<-- Sächsische Schweiz Initiative, Heft 16, Herbst 1999

Zur Gefährdung junger Weißtannen durch Wildverbiß

Die Wiederbesiedlung der Hinteren Sächsischen Schweiz mit der Weißtanne ist im vollen Gange. In älteren Fichtenbeständen, aber auch in Lärchen- und Birkenwäldern sind häufig junge Tannen anzutreffen.

Seit 1994 konnten über 60.000 Jungtannen ausgepflanzt werden. Weitere 100.000 Stück wachsen in den Baumschulen Sachsens heran; alle stammen aus Saatgut der Hinteren Sächsischen Schweiz.

Noch sind die kleinen Bäumchen stark gefährdet. Rehe beißen meist im Winter die Knospen der Haupttriebe ab. Passiert das mehrere Jahre, sterben die Tannen ab. Den sichersten Schutz bieten Zäune, die aber als Fremdkörper im Wald wirken und den Lebensraum aller wildlebenden Tiere einengen. Zäune sind aus diesem Grund in der Hinteren Sächsischen Schweiz selten anzutreffen.

Am besten hat sich eine Paste aus Sand-Fett-Gemisch bewährt, die jährlich im Herbst auf die Knospen der Haupttriebe aufgetragen wird. Die Schutzschicht verdirbt den Rehen den Appetit auf die Tannentriebe. Mit der steigenden Zahl junger Tannen kann diese Arbeit von den Forstleuten kaum noch bewältigt werden. Ich hoffe deshalb auf die Unterstützung unserer verbündeten Wander-, Bergsteiger- und Naturfreunde.

Jedermann kann die schützende Paste nach kurzer Übung wirksam auftragen.

Ab September werden die Revierförster Einsätze organisieren, die hoffentlich eine rege Beteiligung finden. Teilnahmemeldungen, möglichst für kleine Gruppen bis 5 Personen, nehmen die Revierförstereien und das Forstamt in Bad Schandau ab August entgegen.

Bis 1990 haben Wanderer und Bergsteiger mit großer Begeisterung vor allem bei Pflanzaktionen mitgeholfen. An diese Tradition sollten wir mit den gemeinsamen Aktionen zum Schutz der Weißtanne anknüpfen.

Johannes Grunwald,

Forstamtsleiter des Forstamtes Bad Schandau