Sächsische Schweiz Initiative, Heft 17, Herbst 2000

Leserbrief von Renate Neumann zum Artikel zu Wegschäden in SSI 1999 S. 33

Schwere Technik im Einsatz am Flügel T im Zschirnsteingebiet

In ihrem letzten Heft nehmen Sie auf Seite 33 Bezug auf die Wegeschäden, die vom Forst verursacht werden. Schon seit Jahren ist das ein großes Ärgernis für uns. Immer wieder stoßen wir bei unseren Wanderungen auf zerstörte Wald- und Wanderwege. Unser diesbezüglich letzter "Fund" war im Juli im Gebiet der Zschirnsteine am Flügel T, Einmündung Gliedenbachweg.

Ich kann es nicht beurteilen, bezweifle aber, daß man unbedingt so eine schwere Technik für Holzeinschlag oder Waldberäumung einsetzen muß. Vandalismus ist sicherlich eine zutreffende Bezeichnung für diesen Umgang mit der Natur und es stünde den Vertretern der Forstverwaltung gut zu Gesicht, wenn sie da etwas mehr Sensibilität zeigen und die Negativwirkung dieser Verhaltensweise beachten würden. Wo bleibt da die Vorbildwirkung?

Aber die "Kostenfrage" wird auch dafür wieder - wie in zunehmendem Maße angewendet - die allmächtige Begründung sein. Und immer wieder werden für die eine Seite neue Verordnungen und Verbote erdacht, währenddessen die andere Seite unter der Forderung "es muß sich rechnen" einen Freibrief erhält.

Renate Neumann, Radebeul

Leserbrief zur Umfrage Wanderwege

Das Wegenetz in der Sächsischen Schweiz ist seit 2 Jahrhunderten (seit Götzinger und Nikolai) gewachsen und ausgebaut worden und unsere Altvorderen haben sich sicherlich etwas dabei gedacht. Die Sächsische Schweiz ist außerdem seit noch mehr Jahrhunderten von Menschen benutzt und besiedelt worden. Sie steht immer noch!

Es haben schon zu DDR-Zeiten flächenhafte Ruhigstellungen stattgefunden, allerdings noch in Maßen. Fast das ganze hintere Zschandgebiet ist eine "Ruhigstellung". Sollte das nicht genügen? Ich glaube nicht, daß die Natur Schaden nimmt, wenn die Wanderer auf bestehenden Wegen laufen, auch wenn es mehr sind, als die Nationalparkleitung möchte. Jede Landschaft hat ihren eigenen Charakter und so sind auch die Wege mehr oder weniger dicht angelegt.

Die Querelen um den Böhmischen Nationalpark sprechen Bände. Ich glaube, auf die tschechische Seite wirkt unser Nationalpark und das Theater darum als abschreckendes Beispiel. Bleibt abzuwarten, ob die andere Seite uns zeigen wird, wie es besser zu machen ist. Der Ausspruch des Bürgermeisters von Krasna Lipa: "Es darf nicht dazu kommen, daß die Menschen im Nationalpark durch Umweltauflagen und Umweltschützer schikaniert werden" müßte eigentlich allen Beteiligten zu denken geben.

"Gestrenge Herren leben nicht lange" - las ich unlängst in einer alten Zeitschrift. Nichts ist beständig, es ist alles in laufender Veränderung begriffen. Und so bleibt die Hoffnung, daß evtl. in nicht so fernen Jahren eine Nationalparkverwaltung nachkommt, die auch den Interessenten der Menschen an der herrlichen Landschaft mehr Verständnis entgegenbringt.

Soll die Natur nun vor dem Menschen oder für den Menschen geschützt werden? Wenn die Menschen aus der Landschaft mehr und mehr herausgedrängt werden, wenn vor lauter Sperrungen und Stillegungen, Kontrollen und Strafen die Freude an der Landschaft vergeht, dann nutzt uns der ganze Nationalpark nichts mehr und die Idee davon ist inīs traurige Gegenteil umgeschlagen.

Auf unseren Wanderungen haben wir jetzt schon unkenntlich gemachte Wege und entfernte Wegweiser registriert. Soll das immer noch so weitergehen? Z.B. das Schild zum Goldsteig, die Barriere am Zugang zur Oberen Affensteinpromenade oder das Schild zur Bequemen Hölle. Wir sind neulich mit Bekannten auf diesem Weg zum Carolafelsen gelaufen. Sie meinten: "Wenn wir dich nicht hätten, wüßten wir nichts von diesem Weg!" Das ist Absicht der Nationalparkverwaltung. Aber dieser Weg ist ohne Schwierigkeiten, muß also nicht gesichert bzw. aufwendig erhalten werden. Die Obere Affensteinpromenade ist ein Steig, auf dem man schon aufpassen muß. Aber irgendwelche Geländer hat es dort nie gegeben. Und es braucht sie auch nicht geben.

