Sächsische Schweiz Initiative, Heft 17, Herbst 2000

Liebe Leser,

im letzten Heft 16 sorgte wohl gleich diese erste Seite bei vielen von Ihnen für eine Überraschung. Viele äußerten der Redaktion gegenüber Verwunderung und Besorgnis, denn es ist wohl das erste Mal seit der Wende, daß in einer Umweltzeitschrift wieder Text geschwärzt wurde...

Diese Schwärzung betraf aber nicht, wie man vermuten könnte, die kritischen Berichte und Fotos zum Bau der Autobahn A 17 und zum Polizeieinsatz im Zschonergrund, nein, sie betraf vielmehr die Thematik der Wanderwege in der Sächsischen Schweiz. Es scheint, als seien für den Straßenbau gefällte alte Bäume im Zschonergrund eher ein kleines Problem, viel gefahrlicher wird es wohl, wenn Politiker und Behörden mit der Sperrung beliebter Wanderwege in Verbindung gebracht werden. Und das gleich gar nicht vor Landtagswahlen, die im Herbst 1999 stattfanden...

Die Ursache der Schwärzung und des Streits war die geplante Veröffentlichung der Wanderwege-Studie des Sächsischen Bergsteigerbundes, die im Mai 1999 fertiggestellt wurde und in der u.a. auch kritisch auf die Wanderwegekonzeption der Nationalparkverwaltung eingegangen wurde. Diese Studie wurde zuerst der im März 1999 gebildeten Verhandlungsgruppe vorgestellt. Der geplante auszugsweise Abdruck der Studie im Heft 16 wurde im Interesse der weiteren Verhandlungen, mit deren sofortigem Abbruch man drohte, zurückgestellt. Wir wollten unseren Lesem zumindest mitteilen, wer dies gefordert hatte, doch diese Zeilen mußten dann geschwärzt werden...

Mittlerweile ist ein ganzes Jahr seit der Fertigstellung des letzten SSI-Heftes vergangen. Die Verhandlungen zu den Wanderwegen sind gut vorangekommen, und in diesem Heft möchten wir Ihnen nun auch die Studie vorstellen.

Grundsätzlich sei angemerkt: Die Notwendigkeit von Sperrungen traditioneller Wanderwege in der Sächsischen Schweiz erscheint dem Autor dieser Zeilen grundsätzlich zweifelhaft, geht es dabei doch ganz selten um den Schutz seltener Pflanzen oder Tiere, sondern um das generelle naturschutzpolitische Ziel der Schaffung von Ruhezonen. Das mag aus der Sicht eines "reinen" Naturschützers durchaus verständlich sein. Doch zum einen tritt bei der Betonung der kleinen Ruhezonen das Ziel des Schutzes der Gesamtlandschaft immer mehr in den Hintergrund.

Zum anderen können die wenigsten Wanderer, die sich naturbewußt in der Sächsischen Schweiz verhalten, nachvollziehen, aus bestimmten Gebieten herausgeschützt zu werden, während in unmittelbarer Nachbarschaft tatsächliche Umweltsünden begangen werden bzw. in Planung sind. An aktuellen Beispielen sollen nur der geplante, mit umfangreichen Eingriffen verbundene Ausbau der Kirnitzschtalstraße genannt werden oder der von Wirtschaftsminister Schommer forcierte Elbeausbau, gar nicht zu reden von der zubetonierten Natur auf der Autobahntrasse A 17 im Dresdner Elbtal und im Osterzgebirge.

Letztendlich bestand (und besteht) im Ansatz die Gefahr, daß es auch bei uns so werden kann wie in Westdeutschland, wo z.B. im Donautal Kletterfelsen gesperrt werden, aber die daneben befindliche Donau zum Schiffahrtskanal betoniert wird. Dienen Naturschutz und Nationalpark Sächsische Schweiz dann nur noch als Alibi einer wirtschaftsbestimmten Politik?

Nachdenklich müßte auch stimmen, daß die Akzeptanz der Sperrung von Wanderwegen so gering ist, daß man damit große Teile der naturinteressierten und naturverbundenen Menschen langfristig für jede Art von Naturschutz-anliegen verschreckt.

Hoffnung beim Thema Wanderwege in der Sächsischen Schweiz besteht zum Glück: Die Verhandlungsrunde Wanderwege ringt derzeit intensiv und erfolgreich um einen guten Kompromiß zwischen Naturschutz- und Wandererinteressen.

Peter Rölke