<-- Sächsische Schweiz Initiative, Heft 16, Herbst 1999

Meinungen und Briefe, die in Zusammenhang mit der Wanderwege-Umfrage eingegangen sind:

Liebe Bergfreunde,

ich bin großer Wanderfan und auch Wanderleiter. Klettern gehe ich höchstselten und dann nur zusammen mit einem passionierten Kletterer.

Ich finde es in Ordnung, wenn in der Sächsischen Schweiz nicht mehr alle Wege markiert sind, auch wenn Markierungen entfernt werden. Es müssen nicht für Salontouristen und Umweltsünder die schönsten Ecken unseres Wandergebietes auch noch kenntlich gemacht werden. Aber allen sich umweltgerecht verhaltenden Wanderern und Kletterern sollte mit Ausnahme der strengen Schutzgebiete (zum Artenschutz) die gesamte Sächsische Schweiz zugänglich bleiben. Ich selbst richte mich nach diesen "selbstdefinierten" Regeln und bin auch nicht gewillt, mich darin einschränken zu lassen. Eher würde ich bei einer durch die Nationalparkverwaltung sinnlos und willkürlich eingeschränkten Zugänglichkeit eine aus einer Übertretung meinerseits folgende Bestrafung in Kauf nehmen bzw. mich dagegen wehren. Und falls das deutsche Naturschutzgesetz solchen Unsinn, wie eine nach willkürlichem Belieben einiger sogenannter Naturschützer eingeschränkte Zugänglichkeit, zuläßt, dann müßte es entweder geändert werden oder in großem Stile mißachtet werden.

Es kann nicht sein, daß sich sogenannte Naturschützer ihre Privatgebiete schaffen, die sie dann "aus dienstlichen Gründen" betreten dürfen, die übrigen Naturfreunde aber nicht. Solche Regelungen gab es vielleicht früher mal in fürstlichen Privatwäldern für privilegierte Schichten, aber ich denke, daß diese Zeiten vorbei sind.

Nicht in Ordnung finde ich die Luxussanierung von Wegen für Salontouristen. Das ist sinnlos ausgegebenes Geld. Die Sächsische Schweiz lebt von der Natur und der Naturgegebenheit der Wege. Also nur behutsame Wegeinstandhaltung zur Vermeidung von Erosionsschäden.

Worum sich die Nationalparkverwaltung jedoch kümmern und auch ganz harte Strafen bzw. Auflagen erteilen sollte, das sind die Müllablagerungen in versteckten Felsspalten in der Nähe von Boofen und Gaststätten. Schaut mal dahinter! Im übrigen ist es längst überfällig, endlich den grenzüberschreitenden Wanderweg am linken Elbufer nach Böhmen zu öffnen. Wir brauchen im Anfangsstadium zunächst keinen ausgebauten Weg, sondern nur das übliche Schild für solcherart Übergänge und meinetwegen noch dazu den Hinweis "Begehen auf eigene Gefahr".

Hartmut Nätsch, Dresden

Die Entfernung von Beschilderungen wie bei den Wegen unter 5. (Grenzweg vom Großen Winterberg in den Zschand, Westelschlüchte, Gehackter Weg, Försterloch, Ziegengrund/Altarstein, Langes Horn oberhalb der Häntzschelstiege Anmerkung d.Red.) hat meiner Meinung nach zu einer deutlichen Reduzierung der Frequentierung dieser Wege geführt. Dies halte ich für einen sinnvollen Ansatz. Daher wäre für mich das Problem zu lösen, daß nicht ausgeschilderte Wege nicht gleichzeitig auch automatisch gesperrt sind. Ein Grenzübergang Grenz- bzw. Fremdenweg würde mit Sicherheit Menschenmassen in diese relativ ruhige Gegend ziehen, weshalb ich ihn ablehne. Der Grenzweg sollte nicht mit explizitem Verbot belegt werden, stattdessen könnte ich mir auch hier eine weitere Beruhigung vorstellen, wenn der Weg in die Richterschlüchte wieder am Krinitz-Grab und nicht über den Grenzweg geführt werden würde.

