Sächsische Schweiz Initiative, Heft 17, Herbst 2000

Teil 3: Einzelfalluntersuchung zu Wanderwegen mit Sperrungsabsichten unter naturschutzfachlichen Gesichtspunkten

Charakteristik des Bergpfades auf dem Langen Horn vom Ausstieg der Häntzschelstiege zum Reitsteig, einschließlich Empfehlungen einer zukünftigen Weggestaltung

Aus dem Kapitel „Naturschutzfachliche Betrachtungen" der Studie wurde für dieses Heft die Einzelfalluntersuchung zur Häntzschelstiege und zum Langen Horn ausgewählt. Die Sperrungsankündigung dieses Weges bildete im Frühjahr 1998 den Ausgangspunkt der Diskussion um die Wanderwege. Laut Wanderwegekonzeption der Nationalparkverwaltung von 1998 sollten u.a. Krähenbeerenvorkommen auf dem Riff des Langen Horns geschützt werden. - Im folgenden der Auszug aus dem Fachtext von Dr. Volker Beer.

Die schematische, graphische Darstellung einer Kartierung im Rahmen der Studie ist auf der gegenüberliegenden Seite abgebildet.

Der Ausstieg der Häntzschelstiege auf das Lange Horn erfolgt am nordseitigen Riffbeginn. Hier besteht das Riff aus nahezu vegetationsfreiem Fels. Nur auf Bändern und in Rinnen innerhalb der Felsabbrüche gedeihen Moose und Heidekraut (Calluna vulgaris). Gemeine Krähenbeere (Empetrum nigrum) konnte dort nicht sicher nachgewiesen werden. Diese Felsköpfe sind von Natur aus, von Flechten abgesehen, vegetationslos. Da, wo sich die Felsköpfe zum Riffkörper schließen, beginnt auch die Vegetation. Dieser Randbereich des Riffs ist von kleinwüchsigen, verkrüppelten Birken und Kiefern bestanden. Den äußeren Rand der Bewuchses bildet ein Streifen Heidekraut. Die Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) dominiert mit einem Deckungsgrad von über 60%. Heidekraut und Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) wachsen in kleinen Gruppen innerhalb der von Preiselbeeren bestandenen Flächen.

Schon nach wenigen Baumlängen erreichen Birken und Kiefern normale Wuchshöhen. In der Krautschicht geht der Anteil an Preiselbeeren zugunsten der Heidelbeere zurück. Die Heidelbeere dominiert. Gräser wie Drahtschmiele (Deschampsia flexuosa) fehlen bzw. sind nur völlig untergeordnet in kleinen Gruppen vertreten. Die Vegetation auf diesem Bereich des Langen Horns kann als ein naturnaher Weißmoos-Kiefernwald angesprochen werden.

Etwa ab der Einengung des Riffes in dessen Mitte ändert sich dessen Vegetation. Auf diesem mittleren Teil treten zwischen den Birken und Kiefern Rot-Buchen in der herrschenden Baumschicht auf. In der Strauchschicht sind neben der Naturverjüngung der genannten Arten auch einige Ebereschen vorhanden. In der Krautschicht tritt die Preiselbeere deutlich zurück. Sie ist nur noch in kleinen Trupps an helleren Plätzen zu finden. Heidekraut tritt hier nicht mehr auf. Die Drahtschmiele dominiert neben dem Wald-Reitgras (Calamagrostis arundinacea), der Zittergras-Segge (Carex brizoides) und der Heidelbeere.

Im südlichen Teil des Langen Horns verliert sich der Charakter des Weißmoos-Kiefernwaldes völlig. Die herrschenden Baumarten sind Fichte, Europäische Lärche, Rot-Buche und Birke. Der Standort entspricht einem oligo-mesotrophen Buchen(misch)wald. Die Krautschicht wird von Drahtschmiele, dem Wald-Reitgras und der Zittergras-Segge dominiert. Heidekraut und Preiselbeere treten hier nicht auf. Auch die Heidelbeere tritt deutlich in den Hintergrund. Statt dessen sind hier Adlerfarn, Roter Fingerhut und Sauerklee (Oxalis acetosella) vertreten.

Beschreibung des Pfades und Vorschläge seiner zukünftigen Gestaltung:

Am Ausstieg der Häntzschelstiege führt der Pfad über die Felsköpfe. In diesem Bereich sollte der Steig punktuell als Klettersteig gestaltet werden, d.h. Anbringen kurzer Stahlseilstücke für die Klettersteigsicherung und Anbringen von Übertritten (Eisenklammern). Auf Geländer sollte verzichtet werden, da der Aussichtspunkt von vielen Seiten einsehbar ist und ein Geländer den ästhetischen Eindruck stark herabsetzen würde. Außerdem setzt das Begehen eines Klettersteiges Trittsicherheit und Schwindelfreiheit voraus.

Ab dem eingelassenem Vermessungspunkt, neben dem eine auffällige Birke mit einer alten, hellblauen Farbmarkierung steht, führt der Weg über den hoch sensiblen Riffbereich. Besonders trittempfindlich reagieren Heidekraut, Preiselbeere, Heidelbeere und die Moose. Ab diesem Vermessungspunkt sollte der auf dem Riff nach Süden verlaufende Pfad durch auf einer Seite am Wegrand liegende Baumstämme "gekennzeichnet" werden. Auf westlicher Seite sind starke Trittschäden, die durch eine Vielzahl "wilder" Zugänge zu den Bergwegen der beiden Klettergipfel "Veteran" und "Dämon" herrühren. Diese Zustiege sollten auf je einen Zustieg zusammengelegt und durch ein schwarzes Dreieck markiert werden. Im weiteren Verlauf des Pfades befinden sich auf westlicher Seite bei den Felsköpfen, die keine Klettergipfel sind, im Bereich der Heidel- und Preiselbeervegetation flächig Trittschäden. Hier sollten ebenfalls auf westlicher Wegseite einige Baumstämme als Begrenzung verlegt werden.

Dr. Volker Beer