Sächsische Schweiz Initiative, Heft 17, Herbst 2000

Teil 7: Schlußfolgerungen und Vorschläge für ein Wegekonzept

Ein Entwurf für ein Wegekonzept wurde im Oktober 1998 von der Nationalparkverwaltung der Öffentlichkeit vorgestellt. Dieser Entwurf wurde von den Bergsportverbänden im November 1998 kritisiert, wobei sowohl der Grundlagenteil des Konzeptes als auch die geplanten Sperrungen von Einzelwegen Gegenstand der Kritik waren.

Die vorliegende Arbeit soll eine konstruktive Mitwirkung an einer zukünftigen Wanderwegekonzeption darstellen.

Die in den Kapiteln 1 bis 7 dargestellten Ergebnisse, Fakten und Zusammenhänge sollen die derzeitige Situation hinsichtlich der Wanderwege in der Sächsischen Schweiz sowie die von der NLPV vorgetragenen Argumente für beabsichtigte Sperrungen beleuchten. Kapitel 8 untersucht die Akzeptanz der geplanten Sperrungen in der davon betroffenen Bevölkerungsgruppe. Kapitel 9 zeigt Entwicklungsansätze und -möglichkeiten auf. Im diesem Kapitel 10 werden die Schlußfolgerungen aus den Untersuchungen zusammengefaßt und daraus Vorschläge für den Grundlagenteil einer Wanderwegekonzeption einschließlich der Wegekategorien abgeleitet. Diese Vorschläge berücksichtigen nach Meinung der Bergsportverbände naturschutzfachliche Ansprüche als auch touristische Interessen und werden auf breite Akzeptanz stoßen.

Zusammenfassend seien hier noch einmal Thesen zur Wanderwegeproblematik in der Sächsischen Schweiz als Ergebnis der Untersuchungen aufgeführt.

Thesen

  1. Grundsätzlich sollten Mittel und Wege zu einer korrespondierenden Landschaftsnutzung von Wanderern und Naturschutz gefunden werden anstatt von einer konkurrierenden Nutzung (Ausschlußgebiete) auszugehen.
  2. Das Wegenetz der Sächsischen Schweiz ist, untersucht am Referenzbeispiel Großer Zschand (38 % der Kernzone), seit etwa 120 Jahren stabil. Eine "krasse Übererschließung" der Sächsischen Schweiz kann nicht festgestellt werden. Vielmehr ist für das Gebiet eine Normalerschließung vorhanden.
  3. Der Pfad ist die charakteristische Wegeklasse in den Felsgebieten der Sächsischen Schweiz und sollte für den Wanderer erhalten bleiben. Bei den geplanten Besucherlenkungsmaßnahmen wird die Wegeklasse Pfad überproportional benachteiligt. Eine generelle Kanalisierung der Wanderer auf große, ausgebaute Trassen findet keine Akzeptanz und sollte nicht das Naturschutzleitbild für die Sächsische Schweiz werden.
  4. Wanderer haben sich in den letzten Jahren bereits eingeschränkt. Das betrifft eine Vielzahl von stillschweigenden Sperrungen von Wegen und Pfaden, im Untersuchungsgebiet sind das ca. 40 % des vorhandenen manifesten Wegenetzes.
  5. Im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht sind nur atypische und nicht erkennbare Gefahren zu beseitigen. Diese Forderungen und deren Umsetzung richten sich wiederum stark nach der Bedeutung des Weges.
  6. Bei den Wanderern in der Sächsischen Schweiz gibt es eine Akzeptanz für Einschränkungen bei konkreten Artenschutzgründen, jedoch keine Akzeptanz bei flächenhaften Ruhigstellungen (konkurrierende Naturschutzauffassung). Für die Sperrung traditioneller Wege und Pfade gibt es keine Akzeptanz.
  7. Eine völlige Markierungspflicht in der auf 75 % wachsenden Kernzone erscheint in der Sächsischen Schweiz naturschutzfachlich kontraproduktiv, weil bisher unmarkierte Wege und Pfade dann gekennzeichnet werden müssen. Neue Besucher werden so erst angelockt.
    Besucherlenkung kann auch durch Nichtmarkierung erreicht werden!
    Der Vorschlag des "strengen Wegegebots" wird nicht befürwortet. Ein Wegegebot, wie es in der NLP-VO verankert ist, wird dagegen weiterhin begrüßt.
  8. Weder striktes Wegegebot noch Markierungspflicht aller Wege in der Kernzone sind für eine Anerkennung nach IUCN II erforderlich. Für die Anerkennung nach IUCN II werden keine pauschalen Kriterien herangezogen. Vielmehr scheint es, daß die Regionalspezifik Berücksichtigung findet. Nach Prüfung der IUCN-Kriterien sind die IUCN-Zielstellungen der Kategorie II für den NLP Sächsische Schweiz auch ohne Sperrungen von touristisch interessanten Wegen und Pfaden erreichbar.

