<-- Sächsische Schweiz Initiative, Heft 16, Herbst 1999

Chronik der Ereignisse zur Diskussion um Sperrungen von Wanderwegen

1997 / Januar 1998

Im Rahmen der Bergsportkonzeption werden die Klettergipfel, die Klettergipfelzugänge und die Boofen für das Schrammsteingebiet und das Schmilkaer Gebiet geprüft. Dabei wird erstmals bekannt, daß die Nationalparkverwaltung plant, die Starke Stiege und die Schneeberger Aussichten zu sperren und die Rotkehlchenstiege als Klettergipfelzugansgweg einzustufen. Damit wäre laut geltender Nationalparkverordnung der Wanderer von der Rotkehlchenstiege ausgeschlossen worden.

Ein Zusammenhang zwischen Klettergipfelbewertung und Wanderwegen wurde erkennbar. Eine Wanderwegekonzeption war jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht geplant.

Februar 1998

Die Nationalparkverwaltung gibt bei einem Treffen mit den Bergsportverbänden bekannt, daß sie gemeinsam mit dem Landesvermessungsamt eine Landkarte im Maßstab 1:25.000 erstellen will. Diese Karte soll als autorisierte Karte für den Wanderer gelten, ist auch kurz darauf in der SZ Sebnitz vom 13.2.98 zu lesen.

März 1998

Bei einer Begehung zur Sanierung des unteren Teils der Häntzschelstiege verkündet der Leiter der Nationalparkverwaltung, Dr. Jürgen Stein, daß über den oberen Teil der Stiege nicht mehr diskutiert wird, weil der Abriß bereits

beschlossen wurde. An die Entfernung der Eisenstiege soll aber erst gegangen werden, wenn der untere Teil rekonstruiert ist. Ein bei der Begehung anwesender Vertreter der Sebnitzer SZ veröffentlicht dies am 26.3.98 in einem Zeitungsbeitrag, dem eine breite Leserreaktion folgt.

April 1998

In der Sebnitzer Öffentlichkeit sowie im Landkreis Sächsische Schweiz regt sich starker Widerstand gegen den geplanten Abriß, es wird eine Vielzahl von Leserbriefen veröffentlicht. Viele Mitglieder und Nichtmitglieder wenden sich an den SBB, sich für den Erhalt der Stiege einzusetzen.

11. Mai 1998

Der Sächsische Bergsteigerbund, der sich bisher vor allem für das Klettern zuständig fühlte, beschließt in seiner Hauptversammlung, sich zukünftig auch verstärkt dem Wandern und der Erhaltung der Wanderwege zu widmen und gibt dies in einer Pressemitteilung bekannt.

25. Mai 1998

Bei einem Termin im Umweltministerium macht der SBB deutlich, daß Sperrungen traditioneller Wanderwege weder von der Bevölkerung noch von den Bergsportverbänden mitgetragen werden. Bevor die Bergsportkonzeption zu Klettergipfeln und Gipfelzugängen weiterbearbeitet wird, ist es erforderlich, daß der Teil Wanderwege in einer Wanderwegekonzeption für das gesamte Nationalparkgebiet bearbeitet wird. Vom SBB wird eine gemeinsame Abstimmung und Diskussion vor dem Druck einer autorisierten Karte gefordert, ansonsten würden vollendete Tatsachen geschaffen.

Der Abteilungsleiter der Abteilung Naturschutz, Herr Simpfendörfer, sichert dem 1. Vorsitzenden des SBB eine sorgfältige Prüfung sowie die Erarbeitung einer Wanderwegekonzeption durch die Nationalparkverwaltung zu. Außerdem soll der Druck der Karte vorerst gestoppt und der Arbeitskreis Bergsport&Naturschutz" einberufen werden.

25. Juni 1999

Treffen des Arbeitskreises Bergsport und Naturschutz" zum Thema Wanderwege. Bergsport- und Naturschutzverbände, Forst und Nationalparkverwaltung diskutieren. Letztere will bis 30.9.98 ein Konzept vorlegen, zu dem die Bergsportverbände ihre Vorstellungen zuarbeiten sollen.

September 1998

Die Bergsportverbände und der Arbeitskreis Sächsische Schweiz im Landesverein Sächsischer Heimatschutz legen ihre Grundsätze für ein Wanderwegekonzept vor und übergeben es den Behörden. Grundsatz ist der Erhalt der traditionellen Wanderwege und die Einteilung in markierte und unmarkierte Wanderwege. Der übermäßige Wegeausbau bei gleichzeitiger Planung von Sperrungen kleinerer Wege wird kritisiert.

