<-- Sächsische Schweiz Initiative, Heft 16, Herbst 1999

Studie zur Straßenverbindung Most - Freiberg (R28) für die Trasse der E55 Zusammenfassung

(Alternativvorschlag zur Autobahn D8 + A17 Dresden - Prag)

Die Studie der Straße R28 für den Verlauf der E55 in der Lage Most - Freiberg wurde aus der Initiative der Vereine "Èeský a Slovenský dopravní klub - ÈSDK" (Tschechischer und Slowakischer Verkehrsklub) und "Dìti Zemì - Sektion für ökologisch sauberen Verkehr", in Zusammenarbeit mit der sächsischen nichtstaatlichen Organisation Grüne Liga ausgearbeitet.

Anlaß zum Beginn der Arbeiten und der Studie wurde das "Memorandum für eine Verkehrskonzeption in der Region südöstliches Sachsen - Nordböhmen für Menschen, Umwelt und Wirtschaft" vom sächsisch-böhmischen ökologischen Rat für integrierte Verkehrskonzeption Sachsen - Böhmen ("Dresdner Memorandum"), das im Mai 1994 in Dresden herausgegeben wurde. Das Memorandum beinhaltet eine negative Stellung des Rates zum Vorhaben Ausbau der Autobahn D8 + A17 und einen Aufruf zur Änderung der Einschätzung der Verkehrskonzeption in der betroffenen Region.

Der Alternativ-Vorschlag anstelle der ökologisch und ökonomisch kontroversen Autobahnverbindung D8 + A17 Lovosice - Pirna besteht in einer neuen Führung der E55 durch intensivere Nutzung bestehender Straßen und den Ausbau einer neuen Straße durch den Landkreis Most in bescheidenen Parametern einer Schnellstraße.

Die Verkehrssituation des Landkreises Most charakterisiert eine fortschreitende Kapazitätsausschöpfung der Straße Most-Litvínov, der nicht existierende Umgehungsweg außerhalb der chemischen Werke in Záluží, der erwartete Anstieg des Transitverkehrs aus Sachsen ins Inland nach der Öffnung des Grenzüberganges Mníšek/Deutscheinsiedel und eine nicht existierende Zugangsstraße zur Staatsgrenze, die auch für LKWs und Busverkehr geeignet wäre. Die Stadt Most mit ihrer Umgebung verfügt über keine direkte Eisenbahnverbindung nach Sachsen und heute ist sie, wie es die Analyse der Arbeitslosigkeit der Landkreise in der ÈR beweist, ökonomisch benachteiligt gegenüber anderen Landkreisen der Grenzregion, gerade wegen der nicht ausreichenden Qualität der grenzüberschreitenden Straßenverbindung. Dies würde zweifellos zur Hemmung auch für deren künftige Entfaltung der Wirtschaft. Dabei besteht das Interesse an einer Verbesserung der Straßenverbindung in Richtung Most - Freiberg an beiden Seiten der Grenze, weil sich auch das sächsische Gebiet zwischen Dresden und Chemnitz in einer relativ unterdurchschnittlichen Wirtschaftslage befindet. Der Ausbau der Autobahn durch den Landkreis Ústí nad Labem, der über eine solide Verkehrsausstattung bereits verfügt, erweist sich im Gegenteil als überflüssig und ungeeignet.

Ziel dieser Studie ist die Prüfung einer Lösung zur Führung der E55 als eine Verbindungslinie von Wirtschaftsschwerpunkten der Nachbarländer Böhmen und Sachsen, welche entlang der Städte Louny, Most und Freiberg sowie außerhalb der Landschafts- und Naturschutzgebiete oder Naturparke in der ÈR und BRD führt.

Ergebnisse:

Die Studie hat ergeben, daß es möglich ist, im Korridor transeuropäischer Verkehrsnetze Berlin - Prag den Verlauf einer Straße mit geforderten technischen Parametern im Korridor Freiberg - Most zu gewährleisten. Dieser Korridor ist aus der Verkehrssicht günstig, zugleich greift diese Trassenführung aber nicht in großflächige Landschafts- und Naturschutzgebiete ein.

Die vorgeschlagene Schnellstraße R28 Postoloprty - Most - Staatsgrenze ist technisch durchführbar, eventuelle Schäden an Natur, Landschaft, Umwelt und urbanistischer Struktur des Gebietes können bis auf ein akzeptables Maß minimiert werden. Die Studie hat auch bewiesen, daß ein Ausbau der Straße R28, die in dem Gebiet um Most eine fehlende grenzüberschreitende Verbindung ergänzt, zum wichtigen Beitrag für die Wiederbelebung/ Revitalisierung des gesamten zentralen Teils des Nordböhmischen Braunkohlebeckens und dessen wirtschaftlicher Entwicklung werden kann.

Alternative Konzepte mit dem fortschreitenden/schrittweisen Ausbau der Straße Most-Freiberg (R28) stellen eine Lösung dar, die im Vergleich mit der offiziellen Konzeption schonender, nicht nur in Hinsicht zur Natur und Landschaft, sondern auch hinsichtlich der Investitionsmittel ist. Dies macht sich vor allem in dem ersten Zeitabschnitt bis zum Jahre 2010 bemerkbar, in welchem der Ausbau der Straße R28 nur einen Bruchteil der Kosten zur Vollendung der Autobahn D8 benötigt.

Die Varianten der Führung der Straße R28 Most-Freiberg in der Grenzregion (in Tunneln und auf der Oberfläche) sind aus der Verkehrssicht vergleichbar. Bei der Variante "Tunnel" kann angenommen werden, daß die Investitionskosten bis zum Jahre 2010 um 47% höher werden. Die Variante "Oberfläche" wird einen negativen Einfluß auf ein weites Gebiet des Erzgebirges mit erhaltener Natur und einer relativ hohen Stufe der ökologischen Stabilität haben. Ohne weitere empfohlene fachliche Unterlagen und detaillierte Forschung, evtl. zu weiteren Varianten der Führung der Straße R28 in Bergpartien des Erzgebirges, wäre eine Entscheidung über die Realisierung der Variante "Oberfläche" verfrüht. Die Ergebnisse der Lösung im tschechischen Grenzgebiet können auch die Ergebnisse eines weiteren in Arbeit befindlichen Entwurfes des anschließenden Verlaufes auf der sächsischen Seite beeinflussen. Die Studie empfiehlt, auf jedem Fall die Tunnel-Lösung bei der Erzgebirgskammüberquerung der Straße Most-Freiberg (R28) zu wählen.

(zusammengestellt aus der Übersetzung von Petr Bouška, Jílove, ÈR)