<-- Sächsische Schweiz Initiative, Heft 16, Herbst 1999

Vom Turmfalken im Elbsandsteingebirge

Wohl jeder Wanderer und Bergsteiger hat schon seine Bekanntschaft mit ihm gemacht; sei es an den Felsen wo er brütet oder in der Feldflur, welche sein Jagdgebiet ist. Am charakteristischen Rüttelflug ist er gut zu erkennen und sein rotbrauner Rücken unterscheidet ihn sofort von den anderen heimischen Falken. Der Turmfalke ist ein eifriger Mäusejäger Feldmäuse stellen oft bis zu 90% der Gesamtbeute - und neben dem Mäusebussard noch eine regelmäßige Erscheinung unter den heimischen Greifvögeln.

Turmfalken sind gut taubengroß und die Männchen unterscheiden sich durch den grauen Schwanz mit der schwarzen Endbinde und dem grauen Kopf leicht von den rotbraunen, oberseits dunkel gebänderten Weibchen oder Jungvögeln. Einjährige Männchen sehen diesen noch recht ähnlich, doch ist ihr Rücken nicht mehr gebändert, sondern schon gefleckt wie bei den alten Männchen. Ende März, wenn die größeren Wanderfalken schon brüten, treffen sie an ihren Brutplätzen ein und es geht laut zu dabei. Neben den häufig zu hörenden "ki, ki, ki, ki ..." Rufreihen wird mit scharfem "zick" der Brutplatz gezeigt und die Weibchen betteln mit gedehntem Lahnen um Futter oder fordern zur Kopulation auf.

Bei uns horsten Turmfalken vor allem an Felsen, aber auch an den "Kunstfelsen" der Städte und selten in verlassenen Nestern anderer Vögel auf Bäumen. An manchen Felsen kommt es zu lockeren Kolonien. So brüten am Pfaffenstein mitunter acht und mehr Paare. Anfang Mai sind die Gelege mit vier bis sechs Eiern vollzählig und werden vom Weibchen bebrütet. Das Männchen schafft Nahrung herbei und geht auf die Eier, wenn die Partnerin frißt, das Gefieder pflegt oder einen kurzen Bewegungsflug unternimmt. Nach einer Brutzeit von einem Monat schlüpfen die Jungfalken, die in den ersten zwei Wochen noch ständig vom Weibchen gehudert werden. Auch das Füttern der Jungfalken ist Aufgabe des Weibchens und erst kurz vor dem Ausfliegen der Jungvögel geht es mit auf die Jagd. Nach etwas über einem Monat verlassen die Jungfalken ihr oftmals enges zu hause. In der folgenden Bettelflugperiode geht es noch mal recht laut zu in den Revieren der Turmfalken.

Immer wieder wird behauptet, der Turmfalke sei häufig im Elbsandsteingebirge und auch ich schätzte seinen Bestand auf sächsischer Seite auf gute 60-80 Paare. Wie man sich irren kann, zeigt eine Bestandsaufnahme des letzten Jahres. So machte ich 1998 den Versuch, alle Turmfalkenpaare in den Felsgebieten der Sächsischen Schweiz zu erkunden. Hierbei kam ich zu einem ernüchternden Ergebnis. Nur 28 sichere bzw. erfolgreich brütende Paare konnte ich feststellen, davon aber allein sieben am Pfaffenstein. Linkselbisch gab es nur noch je ein Paar im Bielatal und am Papststein. Im Großen und Kleinen Zschand fand ich gar keine Turmfalken, zumindest keine erfolgreiche Brut. Noch 1993 kannte ich in diesem Gebiet Paare in der Hiekelschlüchte, an Sommerwand, Jortan, Spitzem Horn, Winterstein, Bärfangwarte, Hinterem Pechofenhorn und der Sammlerwand. Auch im Bereich des Friensteines, wo zu Beginn der neunziger Jahre noch vier Paare horsteten, fand ich nur noch ein Paar. ROBERT MÄRZ kartierte im Jahre 1940 auf einer 6 km² großen Kontrollfläche im Rathener Gebiet zwölf Turmfalkenpaare. Ich fand 1998 in den Grenzen derselben nur deren drei. Was die Gründe für diesen Bestandsrückgang waren, ist nachträglich nicht mehr zu erkunden. Hoffen wir aber, daß es nicht dieselben sind, welche den Bestand Ende der siebziger Jahre schon einmal derart zusammenbrechen ließ3n - Insektizide.

Da das vergangene Jahr ein gutes Mäusejahr war, ich fand auch in Horsten mit sechs fast flüggen Jungvögeln noch Nahrungsvorräte von bis zu zehn Feldmäusen, hat sich die Population erholt und man beobachtet heuer mehr Turmfalken im Gebiet. So will ich auch in diesem Jahr eine flächendeckende Bestandsaufnahme des Turmfalken in der Sächsischen Schweiz machen und bitte daher um die Mithilfe der Wanderer und Bergsteiger. Melden Sie bitte die Turmfalkenbruten, denen Sie begegnen, an die untenstehende Adresse, auch solche im böhmischen Gebiet. Ich hoffe dann, in einem der nächsten Hefte ausführlich über den Bestand und Bruterfolg dieses nützlichen Greifvogels in unserer Heimat berichten zu können.

Ulrich Augst,

Albert-Kunze-Weg 8, 01855 Sebnitz