<-- Sächsische Schweiz Initiative, Heft 16, Herbst 1999

Wanderfalkenbewachung

In diesem Frühjahr erfolgte erstmals eine Bewachung der Wanderfalkenhorste durch Bergsteiger, Wanderer und Naturfreunde, wobei die Schwerpunkte am Pfaffenstein und an der Fluchtwand lagen. Die übrigen Horste werden von der Nationalparkverwaltung kontrolliert. Organisiert wurde die Betreuung durch Volker Beer von der Akademischen Sektion Dresden des DAV, die fachliche Anleitung erfolgte durch die Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung.

Die Bewachung erfolgte an allen Sonn- und Feiertagen im Zeitraum März 99 bis Mai 99. Über 40 Personen beteiligten sich an der Horstbewachung, die ein großer Erfolg wurde und eindrucksvoll zeigte, daß Naturschutz und Naturnutz zusammengehen können.

Da zum Redaktionsschluß der Bruterfolg und das Ergebnis der Bewachung noch nicht abzuschätzen waren, informieren wir dazu im nächsten Heft. Die Bewacher kamen mit vielen Bergsteigern und Wanderern ins Gespräch. Es wurden bisher noch keine Übertretungen der zeitweiligen Kletterverbote und auch keine Brutstörungen festgestellt.

Dr. Volker Beer

Wanderfalkenhorstbetreuung am Pfaffenstein

Als ich im letzten Winter davon hörte, daß sich dieses Jahr Bergfreunde an der Bewachung des Falkenhorstes am Pfaffenstein beteiligen wollten, fand ich das zwar gut, hatte aber eigentlich keine richtigen Vorstellungen davon. Ich meldete mich zunächst nur, weil der Ansturm auf den "Job" anfangs nicht gerade riesig war.

Am Ostersonnabend war es soweit. Im Zug traf ich mich mit Kathrin, der mir zugeteilten Mitbewacherin. Wir hatten bisher nur zweimal telefoniert, verstanden uns aber gleich sehr gut. Auch das Wetter ließ keine Schneeschauer oder andere unangenehme Osterüberraschungen befürchten. Ganz im Gegenteil ! Schnell überflogen wir nochmal ein paar SSI-Artikel über Wanderfalken, um fachlich gewappnet zu sein. Ausgerüstet mit einer Skizze, einem Schreiben der NP-Verwaltung, Fernglas und Notizblock ging es dann hinauf zur Klamotte, einem Gipfel am Pfaffenstein.

Bei unserer Ankunft trafen auch die beiden Wanderfalken wie auf Bestellung ein. Nach einer kurzen aber beeindruckenden Luftvorführung ließen sie sich auf einem Band an einem markanten Riff nieder.

Wenn unsere Ferngläser auch nicht die stärksten waren, boten die Vögel doch einen tollen Anblick. Nach einer halben Stunde verschwanden sie erstmal wieder, und wir sahen zunächst nach, ob alle Hinweisschilder noch vorhanden und unbeschädigt waren. Da alles okay war, breiteten wir unsere Isomatte aus und bezogen unseren Platz an der Sonne.

Der Tag verging wie im Fluge, nicht nur der Falken wegen, die abwechselnd immer wieder mal ihre Runden flogen und auf dem Felsband rasteten. Buntspechte und vor allem Kolkraben und Eichelhäher waren den ganzen Tag über lautstark zu hören und neben Turmfalken gut zu beobachten.

Erfreulicherweise kamen nur sehr wenige Leute zur Klamotte. Offensichtlich hatte sich die zeitweilige Sperrung des Gipfels und des Pfades zu den Zwillingen schon gut herumgesprochen. Selbst unten auf dem Anweg zum ersten Hinweisschild herrschte nur wenig Betrieb. Insgesamt wollten nur fünfmal Kletterer zur Klamotte. Obwohl alle das Hinweisschild bemerkten und umkehrten, sprachen wir sie doch an. Ein paar freundliche und erklärende Worte schienen uns angesichts der nüchternen Verbotsschilder wirklich nötig. Diese Annahme bestätigte sich auch jedesmal. Wir stießen auf viel Interesse und Verständnis, wenn wir erzählten, welche Gefahren für das Gelege oder später die Jungvögel auftreten, falls die Altvögel zu oft beunruhigt werden und den Horst zu lange verlassen. Und von allen wurden wir gefragt, warum solche Erläuterungen nicht an den Hinweisschildern zu finden sind.

Wegen des schönen Wetters verlängerten wir unseren Dienst um eine Stunde. Danach noch die Schilderkontrolle und fix eine Runde unter der Abendsonne über Nadelöhr, Goldschmiedtshöhle, Pfaffenstein und Barbarine nach Pfaffendorf. Noch bevor wir wieder am Zug waren, stand für uns fest :"Das machen wir wiedermal!" Für Pfingsten wurden sowieso noch Mitstreiter gesucht.