13. Oktober 1998

Die Nationalparkverwaltung stellt in einer Pressekonferenz in Dresden ihren Entwurf für ein Wanderwegekonzept für die Sächsische Schweiz vor. Die Wegedichte soll sich von 103 lfm/ha auf 83 lfm/ha reduzieren. Das strenge Wegegebot in der Kernzone wird als beschlossen vorausgesetzt. Die Presse berichtet von 190 km-Wanderwegesperrungen.

Oktober 1998

Eine breite Pressereaktion folgt. Eine Vielzahl von Leserbriefen wird veröffentlicht, in denen man sich gegen die Sperrung der 190 km Wanderwege ausspricht.

November 1998

Die Bergsportverbände lehnen nach Durchsicht des Wanderwegekonzeptes der Nationalparkverwaltung dieses Konzept als Grundlage für eine weitere Diskussion ab und teilen dies öffentlich am 11.11.98 mit. Die Gründe dafür sind in der Stellungnahme (siehe Seiten 50/51) aufgeführt. Ein weiterer Pressebeitrag am 21.11.98 auf der SZ-Umweltseite (Gespräch mit Dr. Stein) sorgt für Zündstoff.

Der Bund Sächsische Schweiz legt Grundsätze für ein Wegekonzept vor (veröffentlicht auf den Seiten 11 bis 12).

Am 26.11.98 tagt der Arbeitskreis Bergsport&Naturschutz zum Thema Wanderwege. Es soll eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern von Nationalparkverwaltung, Forst, Naturschutz- und Bergsportverbänden, Kommunen und Tourismusverband gebildet werden.

Dezember 1998

Der Sächsische Bergsteigerbund beginnt mit der Erarbeitung einer Studie Wanderwege im Nationalpark Sächsische Schweiz" mit finanzieller Unterstützung durch den Deutschen Alpenverein München.

29. Januar 1999

In einer Beratung erläutert die Nationalparkverwaltung den Kommunen ihre Vorstellungen. Die NPV gibt daraufhin am 1.2.99 eine Pressemitteilung heraus, in der sie u.a. die unsachliche Diskussion in der Öffentlichkeit kritisiert, die ...zu nachhaltigem Schaden für den Tourismus und Naturschutz in der Region geführt hätte". `Kann Kritik unsachlich sein, nur weil man anderer Meinung ist?' und `Wer fügt der Region Schaden zu?' fragen die Bergsportverbände.

Februar 1999

Wegen andauernder Streitigkeiten um Beratungsprotokolle, nicht nur zum Thema Wanderwege, sowie zusätzlich wegen der Behinderung der ehrenamtlichen Umweltarbeit der Bergsteiger und Wanderer (z.B. bei der Erosionssanierung und beim schleppenden Verlauf der Klettergipfelbewertung), sehen sich die Bergsportverbände außerstande, diese Situation, die nach Meinung der Verbände ausschließlich durch die Person des Leiters der NPV, Dr. Jürgen Stein, verursacht wird, weiter zu akzeptieren.

In einer Pressemitteilung erklären sie u.a., daß ... die Bergsportverbände geringe Möglichkeiten zur umweltverträglichen Lösung der Wanderwegeproblematik mit der Person von Dr. Stein sehen, weil das durch ihn geschaffene Klima konstruktive Verhandlungen äußerst erschwert. ... Dr.Stein versieht öffentliche kritische Äußerungen zu seinen Entwürfen mit dem Prädikat unsachlich" und schädigend" und spricht nach Jahren guter Zusammenarbeit von Gegnerschaft". ... Ein derartiges überholtes Demokratieverständnis des Leiters einer solch sensiblen Behörde kann nicht toleriert werden."

In einem Gespräch wird dies auch dem Umwelt-Staatssekretär Dr. Reinfried mitgeteilt.

Die NABU-Zentrale in Leipzig kritisiert die Bergsportverbände in der Presse (SZ vom 16.2.99) scharf: ...Die Fachbehörde erfülle nur ihre in Gesetz und Verordnungen gestellte Aufgabe. Funktionäre des Bergsteigerbundes hätten vermittelnde Vorschläge des NABU nicht akzeptiert. ... Egoistische Verbandsinteressen sollten dem Gemeinwohl untergeordnet werden." Allerdings, vermittelnde Vorschläge des NABU, die abgelehnt worden wären, hat es nie gegeben, räumt auch der NABU-Regionalverband, die Schutzgemeinschaft Sächsische Schweiz, ein.

13. März, 17. April und 29. Mai 1999

Drei Treffen der neuen Arbeitsgruppe Wanderwege. Man bekennt sich prinzipiell zum Nationalpark. Details der Verhandlungen dürfen nicht an die Öffentlichkeit.

Die Studie zu den Wanderwegen wird vom Vertreter der Bergsportverbände am 29.5. vorgestellt. Ein Teil der Mitglieder besteht darauf, daß die Ergebnisse der Studie der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht werden dürfen.