Dresden, 38 Jahre

Liebe Bergfreunde,

als ich zum ersten Mal hörte, daß "Unsere Berge" zum Nationalpark erklärt werden sollen, war ich richtig stolz. Stolz darauf, daß sie nun die Würdigung erhalten, die sie verdienen und natürlich auch den nötigen Schutz vor Zerstörung durch Kommerz und Industrie.

Doch in letzer Zeit bin ich mehr und mehr entsetzt. Die Institution"Nationalpark" wird mehr und mehr zum Selbstläufer, die Verantwortlichen sehen offenbar Ihre Berufung dahingehend, uns "auszuschützen". Am liebsten möchte man wohl eine große Mauer drumziehen... Für mich verkehrt sich dabei der Sinn von Naturschutz ins Gegenteil. Nicht vergessen sollten wir die Tatsache, daß oft wir es waren, die die Sächsische Schweiz erhalten und gepflegt haben. Mit Alibifunktion für Besitzstandswahrung hat das herzlich wenig zu tun.

Konrad Bauckmeier, 27 Jahre, Dresden

Dem Anliegen der Nationalparkverwaltung würde schon dadurch Genüge getan, daß man auf Wegsperrungen verzichtet, aber an bestimmten Wanderwegen die Markierungen entfernt. Bereits das würde schon zu einer wesentlichen Entlastung bestimmter Wanderwege führen, wenn gleichzeitig die fraglichen Wege auch in den aktuellen Wanderkarten nicht mehr erscheinen würden. Man muß kein Jugendforscher sein, um zu wissen, daß ein gesperrter Weg wesentlich mehr zum Begehen reizt, als ein lediglich nicht markierter.

Dresden, 63 Jahre

Bergsteiger haben den Nationalpark begrüßt, um die Landschaft zu erhalten, sie vor Hotelneubauten und anderen landschaftszerstörenden Erschließungen zu bewahren. Heute haben wir trotz Nationalpark Hotelneubauten (Rathen und Weißig), haben eine illegale Motorradrennstrecke in Hohnstein und eine Autobahntrasse. Geht von den Bergsteigern nur deshalb eine Landschaftsgefährdung aus, weil sie keine Millionen-DM-Schecks rüberreichen?! Ich habe nichts gegen Naturschutz, aber ich habe etwas gegen Dünnbrettbohrer. Wo bleibt der Protest der Naturschützer, vor allem der Berufsnaturschützer, gegen unbezahlbare Bahnpreise, gegen Landschaftszersiedlung usw.? Natur muß auch für die Allgemeinheit erlebbar bleiben, wenn man wirklich Naturschutz will, da dieser nicht in Verboten sondern in Achtung und Ehrfurcht vor der Natur begründet ist.

Leipzig, 37 Jahre

 

Zum Problem "Wanderweg Großer Winterberg Prebischtor" und "Grenzweg Winterberg Großer Zschand"

Ich bin dagegen, daß dieses Gebiet für Wanderer völlig gesperrt ist. Natürlich wäre eine gewisse Ruhigstellung wünschenswert, in dem Umfang wie momentan. Denn den Grenzweg begehen zwar viele, aber doch hauptsächlich Insider. Würde aber der Weg zum Prebischtor freigegeben, so gingen dort Riesenmengen von Wanderern lang (unendlich viel mehr, als jetzt den Grenzweg benutzen, derer Zahl ist ja alles in allem doch recht gering, und es sind das disziplinierte Menschen). Dann wäre es mit der Ruhe, die jetzt das Gebiet auszeichnet, natürlich vorbei. Deshalb mein Vorschlag: Grenzweg nicht sperren, den Weg zum Prebischtor nicht öffnen.

