten Sperrungen von kleinen Wanderpfaden im Nationalpark.

Und doch ist diese Situation charakteristisch für die heutige Zeit. Auf der einen Seite billigen staatliche Behörden Naturzerstörung in größtem Ausmaß: das Fällen vieler Bäume, den Schadstoffabfluß der Autobahn in den Dresdner Kessel, die Verlärmung bisher ruhiger Gebiete, die Verdrängung von Tieren und die Verschandelung des Landschaftsbildes sowohl in Sachsen als auch in Nordböhmen. Der ganze Verkehr von Berlin und Hamburg nach Wien und dem Balkan geht zukünftig durch Dresden hindurch. Auf die sächsische Natur- und Kulturlandschaft nimmt man keine Rücksicht. Alternativkonzepte zum Schutz der Umwelt wie z.B. andere Trassenführungen oder die Rollende Landstraße werden nicht in Betracht gezogen, oder sie werden wie die Rollende Landstraße nach Fertigstellung der Autobahn sogar wieder eingestellt.

Auf der anderen Seite soll der sächsischen Natur durch Wanderer beim Begehen einsamer, kleiner Pfade soviel Schaden zugefügt werden, daß staatliche Behörden Wanderer von diesen Pfaden, wie z.B. dem Grenzweg, fernhalten wollen. Flächenhafte ruhige Gebiete sind wichtig für die Natur, heißt es.

Doch für denjenigen, der für den Umwelt- und Naturschutz als Ganzes sensibilisiert ist, hört hier das Verständnis auf. Die große Naturzerstörung Autobahn wird befürwortet, und am Wanderer im Nationalpark wird demonstriert, daß man auch Naturschutz betreibt im Freistaat Sachsen. Doch Naturschutz in Sachsen kann sich nicht nur auf die Kernzone des Nationalparks beschränken. Sonst wird der Nationalpark zur Alibifunktion.

Diejenigen Wanderer und Naturfreunde, die eigentlich dem Anliegen des Naturschutzes immer unterstützend gegenüberstanden und -stehen, haben sich schon bzw. werden sich von den "Grünen" abwenden. Sie werden auch für andere berechtigte und wichtige Umweltthemen weniger Verständnis haben. Insofern sind die Sperrungsdiskussion um die Wanderwege und die Profilierungsziele einzelner verantwortlicher Naturschützer ein schwerer Schlag für den Naturschutzgedanken insgesamt.

Peter Rölke