Also nächster Einsatz am Pfingstmontag. Trotz mehrfacher Drohungen der "Meteorolügen" wieder Fastsuperwetter. Auch dieses Mal kam kurz nach unserer Ankunft ein Falke angerauscht und setzte sich für lange Zeit auf das uns schon bekannte Band. Auf Grund der vielen Kotspuren glaubten wir, daß der Horst dort irgendwo sein könnte. Aber wo nur genau? Leider sagte unsere Skizze darüber gar nichts aus.

Ein Stück weiter unten in der Wand gibt es eine kleine Höhle mit einem großen weißen Flecken. Irgendwann entdeckte Kathrin, daß darüber "jemand" saß. Schließlich kam dort etwas mehr Leben auf, und endlich wußten wir, wo sich die Falkenfamilie wirklich eingenistet hatte.

In den nächsten Stunden gab es so viel zu beobachten, daß ich vom Fernglasln ordentliche Kopfschmerzen bekam. Aber die waren Nebensache. Wir staunten, wie groß die Jungvögel schon waren. (Zehn Tage vorher hatte ich in einem Wanderfalkenhorst in der Fränkischen Schweiz noch weiße Kuschelbälle gesehen.) Wir sahen, wie sie am Futter herumzerrten, sich putzten, den weißen Fleck vergrößerten, mit ihren Flügeln schlugen und schließlich losflogen.

Auch an diesem Tag gab es keine Probleme mit Kletterern. Nur um 17.10 Uhr saß plötzlich jemand auf der Klamotte! Wir hatten in dem dichten Grün niemanden bemerkt. Nix wie hin! Die beiden waren ziemlich verdattert. Sie kamen sofort herunter und packten zusammen. Schilder hatten sie nur unterbewußt wahrgenommen. Solche gelben Schilder stehen ja oft herum, da sieht man kaum noch hin. Ich erzählte ihnen noch einiges über die Falken und bat sie, doch etwas besser auf solche Schilder zu achten, und sie sagten ihren Freunden Bescheid.

In vielen Gesprächen, auch außerhalb der Falkenwacht, zeigte sich immerwieder der gleiche Grundtenor: Diese Art von Verbotsschildern ist eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Dessen sollte sich auch eine moderne NP-Verwaltung bewußt werden. Bei erwachsenen Menschen erreicht man heutzutage mehr, wenn man ihnen Zusammenhänge erläutert und Probleme verdeutlicht und nicht nur ein Verbot vorsetzt. Das kann übrigens auch bei Kindern funktionieren. Als ich am Dienstag nach Pfingsten meinem Sohn die Falken kurz und aus gebührender Entfernung zeigte, war ich erstaunt, wie wenig ich ihn über richtiges Verhalten belehren mußte. Alles, was er sah und erklärt bekam, interessierte ihn so sehr, daß für Unsinn keine Gelegenheit war. Zur Zeit muß ich ihm nur klarmachen, daß wir nicht oft da hin können, denn wenn das alle machten...

"...Behörde ...Verboten Punkt" erscheint allen recht überkommen oder klingt nach Hinausschützen aus der Natur. Und genau das ist wohl nicht im Sinne einer modernen Naturschutzarbeit.

Vorzuschlagen wären Schilder mit einer Aufschrift wie : Vorsicht Wanderfalken - Bitte nicht beunruhigen! Darunter sollte dann kurz erläutert werden, wie bedroht diese Tierart heute ist, wie schwierig ihre Wiederansiedlung ist und wie sich Störungen durch den Menschen während des Brütens und der Pflege der Jungvögel auswirken. Jeder wird einsehen, daß auch ein offizielles Verbot ausgesprochen werden muß. Das könnte gut sichtbar am Schluß folgen, zusammen mit dem Zeitraum der Sperrung. Bei der Erarbeitung verbesserter Schilder würden wir gerne mit der Nationalparkverwaltung zusammenarbeiten.

Für den Bereich um die Klamotte möchten wir sagen, daß die Hinweisschilder in ausreichender Zahl, an günstigen Stellen und gut sichtbar aufgestellt wurden. Niemand kann sich damit herausreden, sie nicht gesehen zu haben.

Die Akademische Sektion Dresden des DAV und der Sächsische Bergsteigerbund bedanken sich bei allen, die mitgewacht haben. Gleichzeitig möchten wir uns für organisatorische Probleme entschuldigen. Für nächstes Jahr versprechen wir Besserung, und wir würden uns freuen, wieder genügend engagierte Mitstreiter zu finden.

Martina Wobst, SBB