Erhard Pöche, Rathmannsdorf

 

Wer etwas vorschreibt, muß auch kontrollieren, daß die Vorschrift eingehalten wird, sonst macht er sich zur Witzfigur. Bis jetzt wird ja nicht mal auf den "Heerstraßen" im Nationalpark kontrolliert, daß die Nationalparkregeln eingehalten werden. Als Wanderer trifft man Schulklassen, die mit dem Lehrer um die Wette brüllen, wo es lang gehen soll; man trifft Hunde, die nicht an der Leine geführt werden, man sieht getrampelte Abkürzungen über lose Hänge usw. aber KEINEN NP-Wächter. Man sollte sich doch erstmal Respekt bei Radaubrüdern und Basteigeiern verschaffen, bevor man ehrliche Wanderer, die im stillen für das Anliegen "Nationalpark" wirken, durch hanebüchene Verbote vergrämt. Die Radaubrüder sind sowieso nur auf den Heerstraßen, dort sollte man sie zur Einsicht bringen, dann verhalten sie sich auch auf verschwiegenen Pfaden naturgerecht. Gesperrte Pfade wirken auf solche Leute nur anziehend und auf Leute wie mich deprimierend.

Dresden, 63 Jahre

Obwohl ich kein Mitglied im SBB bin, verfolge ich aufmerksam die besagte Diskussion. Seit ca. 20 Jahren gehe ich regelmäßig zu jeder Jahreszeit in die Sächsische Schweiz wandern und klettern und ich bin sehr daran interessiert, dieses einmalige Gebiet möglichst lange zu erhalten. Deshalb danke ich Ihnen auch, daß Sie sich öffentlich für dieses Ziel einsetzen. Allerdings halte ich Sperrungen von Wegen und Gebieten in größerem Ausmaß für den falschen Weg. Als effektiv empfand ich das DDR-Naturschutzkonzept speziell in der Sächsischen Schweiz, wo bestimmte Gebiete tabu waren, aber auf Wegen, die man nicht verlassen durfte, wandern konnte. Die Interessen von Wanderern, Kletterern und Naturschützern wurden gegenseitig akzeptiert. Viel gefährlicher halte ich alle mit der Vermarktung der Sächsischen Schweiz verbundenen Aktivitäten, wie z.B.:

- Erteilung von Baugenehmigungen für Hotels, Wohn- und Geschäftshäuser bzw. Kliniken in den Randzonen;

- den Massen- und Erlebnistourismus von Reiseunternehmen;

- das Kartografieren und Beschildern von unbedeutenden Wegen und Pfaden;

- das Agieren von kommerziellen Kletterschulen und Führern für größere Klettergruppen.

Cottbus, 44 Jahre

Das Wegenetz der Sächsischen Schweiz ist zu dicht, der Wildbestand kommt nicht zur Ruhe. Durch die Erschließung des Zschandgebietes ist es z. B. zum Aussterben des Auerhuhns gekommen. Ich kenne viele Nationalparksysteme in Europa und Nordamerika und bin der Meinung, es ist wichtig, großflächige Ruhezonen zu schaffen. Ebenfalls ist es wichtig, den Besucherstrom an den Ruhezonen vorbei zu lenken. Andere Parks (z. B. Banff in Canada) haben damit weniger Probleme.

Sebnitz, 28 Jahre

Mir gefallen die stark ausgebauten Wege nicht, Geländer und Absperrungen finde ich größtenteils überdimensioniert und fast überall völlig entbehrlich. Mehr als Erosionssanierung an stark begangenen Wegen (oder nach Unwettern mit Wegspülungen) ist eigentlich nicht nötig.

Tauscha, 43 Jahre

 

Ich habe bisher die Bemühungen der Nationalparkverwaltung unterstützt, nun kehrt sie zum "Dank" den Spieß um und will uns Wanderer aus der Sächsischen Schweiz verdrängen. Herr Dr. Stein muß ganz schnell entlassen werden.

Fischbach, 67 Jahre