Auf einer Wanderung in die Schrammsteine kamen wir mit einem Mitarbeiter des Nationaparkes inīs Gespräch. Er sagte uns u.a., daß die ausgeschilderten Wege auch instandgehalten und gesichert werden müßten und deswegen die Entfernung der Schilder. Neulinge finden diese Wege nicht und ich betrachte die Entfernung von Schildern als reine Willkür, zumal viele dieser Pfade keine gefährlichen Stellen aufweisen. Wir stehen uns mit solchen Gesetzen und Verordnungen selber im Wege.

Auf der einen Seite können Wege nicht instand gehalten werden, und anderweitig wird ganz "großartig" gebaut. Am Kleinen Winterberg hätte es der alte Zickzackweg, etwas beräumt, auch noch getan und hätte sich besser in die Landschaft eingefügt als die neue Treppe. Die Nationalparkverwaltung verrennt sich mehr und mehr in ihren eigenen Argumenten.

Um es nun kurz zu machen: mein Mann und ich und unsere Wanderfreunde sind für die Erhaltung des bestehenden Wegenetzes. Es ist historisch gewachsen! Schlimmer sind wohl bei Sperrungen und Unkenntlichmachungen die dann entstehenden wilden Trampelpfade. Wir haben auch noch niemanden mit ausgerissenen Pflanzen oder großen Sträußen aus dem gebiet kommen sehen. Und was die seltenen Riffkiefernbestände am Langen Horn oder anderswo betrifft, so hat wohl noch nie ein Mensch Bäume ausgerissen wie die Riesen im Märchen. Alles ist dem natürlichen Verfallsprozeß unterworfen oder auch Veränderungen im Klima.

Jedenfalls, wenn noch mehr Wege wegfallen sollen, als jetzt schon klammheimlich verschwunden sind, dann steht es schlimm um unser geliebtes Wandergebiet.

Renate Schumacher

Katzsteinboofe in Nacht- und Nebelaktion abgerissen

Urwüchsig, rauh gezimmert und gemütlich, mit einer stei-nernen Feuerstelle und einem wunderbaren Rundblick auf die gesamte Sächsische Schweiz: Die Katzsteinboofe war bisher ein außerhalb des Nationalparks erhalten gebliebe-nes Refugium für den Kenner und Liebhaber. War - denn diese Boofe wurde kürzlich in einer Nacht- und Nebel-aktion durch das Forstamt Cunnersdorf abgerissen.

Schneller kalter Abriß in einer Phase geringer öffentlicher Aufmerksamkeit, keine Absprache mit dem (bekannten) Betreuer der Boofe, Einzug des Boofenbuches. All dies erinnert erschreckend an die Boofenabrisse der Nationalparkverwaltung vor einigen Jahren. Ein schmerzlicher Verlust für alle die Boofe aufsuchenden Naturfreunde, vor allem aber ein Zeichen der Mißachtung der Arbeit und des Engagements von Maik Müller, der die Boofe über viele Jahre betreute und in Schuß hielt. Klar, der Forst klagt:

Überlaufenheit in den Bärensteinen, Feuer ohne Sachkenntnis und bei Waldbrandgefahr, im Bielatal wurde sogar schon PUR-Schaum (!) als "Boofenbaumaterial" beobachtet. Derartige Auswüchse sind der Tradition des Freiübemachtens allerdings völlig fremd. Vielmehr scheint auch der Umkehrschluß angebracht: Mit dem Abriß alteingesessener urwüchsiger Ubernachtungsplätze gehen tradierte Verhaltensweisen verloren, und so scheinen die immer wieder von Forst oder Naturschutz vordergründig beklagten Schäden nicht nur Ursache, sondern auch Folge derartig restriktiver Maßnahmen zu sein.

Der Abriß durch den Forst erscheint umso bedauerlicher, als daß die Nationalparkverwaltung erfreulicherweise hier wieder mehr differenziert als noch vor einigen Jahren.

Der Abriß der Katzsteinboofe ist für alle ein schmerzlicher Verlust und in keiner Hinsicht ein Erfolg, auch wenn dies einigen Beteiligten erst im Nachhinein klar werden dürfte. Auf jeden Fall ist es ein großer Schritt rückwärts auf einem Weg, der eigentlich zu modellhaften Lösungen in einer Nationalparkregion hinführen soll.

Rolf Böhm, Bad Schandau