(Diesen allgemeinen Grundsätzen schließen sich umfangreiche Empfehlungen für Behandlungen der Einzelwege an.)

Vorschläge für Änderungen und Korrekturen im Grundlagenteil eines Wegekonzeptes
(bezugnehmend auf den Entwurf eines Wegekonzeptes der NLPV 9/1998):

  1. Die Erholungsnutzung muß bei der Aufzählung der Schutzziele als eines der drei primären Schutzziele entsprechend der gültigen NLP-VO von 1990 aufgeführt werden.
  2. In der Bewertung des Einflusses des Wanderns (NLPV-Entwurf, Kap. 3) sollten unwissenschaftliche pauschale Multiplikationen von 100m-Störungsbändern mit den Wegelängen des NLP und die Hochrechung auf die Nationalparkfläche entfallen.
  3. Pauschale Multiplikationen von 60m-Pflegebändern um jeden Weg wegen der Verkehrssicherungspflicht und die Hochrechung auf die Nationalparkfläche sollten ebenfalls entfallen (NLPV-Entwurf, Kap. 3) .
  4. Auf die aus o.g. beiden Multiplikationen resultierende Formulierung einer "krassen Übererschließung mit Wegen" (NLPV-Entwurf, Kap. 3) sollte nicht mehr zurückgegriffen werden.
  5. Vergleiche von Wegedichtenangaben mit anderen deutschen NLP sind interessant, haben aber durch die unterschiedliche Geländeausbildung der NLP (Hochgebirge, Wasser usw.) keinen naturschutzfachlichen Wert und sollten deshalb im Kapitel "Bewertung" (NLPV-Entwurf, Kap. 3) entfallen.
  6. Eine Zielvorstellung einer bestimmten Zahl einer Wegedichte in der Kernzone (genannt waren 30-40 lfm/ha) sollten entfallen (NLPV-Entwurf, Kap. 4).
  7. Es konnte nicht bestätigt werden, daß die Anerkennung der IUCN-Kat. II wegen einer zu hohen Wanderwegedichte ernsthaft gefährdet ist. Vielmehr schreibt die IUCN keine Wegedichtenkriterien vor. Diese Passage sollte in einem neuen Wegekonzept (im NLPV-Entwurf Kap. 3) gestrichen werden.
  8. Zur Charakterisierung der Besucherzahlen auf den Wanderwegen im NLP ist die Zahl von 1,9 Mio. Besuchern pro Jahr ungeeignet, weil 50 % im Bereich Bastei gezählt wurden.
  9. Eine Verschärfung des Wegegebots mit der Einführung eines "strikten oder strengen Wegegebots", d.h. eine völlige Markierungspflicht in der Kernzone, erscheint weder wegen der IUCN-Anerkennung notwendig noch naturschutzfachlich sinnvoll. Besucherlenkung kann bei weiterhin gültigem Wegegebot auch durch Nichtmarkierung erfolgen.