<-- Sächsische Schweiz Initiative, Heft 17, Herbst 2000

Wanderfalkenwacht 2000

Einst war das Elbsandsteingebirge reich an Wanderfalken. Doch durch zu häufigen und unsachgemäßen Gebrauch von Pestiziden in der modernen Landwirtschaft kam es bei den Falken zu dünnschaligen Gelegen und abgestorbenen Embryonen in den Eiern. Aus diesem Grund nahmen die Bestände immer weiter ab, bis 1964 der letzte Jungvogel ausflog und 1972 der letzte Einzelvogel beobachtet wurde.

Erst nachdem, bedingt durch eine Umstrukturierung der Landwirtschaft, Pestizide nur noch drastisch reduziert angewandt wurden, war an eine Wiederansiedlung zu denken.

1989 wurden die ersten zwei Jungfalken am Lilienstein ausgewildert. Nach 1990 konnte diese Arbeit wesentlich intensiver vorangetrieben werden. Allmählich stellten sich die ersten Bruterfolge ein, und im vorigen Jahr flogen schon 20 Jungtiere aus. Es bleiben allerdings nicht alle ausgewilderten und aufgezogenen Tiere hier. Obwohl in diesem Jahr bereits 14 Paare brüten, ist die Population noch immer zu klein, um selbständig wachsen und Brutausfälle kompensieren zu können.

Gerade auf Störungen durch den Menschen reagieren die Wanderfalken besonders empfindlich. Dabei kann es leicht zum Verlust der Jungvögel und zur Aufgabe des Horstes kommen. Werden die Falken aufgeschreckt, verlassen sie ihr Gelege. Geschieht das zu lange oder zu häufig, kühlen die Eier zu stark ab oder erfrieren die Jungvögel.

In der Sächsischen Schweiz herrscht aufgrund ihrer großen Beliebtheit ein so starker Besucherverkehr, daß es einfach notwendig geworden ist, geeignete Schutzmaßnahmen für bedrohte Tierarten zu ergreifen. Deshalb wird in jedem Frühjahr für jedes brütende Wanderfalkenpaar eine ausreichend große Schutzzone festgelegt, in der während der Brut und der Aufzucht der Jungen ein allgemeines Betretungs-verbot gilt. Sobald die Jungvögel den Horst verlassen haben, wird das Verbot wieder aufgehoben. Diese Zonen werden jedes Jahr von den Mitarbeitern der Nationalparkverwaltung aktuell ausgewiesen. Leider kann dies oft nur sehr kurzfristig erfolgen, weil Wanderfalken in den meisten Fällen jedes Jahr einen anderen Horst beziehen und sich in der Regel erst recht spät überlegen, wo sie nun brüten.

In den ersten Jahren gab es Akzeptanzprobleme mit diesen Maßnahmen, bis schließlich von der Nationalparkverwaltung (NLPV) der Vorschlag kam, mit Vertretern des Sächsischen Bergsteigerbundes (SBB) über die entstandene Situation zu beraten. Ein wichtiges Resultat dieser Gespräche ist die gemeinsame Betreuung zweier Wanderfalkenhorste durch NLPV und den SBB seit dem letzten Jahr. Verbotsübertretungen und Störungen in den Horstschutzzonen haben seitdem abgenommen. Nur wenige sind es noch, die nicht begreifen können oder wollen und z.B. eine leere Limoflasche als weithin sichtbares Signal ihrer "Kühnheit" auf der Klamotte (Pfaffenstein) hinterlassen.

In diesem Jahr organisierte der SBB die Falkenbewachung am Pfaffenstein und an der Fluchtwand (im Schmilkaer Gebiet), nachdem die Akademische Sektion Dresden im vergangenen Jahr die Hauptarbeit leistete. Gewacht wurde von Ende März bis Anfang Juni an jeweils 27 Wochenend- oder Feiertagen, mit je ein oder zwei Personen.

Neben der Kontrolle der Sperrschilder, dem Beobachten der Falken (was an der Fluchtwand leider nicht ganz so einfach ist) und dem Ertragen gelegentlicher Wetterkapriolen gibt es während der Einsätze noch viele aufklärende Gespräche mit Kletterern oder Wanderern zu führen, die sich entweder "eingeschränkt" fühlen oder noch nicht genügend über die Falkenproblematik Bescheid wissen. Eine Ursache dafür dürften allerdings auch die Sperrschilder sein, die von den Nationalparkmitarbeitern verwendet werden müssen (laut unseren Informationen vom Gesetzgeber so vorgegeben!), die den Bergfreunden ein Verbot fast ohne Informationsgehalt vor die Nase setzen. In unseren Gesprächen haben wir gemerkt, daß die meisten Wanderer und Bergsteiger dankbar für Erläuterungen sind und Verständnis für die zeitweiligen Einschränkungen haben. Viel Ärger ruft der Umstand hervor, daß die Sperrschilder erst unmittelbar an den Schutzzonen stehen und mancher dann schon eine ganze Strecke umsonst gelaufen ist. Deshalb haben wir die letzten "Beobachtungswochenenden"die Hinweisschilder an den Zugängen zur Fluchtwand angebracht. Der Zustrom zur Fluchtwand soll dadurch nachgelassen haben, und die Schilder waren zum Schluß sogar noch vorhanden. Letzteres ist erfreulich, denn vom SBB am Pfaffenstein ausgehängte Informationsblätter waren schon am nächsten Tag wieder verschwunden.

Das Ergebnis der diesjährigen Brutsaison der Wanderfalken kann sich sehen lassen: In den meisten der Horste sind Jungvögel ausgeflogen, in zwei Horsten sogar 4 junge Wanderfalken. Der Verlust durch Uhu oder Habicht war in diesem Jahr geringer, besonders erfreulich, wiederum traten keine Brutverluste auf Grund von Störungen durch Kletterer auf.

Abschließend möchten wir uns deshalb bei all denen bedanken, die die gesperrten Horstschutzzonen beachtet haben und somit zum Bruterfolg beigetragen haben. Ganz besonderer Dank gebührt allen Bergfreunden, die an einem Tag oder einem ganzen Wochenende bei der Horstbewachungsaktion mitgeholfen haben.

Voraussichtlich wird es auch 2001 eine solche Falkenbetreuung geben. Potentielle Interessenten sollten sich dies vormerken und können sich gerne schon jetzt beim SBB anmelden. Das würde uns die Arbeit im kommenden Jahr sehr erleichtern. Betreuer erhalten pro Tag und Person eine Aufwandsentschädigung von 30,- DM. Im Januar wird es wieder einen Aufruf im Mitteilungsblatt des SBB und einen Aushang in der Geschäftstelle auf der Könneritzstr. 33 geben.

Kristina Rohde / Martina Wobst SBB

E-Mail: sbb_dd@t-online.de - Betreff: Falkenwacht 2001,
Tel.: 03 51 / 494 14 16, Fax: 03 51 / 4 94 14 17)